Der Frust war Benedikt Doll deutlich anzumerken. "Es ist echt verrückt, was da vorne abgeht. Bei einem Fehler reicht es einfach nicht für die Top sechs", sagte der 31-Jährige nach dem Sprint über 10 km beim Weltcup in Östersund.
Auch Bernd Eisenbichler, Sportlicher Leiter der deutschen Biathleten, musste nach den ersten drei Rennen im Olympia-Winter nüchtern feststellen, dass das Männer-Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) aktuell noch weit von der Weltspitze entfernt ist. "Die Trauben hängen sehr hoch. Man muss schon mit Null durchkommen, um ganz oben zu landen", sagte Eisenbichler, "da müssen wir weiter arbeiten".
Ohne Arnd Peiffer, der im vergangenen Winter fünf von sechs Podestplätze geholt hatte, fehlt dem DSV zwei Monate vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Peking (4. bis 20. Februar) ein Erfolgsgarant. Die Aussichten auf Einzelmedaillen bei den Männern sind angesichts der Leistungsdichte derzeit eher gering. Es bedarf schon eines perfekten Rennens, um die übermächtigen Schweden, Franzosen und Norweger von der Spitze zu verdrängen.
Östersund
Starke Weltcup-Rückkehr: Kühn wird bester Deutscher - Samuelsson siegt
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Läuferisch kann momentan am ehesten Philipp Nawrath mithalten, wie sein sechster Rang beim ersten Sprint am Sonntag verdeutlicht hatte. Auch am Donnerstag war Nawrath in der Loipe schnellster Deutscher, als Elfter lag er 45,6 Sekunden hinter dem Schweden Sebastian Samuelsson. Drei Schießfehler machten dann aber ein Top-Ergebnis zunichte. Der Rest der deutschen Biathleten wies knapp eine Minute oder noch mehr Rückstand in der Loipe auf.

Geringe Chancen beim Verfolger am Sonntag

Entsprechend gering sind auch die Chancen beim Verfolger am Sonntag (15:15 Uhr bei Eurosport) in Östersund. Weltcup-Nachrücker Johannes Kühn, Zwölfter nach dem Sprint, hat 54,8 Sekunden Rückstand auf Samuelsson, Doll als 14. 56,7 Sekunden, Nawrath als 38. schon stolze 1:36,0 Minuten. Als "eher mittelprächtig" stufte ARD-Experte Peiffer etwa die Leistung seines langjährigen Kollegen Doll ein.
Der 31-Jährige, auf dem nach Peiffers Rücktritt viele Hoffnungen lasten, war bereits mit den Rängen 18 und 32 ernüchternd in den Olympia-Winter gestartet. Auch der arrivierte Erik Lesser erfüllte bisher die Erwartungen nicht.
Im ersten Sprint am Wochenende belegte der 33-Jährige, allerdings durch eine Erkältung gehandicapt, nur Rang 44, am Donnerstag musste er sich nach drei Fehlern mit dem indiskutablen 48. Platz zufrieden geben. Er sei schon "froh", überhaupt den Verfolger erreicht zu haben, sagte er.
Lesser hatte bereits vor der Saison vor den Problemen gewarnt. Sein Kumpel Peiffer sei in den letzten Jahren der einzige gewesen, der die Einzelmedaillen bei den Männern geholt hat. "Deswegen könnte man jetzt sagen", so Lesser, "der Arnd ist nicht mehr dabei, deshalb wird es erst einmal keine Einzelmedaille mehr geben." Sieht im Moment fast danach aus.
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(SID)

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