Vanessa Voigt im exklusiven Interview mit Eurosport: "Es war erschütternd, wie wenige Personen mich unterstützt haben"
Update 28/11/2025 um 11:23 GMT+1 Uhr
Vanessa Voigt hat eine schwierige Zeit hinter sich. Die deutsche Biathletin musste die Saison 2024/25 aufgrund einer Lungenentzündung vorzeitig abbrechen und erlebte in der Folge die Schattenseiten des Leistungssports. Im exklusiven Interview mit Eurosport spricht die 28-Jährige über Hassnachrichten, den steinigen Weg zurück in die Weltspitze und eine offenen Rechnung mit den Olympischen Spielen.
Voigt exklusiv: "Möchte mit einem Lächeln im Gesicht am Start stehen"
Quelle: Eurosport
Gewehre raus und Gas geben in der Loipe - die neue Saison der weltbesten Biathleten startet am Wochenende im schwedischen Biathlon-Mekka Östersund (alle Rennen am 29. und 30.11. bei Eurosport und auf discovery+).
Auch Vanessa Voigt wird dabei sein - und das ist keine Selbstverständlichkeit. Nach einem starken ersten Saisondrittel machte der Thüringerin eine Lungenentzündung einen Strich durch die Rechnung.
Im Anschluss durchlebte Voigt schwierige Monate und bekam nicht die erwartete Hilfe. "Ich kann die Personen, die mich unterstützt haben, nicht einmal an einer Hand abzählen. Es war erschütternd, wie wenige das waren", sagte Voigt im Interview mit Eurosport.
Zudem spricht Voigt über die Freundschaft zu Teamkollegin Selina Grotian und "Aha-Momente" bei Olympia.
Vanessa Voigt, wie lief die Saisonvorbereitung?
Vanessa Voigt: Ich bin sehr zufrieden. Der Einstieg war zwar langsam und ziemlich herausfordernd. Ich musste erst wieder meine Trainingstauglichkeit herstellen und mich Schritt für Schritt heranarbeiten.
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Vanessa Voigt gewann bei Olympia 2022 Bronze in der Staffel
Fotocredit: Getty Images
Sie haben die Vorsaison wegen einer Lungenentzündung abgebrochen. Wie geht es Ihnen jetzt und ist die Vorfreude auf den Saisonstart nun noch größer?
Voigt: Mir geht es sehr gut. Es fiel mir allerdings schwer, so lange vom Biathlon weg zu sein. Auch bei der Deutschen Meisterschaft nach längerer Pause wieder mit einer Startnummer am Start zu stehen, war mit viel Nervosität verbunden. Trotzdem freue ich mich riesig darauf, wenn der Winter wieder beginnt und ich den Nervenkitzel spüre.
Ich kann die Personen, die mich unterstützt haben, nicht einmal an einer Hand abzählen. Es war erschütternd, wie wenige das waren.
Wie schwer war es vor allem mental, die Teamkolleginnen im TV bei der WM zu sehen, während man selbst krank zu Hause liegt?
Voigt: Tatsächlich nicht so schwer, weil ich gar nicht zu Hause war (lacht). Ich habe den nächsten Flieger genommen und bin in den Urlaub geflogen. Durch die Zeitverschiebung war das Verfolgen der Rennen nicht ganz einfach. Natürlich habe ich am Ende geschaut, was meine Teamkolleginnen gemacht haben, und mich über jede Medaille gefreut. Aber ich wollte so viel Abstand wie möglich zum Biathlon haben. Und ich glaube, das war genau die richtige Entscheidung.
Sind Sie aufgrund dieser Herausforderung mental noch einmal gereift?
Voigt: Ich habe in meiner Karriere schon viel erlebt. Ich hatte ein Jahr, in dem der Kopf gestreikt hat, und jetzt hat der Körper gestreikt. Man nimmt alles mit - und natürlich ist nicht immer alles positiv. Trotzdem sollte man auch aus solchen Situationen das Positive ziehen. Genau das habe ich gemacht.
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Voigt exklusiv: "Möchte mit einem Lächeln im Gesicht am Start stehen"
Quelle: Eurosport
Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld ausgefallen - gab es Unterstützung?
Voigt: Während einer aktiven Karriere macht man einiges mit. Bei meinen ersten Olympischen Spielen habe ich alles erlebt: von zwei Strafrunden in der Mixed-Staffel bis hin zur um 1,3 Sekunden verpassten Einzelmedaille. Auch Hassnachrichten und Kommentare wie: "Ich habe es schon immer gewusst." Deshalb bin ich in dieser Hinsicht schon einiges gewohnt. Es war dennoch schockierend zu sehen, wie viele Leute hinter, neben oder vor einem stehen, wenn man sagt, dass man die Saison abbricht.
Können Sie das erklären?
Voigt: Ich kann die Personen, die mich unterstützt haben, an einer Hand abzählen. Es war erschütternd, wie wenige das waren. Das hat mich aber nicht negativ beeinflusst. Ich weiß die wenigen Menschen, die mich unterstützt haben, wirklich zu schätzen. Sie haben einen großen Anteil daran, dass es mir jetzt wieder gut geht. Ich bin dankbar, dass sie auch in so einer Situation hinter mir standen.
Es ist wichtig, Bezugspersonen zu haben und nicht nur ins Handy zu sprechen. Es hilft, sich nicht zu verstecken, sondern mit jemandem auch mal seine Sorgen und Probleme teilen zu können.
Sie haben ein enges Verhältnis mit Selina Grotian - wie sehr hilft das, eine Freundin im Biathlon-Zirkus zu haben?
Voigt: Es ist wichtig, Bezugspersonen zu haben und nicht nur ins Handy zu sprechen. Es hilft, sich nicht zu verstecken, sondern mit jemandem auch mal seine Sorgen und Probleme teilen zu können.
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Dicke Freundinnen: Selina Grotian (l.) und Vanessa Voigt
Fotocredit: Getty Images
Welche konkreten sportlichen Ziele haben Sie sich dennoch für die kommende Saison gesteckt?
Voigt: Konkrete sportliche Ziele habe ich deshalb nicht wirklich. Ich möchte - genau wie in der Vorsaison - wieder mit einem Lächeln im Gesicht am Start stehen, fokussiert sein und Step für Step meine Rennen abarbeiten. Ich möchte versuchen, jeden Tag aufs Neue das Beste aus mir herauszuholen. Am Ende steht dann schwarz auf weiß, was ich geleistet habe. Mit dem Gesamtpaket möchte ich zufrieden sein - das ist mein Ziel.
Mit den Olympischen Winterspielen steht ein weiteres Highlight in diesem Winter auf dem Programm. Sie haben nach ihrem 4. Platz im Einzel in Peking noch eine Rechnung offen. Ist die Motivation dadurch noch größer, die ersehnte Einzelmedaille zu holen?
Voigt: Die Motivation ist sehr groß. Ich bin froh, dass ich 2022 dabei war, denke aber auch, dass es jetzt ganz andere Spiele werden. Dieses Mal werde ich nicht mehr in dieser riesigen Mensa sitzen, den Mund vor lauter "Aha-Momenten" offen stehen haben und kaum etwas essen können. Jetzt werden es Spiele, bei denen Freunde und Familie da sein können und man die Strecke kennt. Wahrscheinlich kann man keine Pins sammeln, weil die Sportarten so verteilt sind - es gibt also Vor- und Nachteile, wie bei allen Olympischen Spielen.
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