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Stars nur Zuschauer: Leistung schlägt Namen

Stars nur Zuschauer: Leistung schlägt Namen

14/01/2020 um 12:08Aktualisiert 14/01/2020 um 15:37

Der deutsche Skiverband entscheidet sich gegen eine Nominierung der langjährigen Medaillensammler Erik Lesser und Simon Schempp beim Heim-Weltcup in Ruhpolding. Sie werden ersetzt durch die jüngeren Hoffnungsträger Roman Rees und Philipp Nawrath. Bei den Damen ist Franziska Hildebrand nicht im Kader. Die deutschen Biathleten befinden sich in einem Umbruch. Und das ist wohl auch gut so.

Der Deutsche Skiverband (DSV) hat ja die liebgewordene Angewohnheit, vor jeder Veranstaltung das sogenannte "Aufgebot" bekannt zu geben.

Eigentlich ist das auch für mich nur Routine, Daten und Fakten zu speichern. Im Kopf, das genügt, denn im Biathlon hat es Veränderungen der Mannschaftsaufstellung in den letzten Jahren nur selten gegeben.

Das Team stand mit den bewährten Namen sowohl bei den Damen als auch bei den Herren. Nun aber, vor dem zweiten Heimweltcup in Ruhpolding, konnte ich es kaum erwarten, die Nachricht zu öffnen, denn nach dem bisherigen Verlauf des Winters deutete sich an, dass die alten Zeiten des Stillstands in der Nominierung zu Ende sein würden

Lesser und Schempp fehlen

Die erste Frage war: Wie würde Chef-Bundestrainer Mark Kirchner auf die Formschwächen von zwei seiner bewährten Kräfte reagieren? Würde Erik Lesser nach seinem Ausflug in den IBU-Cup in Osrblie wieder zu seinen alten Kumpels zurückkehren? Und was tun mit Simon Schempp, den die Suche nach der Form früherer Tage auch psychisch so beschäftigt, dass sich Verkrampfung statt Lockerheit einstellt, wie die Rennen in Oberhof gezeigt haben.

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Nicht freilich seit Kirchners Amtsantritt. Roman Rees (26) und Philipp Nawrath (26) rücken für die beiden Altvorderen Lesser (31) und Schempp (31) ins Team. Beide waren beim IBU-Cup zweimal besser platziert als Lesser. Deshalb ist die Entscheidung für Lesser zwar hart in der Sache - aber korrekt. Und wenn Schempp auch in Ruhpolding hinterherlaufen würde wie in Oberhof, wäre das vermutlich nicht mehr zu korrigieren.

Kräftige Veränderungen

Ist das also der berühmte und oft geforderte und zitierte Generationswechsel im deutschen Biathlon?

Momentan ist es nur eine Veränderung, weil mit Philipp Horn (25) und Johannes Kühn (28) zwei aus der zweiten Reihe in dieser Saison den Sprung in die erste Reihe geschafft haben. Sie sind jetzt Stammkräfte. Sie ersetzen im Grunde Schempp und Lesser. Vom bekannten Stamm bleiben im Moment nur noch Arnd Peiffer und Benedikt Doll.

Daran werden sich die Biathlon-Fans so allmählich gewöhnen müssen, denn beide werden auch nicht jünger. Es ist Bewegung erkennbar. Mehr, viel mehr als in den letzten Jahren.

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Neue Gesichter auch bei den Damen

Und bei den Damen ist die Situation ähnlich. Der Rücktritt von Laura Dahlmeier hat ja nun wirklich eine Lücke hinterlassen. Das ist bei jedem Weltcup zu spüren und zu sehen. Franziska Hildebrand (32) wurde für Ruhpolding nicht nominiert. Sie steht am Scheideweg ihrer Karriere. Franziska Preuß, die immer wieder gesundheitliche Durststrecken überwinden muss, kehrt wieder zurück.

Glücklicherweise hat sich ein Mädel aus dem Schwarzwald auf den Weg gemacht. Janina Hettich (23) ist drauf und dran, sich zu etablieren. Und es ist schön zu sehen, dass Denise Herrmann ihre Rolle als Nummer eins im Team im Moment prima ausfüllt. Die Veränderungen sind nicht so krass wie bei den Herren. Aber auch hier gilt: Es ist kein Generationswechsel, der ohnehin nicht von einem Tag auf den anderen erfolgt.

Die sowohl bei den Damen als auch bei den Herren erkennbaren Umbesetzungen machen allerdings klar, dass man sich im DSV durchaus verantwortungsbewusst mit der Zukunft beschäftigt. Zum Leidwesen bekannter Größen der Zunft. Aber auch das ist nichts anderes als der Lauf der Zeit.

Zur Person Sigi Heinrich:

Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.

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