Mit dem Slowenen Uros Velepec, der künftig Chefcoach Mark Kirchner unterstützt und damit die Nachfolge von Isidor Scheuerl antritt, sowie Sverre Olsbu Röiseland, der Florian Steirer als Disziplintrainer im Frauenteam beerbt, stellt sich das deutsche Biathlon-Team für den neuen Olympiazyklus weitestgehend neu auf.
Eine Entscheidung, die bei Eurosport-Experte Rösch grundsätzlich für Anklang sorgt. "Die Ursachen für den Abschied von Isidor (Scheuerl; Anm. d. Red.), der sich ja aus privaten Gründen zurückgezogen hat, und Florian (Steirer; Anm. d. Red.) kenne ich nicht genau, aber ich finde es gut, dass für den neuen Olympia-Zyklus auch mit dem neuen Sportdirektor Felix Bitterling ein neuer Weg eingeschlagen wird. Ob es dann letztlich funktioniert, wird man sehen", so der Staffel-Olympiasieger von 2006.
Nach Ansicht von Rösch müsse nun jedoch Geduld das oberste Credo sein. "Im Sport und gerade im Biathlon ist oftmals ein Problem, dass den handelnden Personen zu wenig Zeit eingeräumt wird. Es kann natürlich sein, dass die Neuerungen nicht von heute auf morgen umzusetzen sind, wie man sich das vielleicht vorstellt. Das Wichtige ist deshalb, dass man den Leuten Zeit gibt, sich zu beweisen", forderte er und betonte:
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"Wenn es in einem Jahr mal nicht so gut läuft, kommt ganz schnell Kritik hoch, aber es kann natürlich auch ganz schnell wieder in die andere Richtung ausschlagen. Der Faktor Zeit ist daher sowohl für die beiden neuen Trainer als auch für Felix Bitterling enorm wichtig."

Rösch ehrlich: "Hätte mir einen jungen, frischen Trainer gewünscht"

Im Gegensatz zu Olsbu Röiseland (31), der im Weltcup-Zirkus ein noch recht unbeschriebenes Blatt ist, setzt der DSV mit der Verpflichtung von Velepec (54) voll auf die Karte Erfahrung.
"Uros (Velepec; Anm. d. Red.) kenne ich persönlich, aber zu ihm kann ich wenig sagen, was er trainertechnisch draufhat. Er ist ein älterer Trainer, der natürlich deutlich mehr Erfahrung mitbringt. Vom Gefühl her sind Velepec und Olsbu Röiseland in Sachen Trainingsphilosophie sehr unterschiedlich. Uros ist schon sehr lange im Trainergeschäft dabei und daher eher etwas old school. Dennoch hat er überall, wo er gearbeitet hat, sei es bei Slowenien oder der Ukraine, gute Arbeit geleistet", erläuterte Rösch und ergänzte:
"Er bringt einen unheimlichen Erfahrungsschatz mit. Wie sich das auf die Leistungen der Herren auswirken wird, ist allerdings reine Spekulation."
Als optimale Ergänzung für das Männer-Team um Bundestrainer Kirchner sieht Rösch den Slowenen jedoch nicht. "Ich schätze Uros sehr, aber ich persönlich finde ihn ein Stück weit zu old school. Ich hätte mir persönlich gewünscht, dass ähnlich wie bei den Damen ein junger neuer Trainer reinkommt, vielleicht auch aus einem skandinavischen Land."

Rösch bringt Lukas ins Spiel

Anders als Scheuerl und Steirer blieb Bundestrainer Kirchner dagegen vom Trainer-Beben im deutschen Lager verschont.
"Mark Kirchner ist mittlerweile sehr lange bei den Männern dabei. Natürlich hätte man auch hier den Hebel ansetzen können. Allerdings stellt sich hier die Frage, welcher Trainer ist aktuell überhaupt verfügbar und würde sich diesen Job zutrauen", so Rösch, der als Alternative zu Velepec abschließend noch einen weiteren Kandidaten ins Spiel bringt:
"Ich hätte mich bei den Männern über einen jungen neuen Trainer wie Johannes Lukas (Cheftrainer der schwedischen Mannschaft; Anm. d. Red.) gefreut, damit man auch hier einen komplett neuen Weg einschlägt."
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