Martin Fourcades Kampf gegen Doping: Richtiger Grund, falsches Ziel

Martin Fourcade kämpft für einen sauberen Sport. Dopingsünder sind dem besten Biathleten der letzten Jahre ein Dorn im Auge. Er setzt sich für härtere Strafen ein und den Weltverband IBU unter Druck. Bei der Biathlon-WM in Hochfilzen mündete sein Kampf in einem Kleinkrieg mit dem russischen Team und dessen überführten Doper Alexander Loginow und landete damit beim falschen Adressaten.

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Ein Kommentar aus Hochfilzen von Fabian Kunze
Martin Fourcade war es sichtlich unangenehm. Er saß da, die dunkelblaue Jacke bis zum Kinn geschlossen, die Arme vor dem Körper verschränkt, und blickte entschuldigend zu Vanessa Hinz. Es täte ihm Leid, dass die ganze Diskussion am Tag ihrer Goldmedaille geschehen müsse, erklärte der Franzose der frischgebackenen deutschen Mixedstaffel-Weltmeisterin zu seiner Linken.
Vielleicht hatte er da schon gemerkt, dass er am ersten WM-Tag in Hochfilzen ein wenig über das Ziel hinausgeschossen war.
Fourcade ist ein Mann mit Prinzipien und für die steht er ein. Er ist DER Vorkämpfer in Sachen Anti-Doping im Biathlon. Er - der beste Biathlet der letzten Jahre, der fünfmalige Gesamtweltcupsieger - geht voran. Fourcade kämpft für einen sauberen Sport, für härtere Strafen gegen Dopingsünder und deren Verbände.
Fourcade scheut den Konflikt nicht, drohte sogar mit Boykott, sollte er gegen ehemalige Dopingsünder antreten müssen. Er konfrontiert den Biathlon-Weltverband mit der unangenehmen Wahrheit - nämlich, dass der Sport, den er liebt und von dem er lebt, nicht sauber ist. Nach der Durchsuchung des kasachischen Teamhotels bahnt sich der nächste Tiefschlag bereits an.

Den Bogen überspannt

Und doch: Während und nach der Mixedstaffel hat Fourcade den Bogen überspannt. Ungeachtet dessen, dass nicht nur er die Nominierung des erst im November 2016 nach einer zweijährigen Dopingsperre zurückgekehrten Alexander Loginow als Provokation empfunden haben musste, ist der überführte EPO-Doper nicht das richtige Ziel für Fourcades Feldzug für einen sauberen Biathlon.
Loginow gilt nach dem Absitzen seiner Sperre als rehabilitiert, verdient vor den Regularien des Weltverbandes eine zweite Chance. Und selbst der russische Verband, der den Einsatz Loginows über den Kopf von Trainer Ricco Groß hinweg entschieden hatte, handelt dem Regelwerk entsprechend, wenn er ihn für ein Staffelrennen bei der WM nominiert.
Das mag moralisch fragwürdig sein, rechtfertigt aber noch lange keinen persönlichen Kleinkrieg - sei es beim Verlassen des Podestes oder im Wortgefecht auf der Pressekonferenz.

Saubere Sieger für einen sauberen Sport

Fourcade kämpft für die richtige Sache, aber in Hochfilzen tat er es an der falschen Stelle. Seine Energie sollte der Franzose vielmehr darin investieren, die Verantwortlichen beim Weltverband zur Verabschiedung härterer Sanktionen gegen Dopingsünder und deren Verbände zu drängen. Die beim außerordentlichen Kongress am Vortag der WM beschlossene Arbeitsgruppe zum Thema "Bestrafung von Dopingsündern" sollte an die Wichtigkeit und Dringlichkeit ihrer Arbeit zu erinnert und konkrete Ergebnisse eingefordert werden.
Und zu guter Letzt sollte Fourcade Leistung sprechen lassen - denn es gibt keine bessere Werbung für sauberen Sport als saubere Sieger!
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