So holte Hamilton beim Qualifying die Pole Position in Bahrain

Lewis Hamilton hat sich beim Grand Prix von Bahrain die 98. Pole-Position seiner Karriere gesichert. Der Mercedes-Pilot, der bereits als Weltmeister feststeht, verwies seinen Teamkollegen Valtteri Bottas im Nacht-Qualifying vor den Toren der Hauptstadt Manama auf den zweiten Platz. Doch warum begann der Brite seine Runde langsam und wo wäre für Sebastian Vettel mehr drin gewesen?

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Eigentlich hat Lewis Hamiltons Pole-Runde im Qualifying zum Grand Prix von Bahrain nicht so angefangen, als würde er seine Zeit aus dem ersten Q3-Run verbessern können. In den ersten paar Minisektoren war der Mercedes-Fahrer sogar langsamer als in der Runde davor.
Auf der sogenannten "Driver-Performance-Page", wo die insgesamt 28 Minisektoren aufgelistet sind, konnte man sehen, dass Hamilton seine Pole-Runde zurückhaltend begonnen hatte. "In Kurve 1 wäre noch ein bisschen Zeit drin gewesen", analysiert er.
"Da habe ich am Ausgang ein bisschen unterperformt. Aber der Rest war gut. Kurve 6 war auch ein bisschen zu langsam. Dort hätte ich vielleicht ein bisschen schneller fahren können", so der Brite.
Gleichzeitig beteuert er aber, dass die Runde "wirklich gut" angefangen habe - was die Frage nahelegt: War der langsame Beginn in den ersten paar Minisektoren vielleicht Absicht, um die weichen Reifen auf dem grobkörnigen Asphalt in Bahrain nicht gleich in den ersten Kurven zu überhitzen und damit deren Peak zu schnell zu verlieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Qualifying in Bahrain:

Wo hat Hamilton die Pole geholt?

Schon nach der ersten Q3-Runde lag er auf Pole-Kurs, und nach der ersten Zwischenzeit der zweiten Q3-Runde lag er ebenfalls vorn. Dabei hatte er die Runde eher verhalten begonnen. In den ersten paar Minisektoren war er langsamer als auf der vorangegangenen Runde.
Eine bewusste Entscheidung, um die Reifen für den Rest der Runde zu schonen? "Ich schätze, ich kann das nicht allzu detailliert zu beantworten, schließlich will ich keine Geheimnisse verraten", grinst Hamilton: "Aber so viel kann ich sagen: Ich habe keinen Fehler gemacht."
"Wir fahren diese wirklich langsamen Out-Laps", erklärt er, "und versuchen jedes Mal, die Reifen für den Anfang im optimalen Temperaturfenster zu haben. Da reden wir von ein bis fünf Grad Unterschied. Meistens werden die Reifen bis zu einem bestimmten Punkt der Runde besser, aber dann überhitzen sie und du bekommst Probleme. Das ist meine Antwort."
Am Ende des ersten Sektors knallte er dann zwei "pinke" Minisektoren hin und zog das Tempo an. Bottas schob sich dank einer guten letzten Runde zwar noch an Max Verstappen vorbei, blieb aber ratlos zurück: "Das Problem ist, wenn du ein gutes Gefühl hast und glaubst, dass du alles aus dem Auto rausgeholt hast - aber die Rundenzeit trotzdem nicht reicht."
Hamilton für seinen Teil findet, dass er die Kurven 1, 4 und 6 nicht perfekt getroffen hat, relativiert das aber: "Du kannst immer noch was finden, aber insgesamt war es eine saubere Runde. Ich war die meiste Zeit zweieinhalb Zehntel voran. Damit war ich sehr zufrieden."

Hat Bottas im Rennen eine Chance gegen Hamilton?

Der Papierform nach ist er nicht Favorit. Bahrain wird aufgrund des grobkörnigen Asphalts ein reifenmordendes Rennen, und gerade der Umgang mit den Reifen gilt als Hamiltons Spezialdisziplin.
Außerdem steht Bottas auf der schlechteren (weil staubigeren) Seite der Startaufstellung. Das sei "auf jeden Fall" ein Nachteil, räumt Teamchef Toto Wolff ein. Auch gegenüber Verstappen.
Allerdings hat der Finne für das Nachtrennen in der Wüste womöglich einen Joker in der Hinterhand: "Ich habe ein ganz anderes Set-Up als Lewis. Mal sehen, ob das im Rennen einen Unterschied macht." Ungewöhnlich sei das nicht: "Manchmal stimmen wir anders ab, manchmal gleich", relativiert Bottas.

Hätte Verstappen auf Pole fahren können?

Nein. Nach seiner Bestzeit im Abschlusstraining galt er als heimlicher Favorit. Aber Mercedes hatte sich am Freitag voll auf die Tests mit den 2021er-Pirelli-Prototypen konzentriert. Je länger das Wochenende dauerte, desto schneller wurden die schwarzen "Silberpfeile".
"Das Wochenende war insgesamt recht positiv. Im Qualifying hat uns ein bisschen was gefehlt. Wir müssen uns anschauen, woran das lag", sagt Verstappen.
Ganz rund lief der Samstag aber nicht. Im FT3 flatterte der Heckflügel bei aktiviertem DRS. Auch während des Qualifyings wurde am Heckflügel nachjustiert. Und zwischendurch klagte der Niederländer darüber, dass seine Reifen in Q3 schneller überhitzten als im FT3 - obwohl es eigentlich kühler war.

Also Vorteil Mercedes im Rennen?

Nicht wenn es nach Toto Wolff geht: "Unser größtes Problem ist, dass wir in den Longruns mehr überhitzt haben als der Red Bull. Und die einen zweiten harten Reifen haben", sagt er. "Rein von der Strategie her haben sie sicher einen Vorteil, und auch vom Set-up des Autos. Aber es ist mal ein guter Start heute."
Außerdem: Beim letzten Rennen, bei dem die Reifen der Schlüssel zum Sieg waren, in Silverstone, war Verstappen ebenfalls stark. Bahrain wird für Mercedes wohl kein Spaziergang.

Wie lief es hinter den Top 3?

Wie erwartet ging es im Verfolgerfeld denkbar knapp zu. Zwischen Albon auf P4 und Pierre Gasly (AlphaTauri) auf P8 lagen nur 0,174 Sekunden. Sergio Perez (5./Racing Point) hatte Glück, dass die FIA heute keine Track-Limits mehr ahndete. In Kurve 4 wäre es für ihn sonst knapp geworden.
Daniel Ricciardo (Renault), verpatzte seine erste Q3-Runde, fuhr aber eine bessere zweite und schob sich damit noch an Teamkollege Esteban Ocon (7.) vorbei. Der Australier holte mit 1,153 Sekunden Rückstand P6. "Mit meiner letzten Runde war ich zufrieden", sagt er.

Wo hat Vettel den Einzug in die Top 10 verpasst?

Der Ferrari-Routinier war das ganze Wochenende schneller als Charles Leclerc. Als es drauf ankam, schmolz Vettels teaminterner Vorsprung aber. Am Ende setzte er sich um 0,016 Sekunden durch. "In Kurve 4 habe ich ein bisschen Zeit verloren", ärgert sich Leclerc, der dem Ergebnis aber auch etwas Positives abgewinnen kann: "So haben wir morgen zumindest freie Reifenwahl."
Vettel glaubt, dass sein erstes Top-10-Qualifying seit Silverstone möglich gewesen wäre. Noch während seiner Out-Lap funkte er: "Ich hatte ein paar Wackler dabei. Arrg!" Der Mittelsektor sei "nicht ideal" gewesen, analysiert der Deutsche, weil er "zu dicht hinter George Russell" fuhr und das Anpressdruck kostete.
Erstaunlich mag anmuten, dass er seine letzte Q2-Runde nicht auf Soft, sondern auf Medium fuhr. Da war Ferrari diesmal aber keine Ausnahme. Der Soft habe "keinen Sinn" gemacht, "weil er nicht lange hält". Das handhabten praktisch alle Teams so.

Und die Ferrari-Kundenteams?

Dass nur Latifi langsamer war als Alfa Romeo und Haas beweist, dass das Ferrari-Chassis im Verhältnis gar nicht so schlecht sein kann. "Bahrain ist eine Powerstrecke", erklärt 'Sky'-Experte Karun Chandhok. Das war heute deutlich zu sehen.
Kimi Räikkönen (17.) blieb drei Zehntelsekunden hinter Antonio Giovinazzi und schied in Q1 aus. Bei Haas war Kevin Magnussen um ein paar Tausendstelsekunden schneller als Romain Grosjean. Der klang am Boxenfunk ungewöhnlich versöhnlich: "Ich habe alles gegeben, Kumpel, und es dabei vielleicht ein bisschen übertrieben. Ich wollte es genießen."
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