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Der Absturz von Daniel Ricciardo: Von Red Bull bis McLaren - die Geschichte des Niedergangs eines Titelkandidaten
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Publiziert 22/07/2022 um 11:26 GMT+2 Uhr
Daniel Ricciardo galt als einer der begehrtesten Fahrer in der Formel 1. In seiner ersten Saison bei Red Bull dominierte er Sebastian Vettel, der zuvor vier Mal in Serie Weltmeister geworden war. McLaren verpflichtete ihn, um wieder einen Titelkandidaten in den Reihen zu haben. Doch nun steht die Zukunft des Australiers in den Sternen. Doch wo war der Knackpunkt - und wie geht es für ihn weiter?
Daniel Ricciardo blieb im McLaren hinter den Erwartungen zurück
Fotocredit: Getty Images
"Daniel setzt sich ins Auto und ist ab dem ersten Meter schnell", beschrieb Red-Bull-Berater Helmut Marko einst seinen einstigen Schützling Daniel Ricciardo. "Sein Karriereweg bis zu Red Bull Racing ging fast nur bergauf."
In der Tat entpuppte sich der Australier als eine Art Lichtgestalt, welche die Zukunft der Königsklasse des Motorsports prägen sollte. Ricciardo strahlte in seinem Debütjahr bei Red Bull eine Selbstsicherheit sondergleichen aus, kratzte auch das letzte Quäntchen Speed aus seinem Boliden heraus - was auch der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel zu spüren bekam.
"Gleich im ersten Jahr bei Red Bull Racing hat er Vettel mit drei zu null Siegen besiegt", führte Marko weiter aus. Und auch der 33-Jährige selbst sah sich damals zu Höherem bestimmt. "Wenn ich an 2014 zurückdenke, denke ich: Ja, ich hätte in diesem Jahr den Weltmeistertitel gewinnen können", erklärte er im Podcast "Beyond the Grid". "Bei gleichen Voraussetzungen wäre ich der Fahrer gewesen, den es zu schlagen galt."
Doch Ricciardos Aufstieg fiel ausgerechnet in die anbrechende Ära der Mercedes-Dominanz - der WM-Titel blieb ihm verwehrt. Nichtsdestotrotz wurde dem Youngster aufgrund seiner Qualitäten und letztlich auch wegen seiner teaminternen Siege gegen Vettel eine große Karriere prophezeit. Es schien, dass Red Bull einen neuen Weltmeister züchtete - doch diese Vorstellung sollte ein Traum bleiben.
Ricciardos Niedergang: Zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort
Acht Jahre später blickt Ricciardo auf eine turbulente Karriere zurück. Angesichts seiner Wanderschaft von Red Bull (2014-2018) zu Renault (2019-2020) bis hin zu seinem heutigen Arbeitgeber McLaren (2021) hätte der Australier auf den ersten Blick wohl schlechtere Karriereentscheidungen treffen können.
Sieht man etwas genauer hin, verfestigt sich aber der Gedanke, dass sich Ricciardo zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort befunden hatte.
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Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo zu gemeinsamen Red-Bull-Zeiten
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Sein kometenhafter Aufstieg kam nach fünf Jahren im Red Bull ins Stocken, der 'Honey Badger' geriet ins Hintertreffen. Nach zwei eindrucksvollen dritten Plätzen im WM-Klassement (2014, 2016) und seiner Dominanz im Duell mit seinen Teamkollegen Vettel und Daniil Kvyat rückte Ricciardo aus dem Scheinwerferlicht. Max Verstappen trat auf die große Bühne und stahl dem Sunnyboy die Show.
"Als Max kam, war das ein Knackpunkt in seiner Karriere", sagt Marko. Dass Red Bull - trotz des noch unzuverlässigen Honda-Motors - in den kommenden Jahren um die Weltmeisterschaft fahren würde, stand außer Frage. Doch auf wen würde man im Ernstfall beim österreichischen Rennstall setzen?
Ricciardo vs. Verstappen: Der Honey Badger sucht das Weite
"Anstatt den Kampf aufzunehmen, hat er das Weite gesucht", hält sich Marko kurz. Auch wenn sich Ricciardo nie explizit zu den Gründen seines überraschenden Red-Bull-Abgangs im Jahr 2018 geäußert hat, gilt diese Theorie als am wahrscheinlichsten. Red Bull hätte dem Australier für einen Verbleib offenbar alles gegeben - doch Ricciardo schlug jegliches Angebot aus.
Zu groß war der Fokus auf den aufstrebenden Verstappen. Für einen zweiten Star gab es letzten Endes nicht genügend Platz.
Als dramatischer Höhepunkt des scheidenden Traum-Duos gilt der Crash von Aserbaidschan in der Saison 2018. Ricciardo fuhr Verstappen nach einem hitzigen Kampf hinten auf, brachte beide Piloten um die Chance auf den Sieg. Red Bull sprach damals beide Fahrer gleichermaßen schuldig. Ricciardo sah sich aber ungerecht behandelt - die Beziehung zu seinem Team erlitt einen empfindlichen Riss.
"Wie sie damit umgegangen sind, kam damals bei mir einfach nicht gut an, schätze ich", erklärte er rund ein Jahr später. Vier Monate nach dem verheerenden Unfall erklärte Ricciardo seinen Abschied von Red Bull und verkündete, dass er sich in der darauffolgenden Saison Renault anschließen werde. Der damals siebenmalige Grand-Prix-Sieger erhoffte sich einen erneuten Aufschwung in seiner Karriere - erlebte jedoch das Gegenteil.
Ricciardo bei Renault: Absturz in die Mittelmäßigkeit
Letzten Endes weiß nur Ricciardo selbst, was ihn zu seinem Wechsel bewogen hat. Eifersucht, fehlendes Vertrauen oder teaminterner Zwist - die Theorien waren breit gefächert, bestätigt wurde aber keine davon. Renault schien Ricciardo aber den passenden Ausweg zu bieten.
Der französische Rennstall feierte 2016 sein Comeback in der Formel 1, arbeitete sich innerhalb von drei Jahren auf Rang vier der Konstrukteursweltmeisterschaft vor. Um dem aufstrebenden Team noch den letzten Feinschliff zu verleihen, bedurfte es eines Stars. Und mit Ricciardo befand sich zu jenem Zeitpunkt ein begnadeter Fahrer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.
Bei Renault fand der abtrünnige Red-Bull-Pilot alles vor. An der Seite von Nico Hülkenberg war er die unumstrittene Nummer eins im Team, das Auto sollte - so die Vorstellung - in absehbarer Zeit regelmäßig um Podien fahren können. Ein sichtlich befreiter Ricciardo stellte sein Können unter Beweis, holte nach kleineren Anlaufschwierigkeiten alles aus seinem Auto heraus.
Doch Renault konnte sein Versprechen nicht halten. Das Auto war für die hohen Ansprüche Ricciardos einfach zu schwach.
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Auch im Renault fand Ricciardo keine Erfüllung
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Prost über Ricciardo: "Hatte Angst vor dem Projekt"
Renault fiel in der Konstrukteurswertung zurück, fand sich im Kampf um das Mittelfeld wieder. Während man beim französischen Rennstall ruhig blieb und auf die Langfristigkeit des eigenen Projekts setzte, lief Ricciardo allmählich die Zeit davon. Während sich Verstappen bei Red Bull zum Titelkandidaten aufschwang, musste der Sunnyboy seinem ausgerufenen Ziel endgültig absagen.
"Er war sicherlich vom Projekt etwas eingeschüchtert", erklärte Alain Prost, damaliges Aufsichtsratsmitglied bei Renault. "Ich lese viel über Ricciardo, dass er nie Weltmeister wird oder was auch immer. Es ist immer schwierig eine richtige Entscheidung in seiner Karriere zu treffen", umriss der viermalige Weltmeister das Ricciardo-Dilemma.
Im Jahr 2020 legte der Australier noch einmal eine Schippe drauf, trieb seinen Renault zu Bestleistungen. Und tatsächlich - am Nürnburgring und in Monza löste Ricciardo französische Jubelstürme aus, als er gleich zweimal auf den dritten Rang raste. Nichtsdestotrotz schien ihm der Fortschritt nicht zu genügen, zu klein waren die Sprünge nach vorne.
Umso verheißungsvoller schien das einfliegende Angebot von McLaren, das Ricciardo Linderung seiner Sehnsuchtsschmerzen versprach. "An jeden, der dachte, ich wäre weg gewesen: Ich war nie weg", sagte er damals.
Höhenflug in Monza - doch der Absturz ist Realität
Und plötzlich war es wieder da: Das breite Grinsen des Daniel Ricciardo, das in den vorangegangen Jahren einer nachdenklichen Mimik gewichen war. Neun Monate nach seinem Wechsel erlebte Ricciardo in Monza 2021 die Rückkehr einer längst vergessenen Realität.
Der australische Shootingstar fuhr den ersten McLaren-Sieg seit 2012 ein, seine Karriere schien wieder gerade gerückt zu werden. Bei McLaren erhoffte man sich, endlich auf die verloren geglaubte Goldader des Honey Badgers gestoßen zu sein. Doch der Schein trog.
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Ricciardos Lächeln kehrte nur für kurze Dauer zurück
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Der Triumph in Italien überstrahlte eine insgesamt dürftige Saison, die reiche Goldader entpuppte sich als eine Fata Morgana. Während Teamkollege Lando Norris in den beiden gemeinsamen Jahren insgesamt vier Podestplätze und 224 Punkte anhäufte, blieb Monza für Ricciardo das einzige Highlight. Er selbst sammelte im selben Zeitraum übrigens nur 132 Punkte.
Norris läuft Ricciardo den Rang ab
Doch was fehlt Ricciardo bei McLaren? Immerhin befindet sich der britische Rennstall im Aufschwung, liegt in Reichweite zu den vorderen Plätzen.
Ein Grund dürften die Einstellungen am McLaren sein, die wohl auf den britischen Publikumsliebling Norris abgestimmt sind. "Das bedeutet aber auch, dass die unterschiedliche Abstimmung des Autos dem einen Fahrer vielleicht etwas weniger liegt als dem anderen", weiß Prost aus seiner aktiven Zeit selbst. "Das ist der normale Teil des Lebens als Rennfahrer."
McLaren erhöht den Druck: Wie geht es für Ricciardo weiter?
Ein Umstand, der Ricciardo wohl an seine Zeit bei Red Bull erinnert. Ein aufstrebender junger Fahrer läuft dem einst vielversprechenden Routinier den Rang ab. Doch wie lange geht das Spiel noch weiter? Immerhin reichte es für Ricciardo diese Saison in elf Rennen nur dreimal zu Punkten.
"Abgesehen von Monza und einigen wenigen Rennen hat er unsere Erwartungen nicht erfüllt", urteilte McLaren-Boss Zak Brown Ende Mai über seinen Schützling. "Natürlich hätten wir gerne, dass er näher an Lando dran ist."
Sollte sich die Negativserie des achtmaligen Grand-Prix-Siegers weiter fortführen, steht offenbar sogar der bestehende Vertrag (Laufzeit bis 2023) auf dem Spiel. "Ich möchte nicht auf den Vertrag eingehen, aber es gibt Paragraphen, in denen wir uns einander verpflichten haben, und Paragraphen, in denen wir es nicht getan haben", antwortete Brown auf die Frage nach einem vorzeitigen Ricciardo-Abschied.
Karriereende? Ricciardo vor ungewisser Zukunft
Ricciardo selbst bleibt angesichts des wachsenden Drucks gelassen. "Ich bin bis zum Ende des nächsten Jahres an McLaren gebunden und werde den Sport nicht verlassen", schrieb der Australier jüngst in den Sozialen Medien und wischte ein mögliches Karriereende vom Tisch. "Ich weiß, dass es nicht immer leicht war. Aber wer will es schon leicht haben!"
Der 33-Jährige will die Herausforderung also annehmen, ist jedoch längst angezählt. Im Hintergrund plant McLaren laut "BBC" bereits mit möglichen Nachfolgern. Unter den Kandidaten befinden sich Toptalente wie Oscar Piastri oder Colton Herta. Sollte der Turnaround in der laufenden Saison ausbleiben, könnte Ricciardos Zeit bei McLaren schneller vorbei sein, als ihm lieb ist.
Wie die vergangenen Jahre aufzeigten, entfaltet Ricciardo sein volles Potential nur, wenn er im Rampenlicht steht. Wird das Team auf ihn und seine Qualitäten ausgerichtet (wie bei Renault), kitzelt er auch den letzten Tropfen Leistung aus dem Boliden. Ricciardo muss das Vertrauen seines Teams spüren, als unumstrittene Nummer eins gelten.
Widerfährt ihm jedoch eine Situation wie bei McLaren, findet er sich auf unangenehmen Terrain wieder. Norris läuft ihm zurzeit den Rang ab.
Für Ricciardo bricht eine ungewisse Zukunft an. "Ich bin immer noch hier, weil ich daran glaube, dass ich einen Titel gewinnen kann", gab er sich Ende 2021 im Podcast "Beyond the Grid" kämpferisch. Mittlerweile sieht es aber düster aus für den Sunnyboy - ein vorzeitiger Abschied bei McLaren scheint aufgrund fehlender Ergebnisse nicht mehr unrealistisch.
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Quelle: Perform
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