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Der Traum lebt: Mick Schumacher auf den Spuren seines Vaters

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Mick Schumacher - Formel 2

Fotocredit: Getty Images

VonPeer Kuni
31/07/2020 Am 07:26 | Update 31/07/2020 Am 16:15

Mick Schumacher ist die nächste große Formel-1-Hoffnung für Deutschland. Der Sohn von F1-Rekordweltmeister Michael Schumacher überzeugt in seiner zweiten Saison in der Formel 2 mit konstant guten Leistungen. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat Schumacher bereits auf dem Radar für ein Cockpit. Doch ganz so einfach wird der Sprung in die Motorsport-Königsklasse nicht.

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Ungarn und Mick Schumacher, das passt einfach zusammen.

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"Das ist ein großartiges Gefühl. Die Motivation im Team ist auf dem absoluten Höhepunkt", fasste Schumacher das Wochenende in Budapest zusammen. Der Prema-Pilot fuhr am Hungaroring sowohl im Haupt- als auch im Sprintrennen als Dritter auf das Podest.

Bereits vor einem Jahr erwies sich Budapest als gutes Pflaster für Schumacher. In seiner ersten Formel-2-Saison fuhr er dort im Sprintrennen seinen ersten und bislang einzigen Sieg im Formel-1-Unterbau ein. Was ihm 2019 noch fehlte, war die Konstanz.

Mit eben jener punktete Schumacher bislang in der noch jungen Saison. Mit etwas weniger Pech beim Doppel-Wochenende in Spielberg wäre der 21-Jährige in der WM-Wertung noch besser platziert. Aktuell ist er Vierter.

Ferrari: Teamchef Binotto zufrieden mit Schumachers Entwicklung

Im ersten Sprintrennen von Spielberg sorgten mehrere Safety-Car-Phasen dafür, dass Schumacher nur Siebter wurde. Im zweiten Sprintrennen stoppte der Feuerlöscher, der im Auto losging, den Prema-Piloten auf Platz drei liegend. Zudem verhinderte in Ungarn ein verpatzter Boxenstopp einen möglichen Sieg, im Hauptrennen in Österreich verspielte der Deutsche außerdem mit einem Fahrfehler ein weiteres Podium.

"Mick macht es sehr viel besser als letztes Jahr. Er zeigt Fortschritte, wie man an seinen Resultaten in Budapest gesehen hat", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto, der die Rennen von Schumacher genau verfolgt. Der Italiener mit Wurzeln aus der Schweiz fügte hinzu: "Es geht also voran bei Mick und das ist wichtig."

Schumacher gehört seit Januar 2019 dem Ferrari-Nachwuchsprogramm an. In diesem war auch der heutige Scuderia-Fahrer Charles Leclerc sowie Alfa-Romeo-Pilot Antonio Giovinazzi. Sowohl für Ferrari als auch für Alfa absolvierte Schumacher bereits F1-Tests. Außerdem drehte er Runden mit dem 94er-Benetton 2017 in Spa-Francorchamps sowie dem 04er-Ferrari 2019 auf dem Hockheimring. Mit beiden Autos wurde Vater Michael Weltmeister.

"Ich werd alles daransetzen, das herauszuholen, was mir hilft, meinen Traum zu verwirklichen – in der Formel 1 zu fahren", hat auch Mick Schumacher bei der Aufnahme ins Nachwuchsprogramm der Roten sein Ziel weiter fest im Blick. Und das Ferrari Schumacher bereits auf dem Radar für ein F1-Cockpit hat, das machen die Aussagen von Binotto deutlich.

Mick Schumacher testete 2019 den Ferrari F2004 auf dem Hockenheimring

Fotocredit: Getty Images

Mick Schumacher: Teamkollege Shwartzman als Gradmesser

Doch er muss sich gegen die Kontrahenten weiterhin beweisen. Mit seinem Teamkollegen Robert Shwartzman sowie Callum Ilott (Uni-Virtuosi) führen zwei andere Nachwuchshoffnungen aus der Ferrari Akademie derzeit die WM-Wertung in der Formel 2 an.

Insbesondere am Russen Shwartzman, der ein Jahr jünger ist als Schumacher, wird sich der Deutsche messen müssen. Der Mann aus St. Petersburg stieg als amtierender Formel-3-Champion in diesem Jahr in die F2 auf und gewann zwei der ersten sechs Saisonrennen.

Schumacher hingegen kam in seiner F2-Debütsaison 2019, damals ebenfalls als frischgebackener F3-Champion, nur auf Gesamtplatz zwölf. Der Russe scheint sich also deutlich schneller in der höheren Klasse zurechtzufinden, Schumacher ist gefordert und muss in der weiteren Saison teamintern dagegenhalten.

Mick Schumacher: Lob von Haug und Onkel Ralf

Die bislang starken Auftritte von Schumacher sind auch dem früheren Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nicht entgangen. "Die Leistung ist wunderbar. Er gefällt mir sehr gut", sagte 67-Jährige bei "Sky" und fügte an: "Er hat wohlüberlegte, gut getimte Überholmanöver gezeigt in Ungarn. Wie aus dem Bilderbuch."

Haug ist sich sicher, dass Schumacher besonders mit seinen Leistungen in Ungarn einige F1-Teams auf sich aufmerksam gemacht hat. "Was Mick im Infight macht, ist allererste Sahne. Ich bin sicher, dass fällt nicht nur mir auf."

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Besonderes Lob erhielt Schumacher auch von seinem Onkel Ralf. Der 45-Jährige, der selbst zwischen 1997 und 2007 für Jordan, Williams und Toyota 180 F1-Rennen bestritt und dabei sechs Grand-Prix-Siege feiern konnte, bezeichnete die Leistungen seines Neffen in Budapest als "unglaublich stark."

Ralf Schumacher, der heute für "Sky" als Motorsport-Experte arbeitet, sagt Mick und dem Prema-Rennstall eine starke Saison voraus: "Die Performance ist da. Das Team macht dieses Jahr einen super Job mit ihm zusammen. Von daher werden wir sicherlich noch viele gute Rennen von Mick sehen."

Mich Schumacher (vorne) wurde Dritter im Sprintrennen in Budapest

Fotocredit: Getty Images

Ferrari: Weichen für die Zukunft sind gestellt

Diese werden letztendlich auch notwendig sein, um sich nachhaltig für ein Cockpit in der Motorsport-Königsklasse zu empfehlen. Allerdings könnte Schumacher aufgrund seines Nachnamens und seinen engen Beziehungen zu Ferrari einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben. "In die Formel 1 kommt man nicht nur mit Talent, sondern auch mit Beziehungen und mit Herstellerunterstützung", unterstreicht Haug. Daher sehe er den Sohn von Michael Schumacher in einer guten Position.

Einen möglichen Aufstieg in die Formel 1 möchte Ferrari-Boss Binotto allerdings nicht thematisieren. "Es ist noch zu früh, um für nächstes Jahr etwas zu entschieden", meinte der 50-Jährige. Denn klar ist, dass Ferrari gerade erst Nägel mit Köpfen gemacht hat.

Carlos Sainz folgt 2021 auf Sebastian Vettel und hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Der Spanier ist erst 25 Jahre jung, fährt aber bereits seit 2015 in der Formel 1 und liefert konstant gute Ergebnisse.

Charles Leclerc überzeugte in seinem ersten F1-Jahr mit Sauber 2018 die Ferraristi so sehr, dass sie Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen vor die Tür setzen. Der Monegasse lieferte auch in Rot auf Anhieb und avancierte zum Siegfahrer. Als Belohnung erhielt der Youngster eine Vertragsverlängerung bis 2024, mit gerade einmal 22 Jahren.

Charles Leclerc und Carlos Sainz sind ab 2021 Teamkollegen bei Ferrari

Fotocredit: Imago

Mick Schumacher: F1-Karriere-Start bei Alfa Romeo denkbar

Ferrari ist also für die Zukunft mit einem jungen und hochtalentierten Fahrerduo bestens aufgestellt. Da bleibt für Schumacher zunächst, wenn überhaupt, nur die Aussicht auf ein Cockpit beim Kundenteam Alfa Romeo. Dort stehen Altmeister Räikkönen sowie der bislang wenig überzeugende Giovinazzi unter Vertrag. Dass bei Alfa in naher Zukunft Platz frei wird, ist sehr wahrscheinlich.

Dass Schumacher diesen dann füllen wird, hängt von den Resultaten in der laufenden F2-Saison ab. "Wir sind ihm gegenüber deutlich und fair. Seine Gesamtperformance in der Meisterschaft wird wichtig sein", unterstrich Binotto.

Der Ferrari-Boss erklärte dazu aber bereits vielsagend: "Wenn er unserer Ansicht nach genügend Fortschritte im Ganzen gemacht hat, wird er in einem Formel-1-Auto sitzen. Er muss jetzt einfach so weitermachen wie bisher." Eine Entscheidung soll dann am Saisonende fallen.

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Übrigens träumt noch ein weiterer Schumacher vom Sprung in die Formel 1. Micks Cousin David, Sohn von Ralf, geht aktuell in der Formel 3 für Charouz Racing System an den Start. In seinem ersten F3-Jahr konnte der 20-Jährige in den ersten sechs Saisonrennen allerdings noch keine Punkte holen.

Sollte Vettel, dessen Zukunft noch ungeklärt ist, aufhören, wäre 2021 kein deutscher Fahrer mehr in der F1 am Start. Die Hoffnungen ruhen also ein Stück weit auf Mick Schumacher.

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