Auch die letzten Kilometer dieser Saison hatten noch einmal weh getan, und Sebastian Vettel freute sich einfach nur auf einen langen Winter. Zuhause in der Schweiz, mit seinem wenige Tage alten Sohn, den zwei Töchtern und Ehefrau Hanna. "Das war kein tolles Jahr von mir, und ehrlich gesagt bin ich froh, dass es vorbei ist", sagte Vettel in Abu Dhabi:

Ich habe nicht geleistet, was ich leisten kann.
Formel 1
Hamilton flirtet offenbar mit Ferrari: "Kann uns nur glücklich machen"
01/12/2019 AM 11:27

Die italienischen Medien sahen das ähnlich. "Für Vettel bleibt der einzig positive Aspekt in diesem schwarzen 2019 die Geburt seines dritten Kindes", schrieb "La Stampa", das Saisonfinale mit Platz drei für Charles Leclerc habe "den aktuellen Machtverhältnissen bei Ferrari perfekt entsprochen", stellte "Repubblica" fest.

Vettel: "Muss nicht meinen Fahrstil ändern"

Auch Vettel bezeichnete das letzte Rennen des Jahres als "sinnbildlich" für die Saison 2019, und er hatte Recht damit: Am Ende thronte Lewis Hamilton über allen, und wenn es so etwas wie Herausforderer gab, dann war Sebastian Vettel nicht dabei. Sein Ferrari-Teamkollege Leclerc und Red-Bull-Mann Max Verstappen komplettierten das Podest.

Und die Jungstars, beide 22 Jahre alt, scheinen Hamilton 2020 am ehesten angreifen zu können, auch wenn "La Stampa" spöttisch behauptete, der nun sechsmalige Weltmeister habe ihnen "Fahrunterricht erteilt". Vettel wirkte derweil nicht nur mit Rang fünf in Abu Dhabi wie ein Auslaufmodell, auch der fünfte Platz im WM-Klassement ist sein schlechtestes Ergebnis in fünf Jahren bei Ferrari.

Wie er diesen Trend stoppen will, wurde Vettel am Abend nach dem Rennen gefragt. Eine Antwort fiel schwer. "Es ist keine Raketenwissenschaft, es geht um Veränderungen im Detail", sagte der 32-Jährige:

Ich muss nicht meinen Fahrstil ändern, ich weiß, dass ich Autofahren kann.

Gerüchte um Hamilton-Wechsel zu Ferrari

Vielleicht gibt es mittlerweile aber einige, die das besser können. Hamilton ist im kommenden Jahr mit 34 der zweitälteste Fahrer im Feld, doch er lässt nicht nach. Im Gegenteil. Niemand in der Formel 1 ist so konstant und nervenstark wie er, und kaum jemand ist in der Spitze so schnell wie er. "Unantastbar, unschlagbar, kompromisslos", schrieb die französische Sportbibel "L'Equipe", einen "Blitz" nannte ihn die spanische Zeitung "Sport":

Für jeden unerreichbar, niemand konnte ihn stoppen, er machte, was er wollte.

Lewis Hamilton (Mercedes) feiert seinen Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi

Fotocredit: Getty Images

Wenn Mercedes ihm erneut ein solch starkes Auto baut, dann wird Hamilton als Topfavorit in die Saison starten, an deren Ende er sich gemeinsam mit Michael Schumacher Rekordweltmeister nennen könnte. Diese Ausnahmeklasse weckt Begehrlichkeiten, und die Gerüchte um einen Wechsel zu Ferrari zur Saison 2021 reißen nicht ab. Beim berühmtesten Rennstall der Welt könnte Hamilton seine Karriere endgültig vergolden, in diesen Tagen scheint ihm das Interesse der Scuderia zumindest zu schmeicheln.

Verstappen gilt schon lange als künftiger Titelkandidat, die Frage scheint einzig, wann Red Bull ihm ein Sieger-Auto hinstellt. Mit annähernd gleichen Waffen wäre der Niederländer eine Gefahr für Hamilton. Und Leclerc gehört die Zukunft bei Ferrari. Wer zu diesem Team kommt und den viermaligen Weltmeister Vettel gleich im ersten Jahr in den Schatten stellt, der ist wohl zu Höherem berufen.

2019 gewaltiger Rückschlag für Ferrari

Allerdings wird alles davon abhängen, wie sich die Entwickler in Maranello schlagen. Denn diese Saison, erklärte Teamchef Mattia Binotto, habe Ferrari schon im Jahr 2018 am Zeichenbrett verloren:

Als wir unser Auto entworfen haben.

Ferrari braucht wieder einen Allrounder, der auf allen Strecken stark ist - 2017 und 2018 hatte die Scuderia das schon ziemlich gut hinbekommen, 2019 war ein gewaltiger Rückschlag.

Vettel wird den nächsten Schritt noch mitgehen, sein Vertrag läuft bis Ende 2020. Über Gerüchte um einen plötzlichen Rücktritt musste er am Sonntagabend lachen. "Wenn ich mir nicht beide Haxen breche", sagte er, "dann bin ich im März wieder am Start."

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(SID)

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