George Russell versichert, dass er Mercedes 2022 treu bleiben wird, doch Bernie Ecclestone findet, dass man an Valtteri Bottas festhalten sollte
"Aus Mercedes-Sicht macht es wirklich sehr viel Sinn, Russell zu holen", sagt "ServusTV"-Experte Nico Hülkenberg. Valtteri Bottas wirkte "teilweise ein bisschen ausgebrannt", und "Mercedes muss an die Zukunft denken. Lewis wird irgendwann aufhören. Dann brauchen sie ein neues Zugpferd. Jetzt George neben Lewis zu setzen, ihn lernen zu lassen, vom Meister abzugucken, macht sehr, sehr viel Sinn. Ich wäre sehr überrascht, wenn sie ihn nicht holen."
Marc Surer schlägt in die gleiche Kerbe: "Toto Wolff muss an die Zukunft denken. Er braucht einen Fahrer, wenn Lewis Hamilton aufhört", sagt der ehemalige Grand-Prix-Pilot
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über den Formel-1-Transfermarkt 2022.
"Deswegen kann er eigentlich nur Russell nehmen", schlussfolgert Surer. "Er kann ihm ja einen Nummer-2-Vertrag geben. Der wird trotzdem unterschreiben, wenn er in dem Auto sitzen darf. Aber er muss an die Zukunft denken. Sonst braucht er zwei neue Fahrer auf einen Schlag."
Russell hat zuletzt in Österreich kräftig Eigenwerbung betrieben. Als Achter und Zehnter der Startaufstellung hat er aus dem unterlegenen Williams mehr herausgeholt, als ihm irgendjemand zugetraut hätte - auch wenn er im zweiten Rennen das Duell um den möglichen ersten WM-Punkt gegen Fernando Alonso nach beherztem Kampf letztendlich verloren hat.

Wolff: Russell ist "nicht nur schnell, sondern ..."

Wolff weiß, welchen Rohdiamant Mercedes am 23-Jährigen hat: "Er ist nicht nur schnell, sondern er versteht es auch, sorgsam mit den Reifen umzugehen. Er leistet gerade genau das, was wir erwarten. Vielleicht sogar ein bisschen mehr."
Worte, die in Russells Ohren wie Musik klingen. "Sie haben mir immer gesagt: 'Wenn du deinen Job machst, wirst du dafür belohnt.' So einfach ist es", erklärt Russell, der 2017 die GP3 und 2018 die Formel 2 gleich im ersten Anlauf gewonnen hat.
Doch im Formel-1-Paddock wird spekuliert: Sollte ihn Mercedes 2022 ein weiteres Jahr hinhalten, könnte ihn dann vielleicht ein anderes Team abwerben? Nur: Die Teams, die für ihn einen wirklichen Karrieresprung bedeuten würden, sind allesamt besetzt. Mit einer Ausnahme: Red Bull.

Russell: Fahre definitiv mit Mercedes-Motor weiter

Eine Spekulation, die Russell in einem Interview mit 'Sky' indirekt im Keim erstickt, wenn er klarstellt: "Ich werde nächstes Jahr mit einem Mercedes-Motor fahren. Komme was wolle. Ich bin ein Mercedes-Fahrer, und ich bin Mercedes gegenüber loyal. Sie kümmern sich um mich und sie haben meine Zukunft in der Hand. Wo immer die auch liegen mag."
Doch es gibt auch Bottas-Fans in den Reihen der Formel-1-Beobachter. Bernie Ecclestone zum Beispiel. Der sagt in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung: "Ich verstehe die Kritik an Bottas nicht. Er war über die ganzen Jahre ein loyaler Teamkollege, ein treuer Helfer von Hamilton. Das sollte man nicht vergessen und als Team hinter einem solchen Mann stehen."
Zumal Bottas für Hamilton wahrscheinlich der bequemere Teamkollege wäre als Russell. Surer denkt laut nach: "Die Frage bei der ganzen Geschichte ist natürlich: Wie viel Druck kann Hamilton machen, oder hat er das sogar im Vertrag stehen, dass er mitbestimmen kann, wer neben ihm fährt? Lewis hat natürlich die Macht, Toto Wolff unter Druck zu setzen. Das ist klar."
Der Schweizer geht davon aus, dass Hamilton - auf die eine oder andere Art und Weise - "ein Mitspracherecht" hat, wenn es um die Wahl des zweiten Fahrers geht. Aber: "Ob er jetzt im Vertrag drinstehen hat, dass es Bottas sein muss, das würde ich anzweifeln. Toto Wolff [...] trägt die Verantwortung für das Team. Dann kann er nicht einfach das machen, was ihm sein Fahrer sagt."

Mercedes-Cockpit: Entscheidung in der Sommerpause?

Für die Formel-1- und Mercedes-Fans, die gespannt auf die Entscheidung warten, ob sich Hamilton ab 2022 gegen einen neuen Teamkollegen beweisen muss, heißt es erstmal stillhalten. Weder Russell noch Bottas haben realistische Alternativen, die genauso attraktiv sind wie ein Mercedes-Cockpit, und laufen dementsprechend nicht davon.
So kann sich Wolff ihre Leistungen in aller Ruhe anschauen: "Jetzt schauen wir mal, was hier passiert und in Silverstone und in Budapest, und dann werden wir eine Entscheidung treffen", kündigt der Mercedes-Teamchef an. "Wir wissen schon eine Weile, dass Lewis weitermachen will. Das war klar. Jetzt kümmern wir uns um den zweiten Sitz. Und das ist zwischen den beiden."
Bottas sei in Österreich "wirklich gut" gefahren, unterstreicht der Österreicher. "Das muss er konsolidieren. Für uns ist er eine bekannte Größe. Wir kennen aber auch die Stärken und Schwächen von George. Mit den beiden werden wir zuerst sprechen. Und dann können wir hoffentlich noch vor Saisonende unsere Entscheidung treffen."

Bottas: "Kein Problem, ist mir scheißegal"

Bottas, kleine Randnotiz, war übrigens auch in die Hamilton-Vertragsverlängerung voll eingebunden. Wolff erzählt im "ORF": "Ich habe ihm gesagt: 'Macht's dir was aus, dass wir es morgen bekanntgeben?' Da hat er auf gut Finnisch geantwortet: 'Nein, kein Problem, ist mir scheißegal.' Tatsächlich diese Worte!"
Russell für seinen Teil möchte "niemanden unter Druck setzen. Ich lasse lieber meine Ergebnisse auf der Rennstrecke sprechen. Dann wird sich alles andere von selbst regeln. Mercedes kennt mich gut, und ich stehe täglich mit ihnen in Kontakt. Das war die letzten drei Jahre immer so. Sie werden sich entscheiden, wenn sie den Zeitpunkt für richtig halten. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen mag."
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