Nach dem Grand Prix der Eifel stand fest: Der Rekord von 91 Rennsiegen ist nicht unantastbar. Das musste auch Toto Wolff erst einmal realisieren: "Michael ist eine Ikone. Dass wir jetzt diesen Rekord eingeholt haben und schon im Vorjahr den Ferrari-Rekord eingestellt haben, das ist fast irreal."

Wolff schilderte, dass für ihn persönlich Schumacher immer der ikonischste Rennfahrer war. Er erinnerte sich zurück an die Ferrari-Jahre des Deutschen und muss gestehen: "Wer hätte gedacht, dass dieser Rekord je gebrochen werden könnte?"

Formel 1
Nach Honda-Aus: Red-Bull-Boss Marko möchte Motoren übernehmen
12/10/2020 AM 18:05

Aber Rekorde seien eben dazu da, um gebrochen zu werden. "Ich glaube, das hat Michael auch gesagt. Und Lewis ist immer noch auf seiner Reise. Vielleicht ist heute jemand im Kindergarten oder in der Schule, der eines Tages Lewis' Rekorde brechen wird", schmunzelte Wolff.

Hamilton steht nun bei einer Siegquote von 34,87 Prozent, damit hat er nun Rennlegende Jim Clark überholt und liegt in der ewigen Bestenliste auf Platz fünf. Und der Brite ist drauf und dran noch einen Rekord des Briten in diesem Jahr einzustellen: die meisten Führungsrunden in einer Saison.

Wolff stellt sich gegen Kritik an Hamilton

Clark konnte 1963 71,47 Prozent aller Runden anführen, Hamilton steht 2020 bei 68,20 Prozent. Zum Vergleich: Michael Schumacher schaffte 2004 60,48 Prozent (2002: 51,19 Prozent). "Rennsiege und Weltmeistertitel einzufahren, ist immer auch eine Teamaufgabe, aber man muss sich erst in diese Position bringen", meinte Wolff.

Viele talentierte Fahrer würden laut seiner Meinung oftmals falsche Entscheidungen treffen, sie seien manchmal nicht gut beraten. "Es war Lewis, der 2013 zu Mercedes gewechselt hat, und er ist es auch, der im Auto sitzt und auf der Strecke mit diesem Boliden, den wir ihm zur Verfügung stellen, seine Leistung bringt", betonte der Mercedes-Teamchef die Abhängigkeit von Fahrer und Team.

Ohne schnelles Auto würde Hamilton nicht auf seinen siebten WM-Titel zusteuern, und ohne den Briten Mercedes wohl nicht die Konstrukteurs-WM gewinnen.

Zugleich wollte der Österreicher auch mit der Kritik aufräumen, dass Hamilton nur deshalb so große Erfolge feiern konnte, weil er einen Mercedes fährt. "Dann sollten alle anderen Fahrer mal analysieren, warum sie den Weg zu Mercedes nicht geschafft haben", entgegnete Wolff den Kritikern.

Wolff: Hamiltons Entwicklung seit 2013 ist "inspirierend"

Was macht Hamilton dennoch so besonders? Was zeichnet den Seriensieger aus? "Was mich am meisten beeindruckt, ist seine Entwicklung als Mensch. Der Lewis Hamilton, den wir heute sehen, hat nichts mehr mit dem Lewis Hamilton zu tun, den ich 2013 getroffen habe", erzählte Wolff.

Jemand, der bereits auf einem solch hohen Niveau abliefert, sei immer noch in der Lage, von Jahr zu Jahr besser zu werden - als Mensch und als Fahrer. "Das ist wirklich inspirierend", fand der Teamchef. Dabei hatte weder Hamilton noch sein Team den Rekord im Hinterkopf.

"Wenn man zu sehr an Punkte, Rennsiege oder Weltmeisterschaften denkt, dann wird man nur abgelenkt. Man muss einfach in jeder Session der Perfektion so nahe wie möglich kommen. Und in jedem Rennen so viele Punkte wie möglich holen. Deshalb darf man nicht zu sehr darauf schauen, was sein könnte."

Wolff: Mercedes-Team besteht aus 2000 Superstars

Wolff erklärte: "Konzentriere dich einfach auf deine Aufgabe, die vor dir liegt." Mit dieser Einstellung konnte Hamilton gemeinsam mit Mercedes bereits 70 Siege, 70 Pole-Positionen, 39 schnellste Rennrunden und 111 Podestplätze einfahren.

Darauf könne man zwar stolz sein, fügte er an. "Jedoch sollte das nicht zu Selbstgefälligkeit führen", mahnte Wolff. Er sieht jedoch kein Risiko, dass das bei Mercedes passieren könnte, schließlich strebe seine Mannschaft immer nach Perfektion.

Was bedeuten all die Erfolge für Wolff persönlich? "Ich genieße Lewis' Erfolge als Teamchef. Aber wie ich schon oft gesagt habe, gibt es nicht einen Superstar im Team, sondern 2.000, die zum Erfolg des Teams und Lewis' beitragen." Er geht davon aus, dass noch mehr folgen wird, "wenn wir gemeinsam gut arbeiten".

VERBALATHLETEN - Der Eurosport-Podcast:

Alle Folgen der Verbalathleten findet Ihr auf Spotify, Apple Podcast oder der Plattform deiner Wahl

Das könnte Dich auch interessieren: Hamilton tief bewegt: Mick ehrt ihn zum Rekord mit Michael-Schumacher-Helm

Mick Schumacher im Ferrari: Tolle Bilder vom Test im F1-Boliden

Grand Prix der Eifel
Brawn vergleicht Schumacher und Hamilton: "Verblüffen die Gegner"
12/10/2020 AM 10:55
Grand Prix der Eifel
Pressestimmen zum historischen Sieg: "Hamilton, ein Mythos wie Schumacher"
12/10/2020 AM 09:57