Unverhofft kommt oft, das erlebte auch Sergio Pérez beim Formel-1-Rennen in Baku. Nach einer ohnehin schon starken Leistung bekam der Red-Bull-Pilot nach dem bitteren Ausfall seines Teamkollegen Max Verstappen seinen zweiten Karrieresieg auf dem Silbertablett serviert - und griff tatsächlich zu. Dabei stand der Mexikaner beim Großen Preis von Aserbaidschan kurz vor der Aufgabe.
"Zuerst möchte ich sagen, dass es mir für Max leidtut, denn er hat ein unglaubliches Rennen gezeigt. Er hätte den Sieg verdient gehabt. Ein Doppelsieg für das Team wäre fantastisch gewesen", dachte Pérez im Moment des Triumphes auch an seinen niedergeschlagenen Teamkollegen. Doch durch Verstappens Reifenschaden fünf Runden vor Schluss bekam Pérez die Chance auf den ganz großen Coup.
Dass er überhaupt so weit kommt, hätte Pérez im Verlaufe des Rennens nicht erwartet. "Wir waren kurz davor, das Auto abzustellen. Aber glücklicherweise konnten wir das Rennen beenden. Es war bis zum Schluss wirklich schwierig", schilderte Pérez.
GP von Aserbaidschan
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Teamchef Christian Horner bestätigte im Nachgang, dass es sich um ein Hydraulikproblem gehandelt habe. Deshalb musste Pérez das Auto direkt nach der Zieldurchfahrt abstellen. "Wir dachten eigentlich, dass wir nach dem Restart nur verlieren können, aber zum Glück ist sich alles ausgegangen", sagte Horner.
Pérez erklärt, dass er seine Reifen vor dem Restart aufgrund des Problems nicht einmal richtig aufwärmen konnte. "Wir wollten einfach das Rennen beenden, es waren ja nur noch zwei Runden zu gehen. Wir hätten unser Rennen verlieren können. Wir waren in Führung, wir hätten alles verlieren können", berichtete er, welcher Druck geherrscht habe.

Baku GP: Sergio Pérez überzeugt in Aserbaidschan

Der Nachteil der kalten Reifen beim stehenden Restart war dann auch offensichtlich. Lewis Hamilton direkt neben ihm kam deutlich besser weg, verbremste sich aber vor der ersten Kurve extrem und fiel zurück.
"Ich hatte keinen guten Start, er war schon neben mir, aber ich dachte mir einfach, dass ich sie (die Kurve; Anm. d. Red.) nicht verpassen will", schilderte Pérez: "Ich habe so spät gebremst, wie ich konnte, und er hat dasselbe getan. Für ihn hat es nicht gereicht. Aber es zeigt, dass wir alle Fehler machen können. Wir fahren auf einem so hohen Level. Jedem kann das passieren."
Der Sieg war für den 31-Jährigen die Krönung eines tollen Wochenendes, das die Kritik an seinen bisherigen Leistungen verstummen lassen sollte. Mit hohen Erwartungen zu Saisonbeginn zum Topteam gewechselt, benötigte er Zeit, um anzukommen. Doch jetzt ist er voll da.
Auch Christian Horner stimmte ein Loblied für Pérez an. "Er war großartig. Sergio war das gesamte Wochenende über schnell", sagte er. Vor allem seine Pace im Rennen sei "atemberaubend" gewesen, wie Horner feststellte.

Sergio Pérez (Red Bull) gewinnt in Aserbaidschan

Fotocredit: Getty Images

Baku GP: Sergio Pérez hält Lewis Hamilton in Schach

Schon vor dem dramatischen Finale in Baku fuhr Pérez ein brillantes Rennen. Anders als in den Wochen zuvor konnte er mit Verstappen mithalten. Nach seinem Boxenstopp und dem Overcut lag er plötzlich auf Rang zwei vor Hamilton, der allerdings rundenlang Druck ausübte. Doch Perez hielt stand.
Sogar ein Overcut gegen Verstappen schien nach einer starken Inlap möglich, was auch Horner bestätigte. Pérez sei allerdings bei seinem Stopp etwas zu weit gefahren, weshalb er länger gedauert habe.
Der Sieg schmecke "besonders süß", hält Pérez fest. Auch er selbst sei mit dem Saisonstart nicht zufrieden gewesen. "Die Erwartungen waren sehr hoch, aber wir haben sehr hart gearbeitet in der Fabrik", stellte er klar: "Ich bin froh über das Ergebnis. Wir hatten bislang eine Achterbahnfahrt, jetzt genieße ich den Moment."
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Baku GP: Sergio Pérez feiert zweiten Karriere-Sieg

Für Pérez war es der zweite Sieg seiner Formel-1-Karriere nach dem Triumph beim Sakhir-GP im vergangenen Jahr im Racing Point. Welcher hat für ihn den höheren Wert? Für den Mexikaner eine fast unmöglich zu beantwortende Frage.
"Der erste Sieg in der Formel 1 ist unglaublich, aber der erste Sieg mit einer neuen Familie, mit einem neuen Team, bringt dich einfach näher zusammen. Diese Momente zu teilen, ist sehr besonders. Wir leben für diese Momente. Es ist sehr besonders. Ich hatte nicht viele Siege bislang in meiner Karriere, aber sie waren sehr besonders", schwärmte er emotional.
Durch den Sieg springt Pérez auf den dritten Platz in der Fahrer-WM und scheint für Red Bull inzwischen eine deutlich schärfere Waffe zu sein als Valtteri Bottas für Mercedes. Der Finne war in Baku unter ferner liefen unterwegs. In der Konstrukteurs-WM baute Red Bull den Vorsprung vor Mercedes auf 26 Punkte aus.
"Das ist definitiv ein Schub für mein Selbstvertrauen und für das des Teams", jubelte Pérez, der weitere Großtaten folgen lassen will. "Wir verbessern uns immer weiter und ich sehe keinen Grund, warum wir auf den anderen Strecken nicht eine ähnliche Leistung zeigen können", sendete er gleich noch eine Kampfansage an die Konkurrenz.
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