Verstappen fuhr in 1:28.997 Minuten Bestzeit auf dem unter Flutlicht gesetzten Bahrain International Circuit. Das bedeutete 0,388 Sekunden Vorsprung auf Hamilton. Der Rest der Welt lag schon etwas weiter hinter den beiden Ausnahmekönnern zurück: Valtteri Bottas (Mercedes/+0,589) wurde Dritter, Charles Leclerc (Ferrari/+0,681) Vierter.
Auf Platz fünf landete Pierre Gasly (AlphaTauri), zweifellos eine der positiven Überraschungen des Tages. Aus deutscher Sicht hingegen gab's keinen Grund zur Freude: Sowohl Sebastian Vettel (18./Aston Martin) als auch Mick Schumacher (19./Haas) schieden
Es sieht zumindest ganz danach aus. "Im Moment haben die einfach die beste Pace", bedauerte Mercedes-Teamchef Toto Wolff im Interview mit "Sky". "Im Mittelsektor, in den zwei schnellen Ecken, war Max einfach schneller. Das war richtig gut." Und auch Hamilton sieht nicht, wo er noch etwas maximieren hätte können: "Ich habe absolut alles aus dem Auto rausgeholt. Es war leider nicht gut genug."
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Obwohl die Mitarbeiter in der Mercedes-Box unmittelbar nach Ende des Qualifyings lange Gesichter zogen, versuchte Hamilton, das Ergebnis positiv zu sehen: "Wir sind näher dran als erwartet. Uns war vom ersten Testtag an klar, dass Red Bull schneller ist als wir. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir seit dem Test so viel aufgeholt haben."
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Verstappen und Red Bull die Topfavoriten

Zwar lag er nach dem ersten Q3-Run nur 0,023 Sekunden hinter Verstappen. Doch der Schein war trügerisch. Verstappens erste Runde war "nicht so toll", wie der Polesetter selbst sagte: "Da war noch mehr drin. Ich hatte in ein paar Kurven einfach zu wenig Grip und bin ein bisschen gerutscht. Zum Glück haben wir es auf den Punkt gebracht, als es drauf ankam."
Am gefährlichsten wurde sich Verstappen wahrscheinlich selbst, als er in Q1 so brutal über den Randstein in Kurve 2/3 bretterte, dass ein Teil seines Unterbodens wegflog. Das kostete laut Teamchef Christian Horner rund eine Zehntelsekunde an Performance. Verstappen selbst winkte cool ab: "Hat schon gepasst. Ich war ein bisschen neben der Linie. War aber nicht tragisch."
Angesichts all dieser Umstände wirkt der Vorsprung von Verstappen auf Red Bull komfortabel. Aus Sicht von Helmut Marko "eine große Erleichterung. Wir sind seit 2014 hinterhergehechelt hinter Mercedes. Wenn du hinten bist, musst du immer riskieren. Jetzt haben wir den Vorteil, dass wir uns auf die Weiterentwicklung konzentrieren können. Nur so kann man eine WM gewinnen, wenn man von Anfang an wettbewerbsfähig ist", sagte der Red-Bull-Motorsportkonsulent gegenüber "ServusTV".
Die Zahlen sprechen für Red Bull: 2013 stand das Team zum letzten Mal gleich beim ersten Saisonrennen auf Pole - im Jahr des bisher letzten WM-Triumphs. Und Honda ist dieses Kunststück sogar 1991 mit dem großen Ayrton Senna (McLaren) zuletzt gelungen.
Aber "ServusTV"-Experte Nico Hülkenberg warnte: "Die Messe ist noch nicht gelesen. Lewis ist ein Fighter. Er wird morgen Spaß daran haben, Max unter Druck zu setzen und ihn zu fordern."

Max Verstappen fuhr im Red Bull auf die Pole in Bahrain

Fotocredit: Getty Images

Pérez und Tsunoda verlieren Reifenpoker

Valtteri Bottas war im Qualifying näher an Hamilton dran als in den Freien Trainings. Am Ende fehlten ihm 0,201 Sekunden auf den Teamkollegen. Und vom dritten Startplatz aus ist im Rennen auch für den Finnen noch alles möglich. Seine Chancen auf die Pole wurden schon in Q1 dezimiert: "Da sind wir einen zweiten Reifensatz gefahren", ärgerte er sich im Nachhinein. "So hatte ich in Q3 nur noch einen Satz übrig. Und gegen Max und Lewis war es mit nur einem Reifensatz nicht einfach."
Sowohl Sergio Pérez (11./Red Bull) als auch Yuki Tsunoda (13./AlphaTauri) schieden derweil bereits in Q2 aus, während ihre Teamkollegen locker ins Q3 durchmarschierten. Beide hatten vor, mit dem härteren Medium-Reifen zu fahren, um am Start am Sonntag möglicherweise einen Strategievorteil zu haben. Eine Rechnung, die nicht aufging.
Als Pérez' an die Box zurückkam, wurde sein Funkspruch von der TV-Regie fast komplett überpiepst. Sein erstes Qualifying im neuen Team hatte er sich anders vorgestellt. Von einer Fehlentscheidung, nicht auf den Soft umgesteckt zu haben, will er trotzdem nicht sprechen: "Es wäre ein großer Vorteil gewesen, am Start diesen Reifen zu haben."
Marko widersprach: "Ich würde sagen, es war ein Fehler vom Team, ihn nicht auf den Soft-Reifen rauszuschicken. Er war zu verunsichert. Er meinte zwar, er hätte noch drei Zehntel drin. Das war aber nicht der Fall. Das Gleiche gilt für Tsunoda."
Den Vorteil, am Rennstart die gelben Medium-Reifen drauf zu haben, sicherten sich neben den beiden Mercedes-Fahrern nur Verstappen und Gasly.

Vettel durch Ferrari-Nachfolger Sainz gebremst

Die letzte Runde von Sebastian Vettel im Aston Martin in Q1 hatte vielversprechend begonnen, mit absoluter ("pinker") Bestzeit im zweiten und dritten der 28 Minisektoren. Doch dann wurden gelbe Flaggen geschwenkt - ausgerechnet wegen des gestrandeten Ferrari von Carlos Sainz. "Deswegen hat er natürlich langsam gemacht und vier Zehntelsekunden verloren", ärgerte sich Teamchef Otmar Szafnauer.
Vettel verpasste den Q2-Einzug als 18. letztendlich klar. Bis dahin war er immerhin noch auf P13 gelegen. "Wir hätten einfach besser aufpassen und uns besser positionieren müssen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer", ärgerte er sich. Am Sonntagnachmittag kam es noch schlimmer: Die Rennkommissare verhängten eine Startplatz-Strafe gegen den Heppenheimer, der nun von ganz hinten starten muss.
Sein Ferrari-Nachfolger Sainz, in den Freien Trainings zumeist schneller als sein Teamkollege Charles Leclerc, rollte in Q1 aus: "Das muss mit den Vibrationen ausgangs Kurve 2 zu tun haben", meldete er am Boxenfunk, nachdem er beklagt hatte, dass der Motor ausgegangen sei und er nicht wisse warum. Davor war er in besagter Passage ziemlich hart über den Randstein gebrettert. Letztendlich zog er aber trotz des Problems noch in Q3 ein und wurde Achter (+1,218).
"Ich dachte schon, das war's", berichtete Sainz. "Angesichts dieser Schrecksekunde bin ich ganz zufrieden damit, es in Q3 geschafft zu haben. Im ersten Sektor war ich ein bisschen konservativ. Sonst wäre vielleicht mehr drin gewesen."
Ganz anders sein Teamkollege Leclerc, den er über weite Strecken des Wochenendes im Griff hatte: "Ich habe das Auto überfahren und mich generell nicht besonders gut gefühlt", sagte der Monegasse. Am Ende gewann er das Qualiduell trotzdem um gut eine halbe Sekunde und wurde mit einer starken letzten Q3-Runde Vierter.

Sebastian Vettel (Aston Martin) im Qualifying in Bahrain

Fotocredit: Getty Images

Schumacher und Alonso überzeugen

Mit neunten Plätzen wird Fernando Alonso auf Dauer sicher nicht zufrieden sein, doch nach den eher ernüchternden Trainings ist das eine Platzierung, auf die der Altstar aufbauen kann. Er gibt zu, den Rost noch nicht ganz abgeschüttelt zu haben: "Mir hat Vertrauen ins Heck gefehlt, und die Bremsen habe ich auch noch nicht hundertprozentig im Griff."
Beeindruckend: Fast so, als wäre er nie weg gewesen, hat er seinen Alpine-Teamkollegen Esteban Ocon weggeputzt. Ocon schied als 16. bereits in Q1 aus - hatte aber Pech: Während seiner letzten Runde wurden gelbe Flaggen geschwenkt, ansonsten wäre er eigenen Angaben nach um eine halbe Sekunde schneller gewesen.
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Mick Schumacher kam im Haas nicht an den siebten Platz, den sein Vater Michael vor 30 Jahren in Spa beim Debüt geholt hatte, heran. Am Ende wurde er mit 1,950 Sekunden Rückstand auf die Q1-Bestzeit von Verstappen Vorletzter. Langsamer war nur sein Haas-Teamkollege Nikita Mazepin, und zwar um 0,824 Sekunden.
Schumacher ("95 Prozent happy mit meiner Runde") hatte aber auch Pech, weil er jeweils hinter Mazepin auf seine schnelle Runde ging und sich der Russe zweimal im ersten Sektor drehte. Das machte nicht nur Schumacher, sondern auch einigen anderen Fahrern ihre Runde kaputt.
Dass sich Mazepin gleich zweimal drehte, lag nicht nur am Fahrer, sondern auch am Auto: "Sehr nervöse Hinterachse, sehr instabil", analysiert "ServusTV"-Experte Nico Hülkenberg. "Und bei solchen Windverhältnissen ist es wie ein Ritt auf der Rasierklinge, wenn ein Auto so ein schmales Arbeitsfenster hat."
Außerdem, stellte sich später heraus, dürfte sich bei einem Zwischenstopp auf der FIA-Waage die Bremsbalance des Haas verstellt haben. Mazepin war, sollte das stimmen, an beiden Drehern schuldlos.
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(Motorsport-Total.com)

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