Ein Wochenende zum Vergessen.
Für Sebastian Vettel lief in Sakhir so ziemlich alles falsch, was hätte falsch laufen können. Beim Sieg von Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes) wurde der 33-Jährige überrundet und kam nur auf den 15. Platz - wohlgemerkt bei nur 16 Fahrern, die das Ziel erreichten.
"Das war natürlich nicht der Start, den wir uns vorgestellt haben. Aber wir haben viele Dinge auf der Strecke gelernt, die wir verbessern können. Es kann nur besser werden", analysierte Vettel in einem kurzen Video seines Teams auf Twitter.
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Insbesondere drei Gründe waren für den Fehlstart des viermaligen Weltmeisters in Grün entscheidend.

Vettel mit Anpassungsproblemen im Aston Martin

Die Schwierigkeiten für Vettel in Bahrain begannen schon bei den Testfahrten zwei Wochen zuvor. Aufgrund von technischen Problemen konnte der 53-malige Grand-Prix-Sieger nur 117 Runden absolvieren – die wenigsten aller Stammpiloten.
Somit fehlte Vettel wertvolle Zeit, um sich im Aston Martin zurechtzufinden. "Vettel muss sich an ein komplett neues Auto gewöhnen, da ist ja alles anders als an dem Ferrari. Das braucht Zeit und die muss man ihm auch geben", erklärte der ehemalige F1-Fahrer Hans-Joachim Stuck gegenüber Eurosport.de.
Die fehlende Erfahrung mit dem Auto war dem Heppenheimer dann auch am Rennwochenende anzumerken. Bis auf das 1. Freie Training fehlten ihm konstant 0,3 bis 0,5 Sekunden auf seinen Teamkollegen Lance Stroll, der bereits seit 2019 beim Team ist.
Stroll, der laut Stuck "überraschend schnell in Sakhir unterwegs war", zeigte mit Platz zehn im Rennen, was mit dem Aston Martin möglich ist. Dabei hielt der Kanadier lange Zeit sogar mit McLaren und Ferrari mit.
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Vettel schafft keine saubere Qualifikationsrunde

Das Rennen von Vettel war allerdings bereits am Samstag gelaufen. Der 33-Jährige scheiterte schon in Q1 und belegte nur den 18. Rang. Nach einer nachträglichen Strafe wegen Ignorierens gelber Flaggen ging der Heppenheimer gar vom letzten Platz aus ins Rennen.
Die gelben Flaggen wurden wegen eines Drehers von Nikita Mazepin (Haas) und des ausrollenden Carlos Sainz (Ferrari) geschwenkt. Vettel ging allerdings nicht ausreichend vom Gas. Doch seine Chance für das Erreichen von Q2 war dennoch verpufft.
Viel Pech für den dreimaligen Familienvater. Allerdings hatte sich Vettel zuvor selbst durch eine schwache erste schnelle Runde unter Druck gebracht. Die Konkurrenz machte deutlich weniger Fehler – und so guckte Vettel letztendlich in die Röhre.
Teamkollege Stroll machte es besser und fuhr sogar in die Top Ten. Von dieser Ausgangsposition profitierte der 22-Jährige und schnappte sich am Ende auch einen WM-Punkt. Eine saubere Quali-Runde hätte Vettels Rennchancen deutlich erhöht.

Für Sebastian Vettel lief es in seinem ersten Rennen für Aston Martin nicht rund

Fotocredit: Getty Images

Vettel mit Ein-Stopp-Strategie chancenlos

Im Rennen entschieden sich Vettel und Aston Martin für eine aggressive Ein-Stopp-Strategie. Nach einem guten Start und einem ordentlichen ersten Stint spülte diese den viermaligen Weltmeister zwischenzeitlich bis auf Platz fünf vor.
Doch mit frischen Reifen holte die Konkurrenz, die allesamt auf zwei Stopps setzten, Vettel schnell wieder ein. "Das hat uns dann in sehr viele Zweikämpfe verwickelt, die letzten Endes sehr viel Zeit gekostet haben", meinte Vettel bei "Sky".
Nach seinem einzigen Stopp fiel Vettel dann weit zurück und konnte im weiteren Rennverlauf nicht mehr in die Nähe der Punkteränge kommen. "Hintenraus ist uns wieder die Luft ausgegangen, was die Reifen angeht", gab Vettel zu.
Spätestens der Zusammenstoß mit Esteban Ocon (Alpine) in Runde 44 beendete dann das letzte Fünkchen Hoffnung auf ein ordentliches Ergebnis.
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Stuck: Vettel muss Stroll schlagen

Hoffnung besteht allerdings für die weiteren Rennen. Bis zum nächsten Grand-Prix in Imola hat Vettel nun drei Wochen Zeit, seine Probleme zu analysieren und an diesen zu arbeiten.
"Wir wissen, wo wir noch Nachholbedarf haben. Die nächsten Wochen werden sehr anstrengend, aber hoffentlich sehr produktiv sein", blickte Vettel nach dem Rennen bereits positiv voraus.
Laut Ex-F1-Pilot Hans-Joachim Stuck habe es Vettel "fahrerisch drauf, die Lücke zu schließen". Insbesondere am Teamkollegen Stroll solle er sich dabei orientieren.
"Er ist nicht weit weg von Stroll. Das sind Kleinigkeiten, zum Beispiel bei der Abstimmung. Um aus der Negativspirale rauszukommen, muss Vettel den Stroll mal bügeln, im Qualifying und im Rennen und dann geht das schon", sagte Stuck.

Sebastian Vettel (links) und Lance Stroll - Aston Martin

Fotocredit: Getty Images

Vettel: Aggressivität beibehalten – Fehlerzahl minimieren

Dabei müsse Vettel seine Fahrweise allerdings nicht großartig ändern. Vor allem in Zweikämpfen mit den Alpine-Fahrern Fernando Alonso und Ocon zeigte Vettel seine Aggressivität in Rad-an-Rad-Duellen.
Während er Alonso dadurch mit harten, aber fairen Bandagen rundenlang hinter sich hielt, riskierte der Heppenheimer im Duell mit Ocon zu viel. Der Fehler kostete ihn einige Plätze und zudem eine 10-Sekunden-Zeitstrafe.
"Das Vettel dem Ocon hinten drauf fährt, zeigt aber auch, dass er kämpft. Dass er die Situation nicht einfach so hinnimmt, sondern alles versucht. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir fahren ja nicht zum Kaffee trinken, auch wenn es Sonntag ist. Er hat sich beim Bremsen verschätzt, das kommt vor", nahm ihn Stuck in Schutz.
Letztendlich muss Vettel allerdings solche Fehler in Zukunft vermeiden, wenn er weiter nach vorne kommen will. Denn vergleichbare Missgeschicke sind ihm vor allem in den vergangenen beiden Jahren bei Ferrari häufiger passiert.
Wenn es Vettel gelingt, die Zeit bis Imola zu nutzen, seine Fehler zu analysieren und diese in Zukunft zu vermeiden, dann ist in diesem Jahr noch einiges möglich. "Die Aufgaben, die Aston Martin in dieser Saison erledigen muss, sind: Regelmäßig in die Punkte fahren und die Distanz zur Spitze verringern", formulierte Stuck die Ziele für Vettel und die britische Traditionsmarke.
Die Motivation beim viermaligen Weltmeister dürfte ungebrochen sein - schließlich hat die Saison gerade erst begonnen.
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