Sebastian Vettel überließ nichts dem Zufall. Mit einem kleinen grauen Köfferchen mit der Aufschrift "Steering Wheel #215" trat der viermalige Formel-1-Weltmeister seinen Dienst in Le Castellet an. Nach seinem etwas unverhofften Podestbesuch in Baku will der krisenerpobte Hesse augenscheinlich die neu gewonnene Kontrolle über seinen Aston Martin behalten.
"Baku war ein Mega-Resultat für uns nach dem schwachen Start in die Saison. Es war das beste Rennen für uns in diesem Jahr, das erste Podium für Aston Martin überhaupt! Wir haben ein paar Drinks genommen, mit der Trophäe in der Mitte", sagte Vettel bei der Pressekonferenz zum Großen Preis von Frankreich (Sonntag, 15:00 Uhr im Liveticker). In Le Castellet erwartet ihn nun eine permanente Rennstrecke, und die sei "etwas ganz anderes. Aber wir wollen das Momentum mitnehmen."
Der Circuit Paul Ricard ist breit und bietet das volle Spektrum von langsamen, mittelschnellen und schnellen Kurven. Dazu gibt es drei mittellange Geraden. Kurzum: Le Castellet ist eine deutlich "normalere" Rennstrecke als die Kurse in Monaco und Baku, wo Vettel auf die Plätze fünf bzw. zwei vorfuhr und von den Fans jeweils zum Fahrer des Tages gewählt wurde.
Formel 1
Ex-Ferrari-Pilot schießt gegen Vettel: "Er ist über seinem Zenit"
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Formel-1-Sportchef Ross Brawn rechnet damit, Vettel auch künftig in der oberen Hälfte des Klassements zu finden. Der Deutsche sei "wieder ganz der Alte", schrieb Brawn in seiner Kolumne bei "formula1.com": "Seb scheint sich jetzt wieder in einem Umfeld zu bewegen, in dem er sich wohlfühlt, mit der richtigen Mischung aus Unterstützung, Nestwärme und Druck. Endlich stimmen die Ergebnisse wieder mit seinem Können überein."

Steigerung im Qualifying nötig

Etwas anders sieht das Gerhard Berger. Der frühere Formel-1-Pilot und einstige Weggefährte Vettels bei Toro Rosso (2007 bis 2008) wähnt den 33-Jährigen "rein von der Leistungsfähigkeit her über seinem Zenit". Berger präzisierte bei Sport1: "Er fordert ja immer öfter, dass ein Auto zu seinem Fahrstil passen muss." Bei den letzten beiden Rennen hat Vettel allerdings einen guten Kompromiss gefunden.
Dem Qualifying wird in Frankreich große Bedeutung zukommen, und gerade die Pace auf einer schnellen Runde war in der bisherigen Saison eine der Schwächen von Aston Martin. "Jeder in der Formel 1 kann schnell Auto fahren, deshalb machen im Mittelfeld Kleinigkeiten den Unterschied aus", erklärte der Heppenheimer - der nicht jedes Mal das Glück haben wird, dass die WM-Topfavoriten Max Verstappen (Niederlande/Red Bull) und Lewis Hamilton (England/Mercedes) sowie der Finne Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil leer ausgehen.
Zudem überzeugte Ferrari zuletzt besonders im Qualifying, holte zwei Pole Positions in Folge durch Vettels früheren Teamkollegen Charles Leclerc, McLaren präsentierte bei jedem Streckenprofil auf gutem Niveau.
Auch ist Le Castellet üblicherweise kein Kurs, auf dem man als Underdog durch geschicktes Taktieren weit nach vorne kommen kann. Erwartet wird ein Ein-Stopp-Rennen bei südfranzösischem Sommerwetter, die Wahrscheinlichkeit für ein Safety Car ist wegen der großzügigen Auslaufzonen deutlich geringer als in Monaco und Baku. "Regelmäßig in die Punkte zu fahren", lautet daher Vettels Ziel für die anstehenden Rennen.
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(SID)

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