Max Verstappen schweigt zum Rassismus-Skandal, Lewis Hamilton heiß aufs Heimspiel in Silverstone

Im Rassismus-Skandal erhält Lewis Hamilton (37) vor seinem Heimspiel Unterstützung von vielen Kollegen - aber Weltmeister Max Verstappen (24) schweigt lieber. Bisher kein Wort des Mitgefühls oder der Unterstützung vom Niederländer in Richtung von Hamilton, der von Nelson Piquet - Vater von Verstappens Lebensgefährtin Kelly Piquet - rassistisch beleidigt wurde.

Verstappen e Hamilton

Fotocredit: Getty Images

Während sich andere Formel-1-Kollegen mit Hamilton solidarisieren, ist von Verstappen nichts zu hören.
Das ist vor Hamiltons Heimspiel am Wochenende in Silverstone (Sonntag, 16.00 Uhr im Liveticker) durchaus brisant. Schließlich sind die Erinnerungen an das umstrittene WM-Finale von Abu Dhabi und den heftigen Unfall zwischen den beiden damaligen Titelrivalen im Vorjahr in Silverstone noch frisch, Verstappen musste hinterher sogar ins Krankenhaus. Und der Crash war ja auch der Auslöser für Piquets herabwürdigenden Kommentar, der nun öffentlich wurde und für den er nur halbgar um Entschuldigung bat.
"Die Vorstellung, dass im Jahr 2022 immer noch Menschen unter solchen Kommentaren leiden, ist schrecklich", sagte Ex-Weltmeister Sebastian Vettel. Es sei "umso wichtiger, dass wir über diese Dinge sprechen und sie ansprechen, und als Sport heißen wir jeden willkommen, der sich uns anschließen möchte. Wir haben eine Verantwortung, die Hand auszustrecken."
"Genug ist genug", schrieb nun etwa Esteban Ocon in den sozialen Netzwerken: "Ich stehe an der Seite von Lewis und seinen anhaltenden Bemühungen, um aus dem Sport, den wir lieben, einen besseren Ort für alle zu machen." Die Formel 1 könne "stolz" darauf sein, einen wie Hamilton zu haben. Und Ferrari-Star Charles Leclerc meinte, der Rekordchampion vertrete "Werte, die für jeden auf der Welt Standard" werden sollten. Rassismus und Diskriminierung dürften weder in der Formel 1 noch in der Gesellschaft toleriert werden.
Hamilton dürfte nach der Entgleisung von Piquet, dreimaliger Weltmeister, nur noch motivierter in seinen Heim-Grand-Prix gehen - wenn das denn überhaupt möglich ist. Der 37-Jährige brennt nach dem Mercedes-Stotterstart ja ohnehin darauf, es allen wieder zu zeigen. Und das in Silverstone, nur rund 90 Kilometer entfernt von seinem Geburtsort Stevenage. Vor den eigenen Fans, Hunderttausende werden über das Wochenende zu dem Spektakel im "Home of British Motor Racing" erwartet.

Hamilton will in Silverstone zum neunten Mal siegen

"Silverstone ist so ein bedeutsames Rennen für mich persönlich", sagte Hamilton zuletzt: "Ich will da mit ihnen (Verstappen und Leclerc, d. Red.) einfach auf Augenhöhe sein". Acht Mal konnte "Sir Lewis" den Klassiker schon für sich entscheiden, Red-Bull-Teamchef Christian Horner geht davon aus, dass Mercedes Hamilton ein "großes Update" ans Auto schraubt, damit es mit Nummer neun klappt. Horner schreibt Hamilton und Mercedes jedenfalls nicht vorzeitig ab, schließlich sei Silverstone "eine andere Herausforderung" als die letzten Strecken, ein "schneller Kurs mit flüssigen Kurven".
Und Platz drei zuletzt in Kanada, Hamiltons erst zweites Podium in diesem Jahr, brachte beim Superstar den Glauben an die eigene Stärke zurück. "Das hat mir viel Hoffnung gegeben, dass aus diesem Auto noch mehr herauszuholen ist, dass das Potenzial wirklich da ist", sagte Hamilton: "Wenn wir die Abstimmung richtig hinbekommen." Er will es allen zeigen. Ganz besonders wohl Piquet.
Der Brasilianer bat zwar um Entschuldigung, war sich seines Fehlverhaltens aber nicht wirklich bewusst. "Was ich sagte, war schlecht durchdacht", meinte er in einem Statement, der verwendete Begriff allerdings werde im brasilianischen Portugiesisch gewöhnlich und "historisch" als Synonym für "Kerl" oder "Person" verwendet "und sollte nie beleidigen. Das Wort, dessen ich in einigen Übersetzungen beschuldigt wurde, würde ich nie benutzen. Ich verurteile jede Andeutung, dass ich das Wort mit der Absicht benutzt habe, einen Fahrer wegen seiner Hautfarbe herabzuwürdigen."
(SID)
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