Bei der Reise in die Vergangenheit fand Sebastian Vettel Ablenkung vom wilden Getöse der Formel 1 und den Turbulenzen mit Charles Leclerc. Auf der Kartbahn in Lonato drehte der viermalige Weltmeister am Tag nach dem Frustrennen von Russland als prominenter Testfahrer sorgenfrei seine Runden. Zurück bei den Wurzeln seiner Karriere wirkte er gelöst, lächelnd putzte und polierte Vettel seinen Boliden wie in unbeschwerten Jugendjahren.
Einen freien Tag hatte Vettel zum Abschalten, einen Tag, um das immer kritischere Teamduell bei Ferrari auszublenden - dann rief in Maranello schon wieder die Pflicht. Am Hauptsitz der Roten trainierte der 32-Jährige im Simulator für den Großen Preis von Japan am Sonntag (ab 07:10 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de). Der vermutlich wichtigere Teil der Vorbereitung auf eines seiner Lieblingsrennen fand allerdings kurz zuvor bei Teamchef Mattia Binotto statt.
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Der Konkurrenzkampf wuchs nach dem Sommer

"Positiv und konstruktiv" sei ein Meeting zwischen Vettel und Binotto verlaufen, ließ der Rennstall in einer Mitteilung wissen. Zu bereden hatte es einiges gegeben. Die Scuderia hat nach der Sommerpause einen großen Sprung nach vorne gemacht und unter anderem drei Rennen gewonnen, eines davon durch Vettel in Singapur. Das Problem: Mit den Erfolgen ist auch die Rivalität zwischen den Fahrern rasant gestiegen.
Ferrari gleicht derzeit einem Pulverfass. "Es ist eine potenziell explosive Mischung und erfordert vorsichtige Behandlung", sagte auch Formel-1-Sportchef Ross Brawn. Im Monza hatte Leclerc dem Deutschen im Qualifying den Windschatten verwehrt. In Singapur manövrierte Vettel den Monegassen taktisch aus und nutzte dabei einen Strategievorteil eiskalt. In Sotschi brach dann via Funk ein offener Disput um die Führungsposition aus, die beide für sich beanspruchten.
Vorsichtig, wie es Ferrari-Kenner Brawn empfiehlt, behandelt Binotto die Spannungen tatsächlich. Ein klares Bekenntnis zu einer Nummer eins gibt es nicht. "Es ist ein Luxus. Wir haben zwei fantastische Fahrer", sagte Binotto zuletzt.

Vettel vs. Leclerc: Der Ehrgeiz kostete beiden Punkte

Dieser kostete zuletzt jedoch viele Nerven – und sogar Punkte. In Sotschi servierte Ferrari dem großen Rivalen Mercedes den Sieg auf dem Silbertablett, auch wenn der technisch bedingte Ausfall Vettels dabei eine Rolle spielte. "Es ist sehr schwer, zwei Fahrer zu managen, die beide das Verlangen haben, das Rennen zu gewinnen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der einst selbst das zweifelhafte Vergnügen hatte, Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf Linie zu bringen.

Der Zweikampf zwischen Leclerc (li.) und Vettel (re.) in Russland, der am Ende beiden Punkte kostete

Fotocredit: Getty Images

Da die Scuderia längst nicht so dominant unterwegs ist wie damals Mercedes, birgt die Rivalität für Ferrari große Risiken. Vettel jedenfalls wird kaum zurückstecken, schließlich hat er nach einer schwierigen Phase mit einigen Fahrfehlern spätestens seit dem Sieg in Singapur neuen Mut geschöpft.
"Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht gutgetan hat. Man darf nur nicht den Fehler machen zu glauben, jetzt wäre auf einmal alles gut", sagte er der Sport Bild. Er versuche, vor jedem Rennen den persönlichen Resetknopf zu drücken, um konzentriert zu sein. Die zunehmenden Spannungen im Teamduell lassen sich dagegen schwieriger zurücksetzen.
(SID)
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