Nach seinem missglückten Versuch, im Qualifying als einziger Fahrer mit den Slick-Reifen die Poleposition anzugreifen, konnte Mercedes-Pilot George Russell mit Platz vier beim Formel-1-Rennen in Montreal seine Fehleinschätzung des Samstages wieder gut machen.
Dabei war Russell sogar mit einem Regen-Set-up unterwegs, was ihm im Rennen einiges an Zeit kostete: "George hat uns im ersten Stint mit seinen Überholmanövern überrascht. Wir hatten uns im Qualifying für einen großen Flügel an seinem Auto entschieden, um unter den nassen Bedingungen am Samstag etwas erreichen zu können", sagte Andrew Shovlin, leitender Renningenieur bei Mercedes.
"Wir hatten jedoch erwartet, dass es im Rennen einen Nachteil darstellen würde. Er konnte dies jedoch dazu nutzen, um in den Kurven zu attackieren und kämpfte sich bis auf Platz vier durch das Feld nach vorne."
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Mit Lewis Hamilton auf dem Podium war es gleichzeitig das beste Saisonergebnis 2022 für Mercedes, nachdem man bereits beim Auftaktrennen in Bahrain die Positionen drei und vier nach Hause bringen konnte.

Russell: "Hätten kein besseres Ergebnis erzielen können"

"Ich denke, als Team hätten wir kein besseres Ergebnis erzielen können", sagte Russell. "Ich denke, wir haben definitiv daran geglaubt, dass wir in der Lage sein würden, vor den Haas und den Alpines ins Ziel zu kommen, nur um Leclerc und Checo haben wir uns ein wenig Sorgen gemacht."
"Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich überrascht, dass sie keine Fortschritte gemacht haben, vor allem, als das Safety-Car am Ende herauskam. Unsere Rennpace war definitiv die beste der ganzen Saison. Wir nehmen also das Positive mit, aber die eigentliche Leistung ist noch weit von dem entfernt, was wir wollen."

Lewis Hamilton feierte in Montreal den zweiten Podestplatz der Saison

Fotocredit: Getty Images

Warum Russell langsamer als Hamilton war

"Der Grip war auf der Strecke viel größer, als ich es erwartet hatte. Wir sind ein gewisses Risiko eingegangen und dachten, dass nach dem gestrigen Regen ein größerer Flügel gut gewesen wäre, aber durch die Änderung der Windrichtung war der Grip heute wirklich stark."
"Ich denke, dass ein Ein-Stopp-Rennen tatsächlich möglich gewesen wäre. Im Nachhinein betrachtet hatten wir vielleicht einen zu großen Flügel montiert. Aber es hätte nichts am Gesamtergebnis geändert", erklärte Russell.
Im letzten Stint nach der Safety-Car-Phase konnte der Brite den Anschluss zu seinen Teamkollegen Hamilton nicht halten, da er mit der Reifentemperatur kämpfte: "Ich weiß nicht, warum ich die Reifen nicht zum Arbeiten bringen konnte, daher war es etwas schade, zurückzufallen und nicht am Kampf teilzunehmen."
"Die Pace war im zweiten Stint und im letzten Stint nach dem Restart dennoch wirklich stark. P4 ist ein gutes Ergebnis für das Team und es ist toll, dass Mercedes erneut auf dem Podium steht", so Russell.

Russell: "Haben noch keine großen Fortschritte gemacht"

Was die Rennpace angeht, war Mercedes in Kanada deutlich konkurrenzfähiger als zuletzt in Aserbaidschan und Monaco, obwohl die Fahrer weiterhin ordentlich durchgeschüttelt wurden, wie es Russell sagte.
"Es war definitiv holprig da draußen. Wir hatten zwar kein 'Porpoising', dafür sind wir auf den Geraden herumgehüpft und haben den Boden berührt." Auf die Frage, ob man bei Mercedes die Bouncing-Thematik so langsam in den Griff bekomme, sagte er: "Nein, denn ich glaube, da gibt es so viele verschiedene Faktoren."
"Der Wind hatte einen großen Einfluss sowie die Unebenheiten der Strecke. Die von der FIA für dieses Wochenende geforderten Änderungen mit der zusätzlichen Bodenstrebe haben auch nichts gebracht, weshalb wir sie nicht gefahren sind. Es ist ein umfassendes Problem dieser 2022er-Autos, welches noch lange nicht gelöst ist."

George Russell in Montreal

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Trotz der verbesserten Mercedes-Form blieb Russell pessimistisch: "Im Qualifying sah es zeitweise sehr vielversprechend aus. Aber der tatsächliche Rückstand auf die Spitze war immer noch ziemlich groß."
"Auch wenn es auf dem Papier nach einer Verbesserung aussah, sind wir immer noch weit davon entfernt, wo wir sein müssen. Wir haben also noch keine großen Fortschritte gemacht, aber wir arbeiten weiterhin so hart wie möglich, um die Lücke zu schließen."

Russell hofft auf Verbesserungen in Silverstone

Für das kommende Rennen in Silverstone, wo Mercedes bis auf 2018 seit 2013 immer gewinnen konnte, hoffte Russell auf Besserung: "Ich würde gerne glauben, dass uns die hohen Geschwindigkeiten etwas mehr entgegenkommen sollten, aber es gibt keine Garantien."
"Jede einzelne Strecke, auf der wir bisher gefahren sind, hat uns eine Art Unbekannte beschert. Und an jedem einzelnen Rennwochenende stehen wir vor anderen Problemen. Ich würde also gerne glauben, dass wir konkurrenzfähiger sein werden, aber ich weiß es wirklich nicht."
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