Wenige Stunden vor dem Formel-1-Rennen in Sotschi flatterte die Meldung ins Haus, dass Mercedes bei Valtteri Bottas erneut die Powerunit wechseln muss. Da allerdings nur drei Elemente der Motoreneinheit gewechselt wurden, kassierte der Finne "nur" eine Strafe von 15 Plätzen und startete daher vor Max Verstappen im Red Bull, der wie einige andere Fahrer einen komplett neuen Motor erhielt.
Sofort wurde hinter der Strafe ein taktisches Manöver vermutet, um Bottas als Blocker gegen Verstappens Aufholjagd einzusetzen - zumal Mercedes selbst von einer "taktischen Möglichkeit" sprach, damit aber wohl eher die schlechte Platzierung von Bottas im Qualifying meinte.
"Wir haben gelesen, dass man es als taktischen Schachzug bezeichnet. Das kann jeder, der ein bisschen überlegt, auslegen, wie er will", sprang Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko noch vor dem Rennen im "ORF" darauf an. Mercedes-Teamchef Toto Wolff wies die Anschuldigungen forsch zurück. "Das ist Blödsinn. Es würde mich freuen, wenn es taktisch gewesen wäre, denn dann hätten wir uns einen Motor gespart", sagte er.
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Tatsache sei einfach, dass Mercedes ein paar Probleme mit der Zuverlässigkeit habe und der Motorwechsel nötig war. "Wir mussten es tun, damit ich das Rennen beenden konnte", erklärte Bottas selbst. Es habe "einige Probleme" gegeben, die zu einem Ausfall hätten führen können, stellte der Finne klar.

Sotschi GP: Immer wieder Motorenprobleme bei Mercedes

Bei Mercedes gab es zuletzt immer wieder Motorenprobleme, auch die Kundenteams blieben davon nicht verschont. Im konkreten Fall bei Bottas habe es im Laufe des Wochenendes immer wieder Probleme gegeben, weshalb sich das Team nach dem Qualifying dazu entschloss, das Aggregat zu wechseln.
"Wir müssen die Powerunit noch weiter untersuchen und uns in Brixworth ansehen, aber wir haben einfach gesehen, wo er sich qualifiziert hat, und dachten, dass wir vielleicht irgendwann ein anderes nehmen müssen. Wir haben uns einfach dazu entschlossen, die neue Powerunit heute einzubauen", erklärte Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin.
Diese Entscheidung sei unter anderem auch in der Annahme gefallen, dass Bottas einfacher den Weg durchs Feld finden würde. "Ich denke, wenn wir gewusst hätten, wie schwer es war, zu überholen, hätten wir das vielleicht anders gesehen", sagte Shovlin. Bottas hing lange im Feld fest und musste früh auch Verstappen passieren lassen, wehrte sich aber auch nicht groß.
"Valtteri war sehr fair mit Max, er hat nicht viel Zeit verloren, als er ihn überholt hat. Das war ein wichtiges Manöver im Rennen", erkannte auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner an. Zu den Vorwürfen, die Strafe gegen Bottas habe auf Verstappen abgezielt, wollte sich Horner nicht konkret äußern. "Ich kenne die Gründe nicht, weshalb sich Mercedes zu dem taktischen Wechsel entschieden hat", so Horner.

Valtteri Bottas (Mercedes) in Sotschi

Fotocredit: Getty Images

Sotschi GP: Schritt zurück für Bottas

Ohnehin war das Wochenende für Bottas wieder ein Rückschritt nach dem starken Auftritt in Monza. Für Wolff lag das aber nicht am Fahrer. "Wir müssen Valtteri mit einem Auto und einer Powerunit ausstatten, mit der er überholen kann", sagte Wolff. Der künftige Alfa-Romeo-Piloten habe wie Lewis Hamilton mit Untersteuern zu kämpfen gehabt. "Und wenn man Untersteuern hat, kommt man nicht nahe genug ran", erklärte der Österreicher.
Doch zurück zum Motor. Die andauernden Probleme sorgen bei Mercedes für Kopfschmerzen, eine Lösung ist bis Saisonende aber offenbar nur schwer zu finden. Denn vieles richtet sich bereits auf die kommende Saison. Dann nämlich werden die Motoren für drei oder gar vier Jahre eingefroren.
"Man muss die richtige Balance finden, um sicherzustellen, dass man wirklich alle Probleme mit der Powerunit beseitigt, nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für das nächste Jahr", schilderte Wolff. Das Team müsse mit Blick auf den Rest dieser Saison genau überlegen, wie man vorgeht. Oberstes Gebot sei es, gerade bei Hamilton im WM-Kampf einen Ausfall zu vermeiden.
"Es geht immer um Performance auf der einen und Leistung auf der anderen Seite", sagte Wolff: "Ein Ausfall wäre fatal für die WM und niemand, weder wir noch unsere Konkurrenten, kann sich ein Wochenende ohne Punkte leisten."
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Sotschi GP: Hamilton vor Motorenstrafe

Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass weitere Strafen nicht ausgeschlossen sind. Bei Hamilton rechnen Beobachter ohnehin noch mit dem Einsatz der vierten Powerunit, wie sie auch Verstappen in Sotschi nun nutzen musste. "Wenn man sich die Menge an Motorenwechseln bei den Kundenteams und im Schwesterauto ansieht, dann würde man annehmen, dass es noch eine Strafe gibt", sagte Horner.
Bei Bottas laufen derweil bis zum Rennen in der Türkei die Untersuchungen, ob die Powerunit aus Monza noch einsetzbar ist. Im Moment hätte er nur seinen neuen Sotschi-Motor sowie ein deutlich älteres Aggregat in seinem Pool.
"Im Moment sind wir dabei, die Leistung der Powerunit neu zu bewerten, denn wir haben einige Fragezeichen. Deshalb haben wir noch nicht entschieden, welche Motoren wieder in den Pool aufgenommen werden sollen", sagte Wolff.
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