Eurosport
Fernando Alonso: Abschied des zweimaligen Weltmeisters löst Fahrerproblem bei Alpine - Ricciardo gehen Optionen aus
Von
Publiziert 02/08/2022 um 13:43 GMT+2 Uhr
Fernando Alonso wird bei Aston Martin Nachfolger des viermaligen Weltmeisters Sebastian Vettel, der seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt hat. Obwohl der Abschied des Spaniers zweifelsohne ein Verlust für Alpine ist, löst er jedoch gleichzeitig das Fahrerproblem beim französischen Team. Immerhin steht ein aufstrebendes Talent bereits in den Startlöchern - zum Leidwesen von Daniel Ricciardo.
Esteban Ocon (l.) und Fernando Alonso - Alpine
Fotocredit: Getty Images
Eine Vertragsverlängerung zwischen Fernando Alonso und Alpine schien in der Formel 1 eigentlich nur noch eine Formsache zu sein. In den vergangenen Wochen hatten sowohl der Spanier als auch die Verantwortlichen des Teams ihre Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass die Dinge schnell geklärt werden würden.
Noch am Donnerstag sagte Alonso, er glaube, es würde nur ein zehnminütiges Gespräch brauchen, um die Dinge zu klären. Dieser Teil war wahrscheinlich richtig. Vielleicht hat es nicht einmal zehn Minuten gedauert, bis er sagte: "Leute, ich bin weg." Möglich machte das der durch den Rücktritt von Sebastian Vettel frei gewordene Platz bei Aston Martin. Er lockte eine Vielzahl von Namen an. Natürlich gehörte auch Alonso dazu.
Bereits vor seinem Formel-1-Comeback bei Alpine hatte es Gespräche mit Lawrence Stroll über einen möglichen Deal gegeben. Doch nur wenige hätten erwartet, dass sich die Dinge diesmal so schnell entwickeln würden, insbesondere Alpine.
Der Verlust eines Fahrers von Alonsos Erfahrung und Kaliber ist ein schwerer Schlag für die französische Mannschaft. Aber er scheint auch das Problem zu lösen, das Alpine mit Oscar Piastri hatte. Denn man steckte in einem klassischen "drei Fahrer auf zwei Plätzen"-Dilemma fest, das viele Teams kennen.
Dilemma bei Alpine
Esteban Ocon hatte einen langfristigen Vertrag, Alonso zeigte gute Leistungen und Reservefahrer Piastri stand in den Startlöchern für einen Aufstieg in die Königsklasse.
Der Vorstandsvorsitzende von Alpine, Laurent Rossi, sagte noch in Frankreich, er sei zuversichtlich, dass sowohl Alonso als auch Piastri nächstes Jahr in der Formel 1 fahren würden, und deutete an, dass Alonso bleiben und Piastri "ausgeliehen" werden würde.Williams war das erwartete Ziel für den jungen Australier, der Nicholas Latifi ersetzen sollte, aber im Laufe der Zeit kristallisierte sich auch McLaren als möglicher Zielort heraus, falls Daniel Ricciardo am Ende der Saison gehen sollte.
Es wurde von Anfang an klargestellt, dass Alpine Piastri nicht verlieren wollte. Rossi betonte, man wolle ihn nur an ein anderes Team ausleihen und ihn nicht ganz gehen lassen - was geschehen wäre, wenn man ihm keinen Formel-1-Platz für 2023 verschafft hätte. Das Vertrauen in seine Zukunft ist stark.
Piastri bei McLaren im Gespräch
So sehr Alpine Alonso auch nicht verlieren wollte, Piastri musste unbedingt gehalten werden. Wäre Alonso zu den Chefs gegangen und hätte das Interesse von Aston Martin als Druckmittel für einen besseren Deal genutzt, wäre die Angst vor einem Leben ohne Alonso dem Anschein nach wohl kaum so groß gewesen.
Die Tatsache, dass sich die Gespräche so lange hingezogen haben, führte zu einigen Fragezeichen über die gemeinsame Zukunft von Piastri und Alpine und darüber, ob dies die Tür für ein anderes Team geöffnet haben könnte, um sich ihn zu schnappen.
So mehrten sich im Laufe des Ungarn-Wochenendes die Gerüchte, dass McLaren eine Option sein könnte, falls Ricciardo den Rennstall verlässt - möglicherweise sogar bis 2024.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/08/02/3426781.jpg)
Oscar Piastri - Alpine
Fotocredit: Getty Images
Alpine will Piastri halten
Wenn Alpine so zuversichtlich war, dass Alonso weitermachen würde, wäre ihnen Piastri dann also schon durch die Lappen gegangen? Solange Piastri noch an Alpine gebunden ist, wird die Priorität für sie darin bestehen, ihn in die Startaufstellung zu bringen und eine langfristige Zukunft nach Alonso aufzubauen.
Ein Gespann Ocon/Piastri mag zwar nicht die Erfahrung oder die Starpower von Alonso haben, doch die Aussichten sind gleichwohl vielversprechend. Zumal Alpine auch endlich sein Ziel erreichen wird, einen seiner Junioren auf einen Werksfahrerplatz zu setzen - wenn auch früher als erwartet.
Die Auswirkungen auf den Fahrermarkt gehen jedoch weit über den Wechsel von Alonso zu Aston Martin und die daraus resultierende Chance für Piastri bei Alpine hinaus. Alpine ist nämlich nicht das einzige Team, das die Chance erhält, mit einem seiner eigenen jungen Fahrer nun langfristig zu planen.
Für Williams wäre es in vielerlei Hinsicht zwar attraktiv gewesen, Piastri als Leihgabe von Alpine zu holen und ihm eine Chance zu geben. Gleichzeitig hätte es aber auch wenig Sinn gemacht, Piastri in seiner Entwicklung zu unterstützen, nur um ihn dann in ein oder zwei Jahren wieder gehen zu lassen.
Ricciardo-Zukunft ungewiss
Die Bestätigung von Alonso durch Aston Martin bedeutet jedoch auch, dass die Dinge auch für Ricciardo eine leichte Wendung genommen haben könnten. Der Australier hat sich klar dazu bekannt, seinen Dreijahresvertrag mit McLaren, der Ende 2023 ausläuft, zu erfüllen.
Doch Zak Browns Bemerkung im Mai über "Mechanismen" in seinem Vertrag, die einen vorzeitigen Ausstieg ermöglichen, die Verbindungen zu Piastri und die Flut von IndyCar-Fahrern, die zuletzt in McLarens Kader aufgenommen wurden, haben die Zweifel an Ricciardos Zukunft eher bestärkt als zerstreut.
Ricciardos bester Zug ist zweifellos, sich nicht zu bewegen. Aber wenn die Dinge so weit gekommen wären, dass ein Wechsel die einzige Option gewesen wäre, wäre dann Aston Martin eine mögliche Alternative gewesen? Das ist unwahrscheinlich. Trotz seines Talents und seiner Erfolge passt Ricciardo nicht so recht in das glatte Image, das Aston Martin mit seinem Team unter der Führung von Lawrence Stroll anstrebt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/19/3415520.jpg)
Daniel Ricciardo blieb im McLaren hinter den Erwartungen zurück
Fotocredit: Getty Images
Vettel-Rücktritt und Alonso-Wechsel bringen Fahrerkarussell ins Rollen
Wenn die Zusage beider Seiten, Ricciardo in Woking zu halten, konkret ist, dann wird Alonsos Wechsel nichts ändern. Aber für den Fall, dass er sich von McLaren trennen sollte, gibt es nun eine Alternative weniger.
Innerhalb weniger Tage hat ein Fahrer seinen Rücktritt erklärt und sich ein anderer für ein paar weitere Jahre in der Formel 1 entschieden. Ihre Entscheidungen werden enorme Auswirkungen auf den Fahrermarkt zeitigen. Sie haben das Karussell bereits ins Trudeln gebracht - gerade als die Sommerpause etwas Entspannung versprach.
Das könnte Dich auch interessieren: Red-Bull-Coup: Horner und Co. werben Mercedes-Chefingenieur ab
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung