Verstappen ist Hamiltons größte Bedrohung seit Nico Rosberg - und verleitet den Titelverteidiger zu ungewohnten Fehlern. "Kaltblütig und talentiert" sei dieser Verstappen, schrieb die Gazzetta dello Sport in Italien. "Eine Ohrfeige" habe er Hamilton verpasst, so der Corriere dello Sport nach dem chaotischen, nervenaufreibenden und sehenswerten Großen Preis der Emilia Romagna.
An dessen Ende feierte Red-Bull-Pilot Verstappen seinen elften Karriere-Sieg. Einen Grund zur Zufriedenheit hatte er nicht nur deshalb. Ein Wunderstart, ein erfolgreiches Überholmanöver gegen Hamilton, Glück beim Ausrutscher vor dem Re-Start und eine gelungene Revanche für Bahrain.
Verstappen gelang auf dem nassen und rutschigen Kurs fast alles. "Wenn ich um Platz zehn fahren würde, hätte ich keinen Spaß. Es ist großartig, gegen Lewis und Mercedes zu kämpfen, die so dominant und schwer zu schlagen waren", sagte der Niederländer, den in der WM-Wertung nur ein Punkt von Spitzenreiter Hamilton trennt. Man sei "sehr, sehr wettbewerbsfähig. Das ist vielversprechend, garantiert ist aber nichts."
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Hamilton wirkte in Imola ungewohnt gestresst

Dass für ihn der achte WM-Titel nicht garantiert ist, dürfte Hamilton spätestens im Kiesbett bewusst geworden sein. Zu ungeduldig war der Brite in der Jagd auf Verstappen gewesen und deshalb von der Strecke abgekommen. Selten leistet sich Hamilton solche Patzer. Ein Zeichen der Nervosität? In der von seinem Teamkollegen Valtteri Bottas mitverursachten Rennpause wirkte Hamilton gestresst, angespannt fuhr er sich in der Boxengasse mit den Händen durchs Haar.
Letztlich war Hamilton "dankbar". Dankbar für den zweiten Platz und das Glück, überhaupt die Möglichkeit einer Aufholjagd gehabt zu haben. Hamilton sagte:
Es ist lange her, dass Red Bull ein WM-fähiges Auto hatte. Es wird eng, das ganze Jahr über."
Das liegt auch an Mercedes selbst. Der neue Silberpfeil ist nicht mehr das schnellste Auto im Feld. Die Philosophie eines niedrigen Anstellwinkels hat sich angesichts einer Regeländerung durch die FIA als nachteilig herausgestellt.

Schwächelnder Bottas muss aufgebaut werden

Und es gibt den Faktor Mensch, namentlich Valtteri Bottas. Der Finne schwächelt. Nach einem verkorksten Qualifying war sein Hochgeschwindigkeits-Crash mit Williams-Pilot George Russell der Tiefpunkt.
Die Gemüter waren erhitzt. Russell schlug Bottas auf den Helm, dieser revanchierte sich mit dem Mittelfinger. Die Schuld für den Crash, in dessen Folge das Rennen rund 30 Minuten gestoppt wurde, gaben sie sich gegenseitig, die Rennleitung sah keinen Hauptverursacher.
Toto Wolff, Motorsport-Chef bei Mercedes, machte aus seinem Ärger kein Geheimnis. Bottas' mentale Verfassung sei "nicht auf dem allerhöchsten Niveau. Wir müssen ihn aufbauen, damit er sich erholt", sagte Wolff:
Wir brauchen ihn für den Fight um die Konstrukteursmeisterschaft."
Seine Geduld dürfte endlich sein. Unter den Fahrern der Formel 1 ist - mit Ausnahme von Verstappen und Hamilton - jeder ersetzbar. Das wissen auch Bottas und Russell. Die Rivalität beider hat deshalb einen pikanten Hintergrund. Mercedes-Junior Russell wird bei den Silberpfeilen als Bottas' Nachfolger gehandelt. Der Wechsel könnte schneller erfolgen als gedacht. Gegen Max Verstappen kann sich Mercedes keine Schwäche erlauben.
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