Als Reaktion auf die Startplatz-Strafe gegen seinen Fahrer Max Verstappen hatte Horner erklärt, es seien "erwachsene Entscheidungen" erforderlich, "die von Erwachsenen getroffen werden" müssten. Und: Der Formel-1-Rennleiter Michael Masi müsse "die Strecke und die Sportwarte besser im Griff haben".
Die Sportkommissare der Formel 1 sahen in diesen Aussagen einen möglichen Verstoß gegen die Artikel 12.2.1 f) und 12.2.1 k) aus dem Internationalen Sportkodex des Weltverbands und leiteten daher eine Untersuchung gegen Horner ein.
In Artikel 12.2.1 f) heißt es unter anderem: Untersagt seien "Aufzeichnungen oder Taten [...], die die FIA, deren Institutionen, Mitglieder oder handelnde Personen moralisch verletzen oder generell dem Interesse des Motorsports und den von der FIA vertretenen Werten schaden".
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Artikel 12.2.1 k) spezifiziert ein solches Fehlverhalten dahingehend, an wen es sich richtet. Explizit genannt sind "Lizenznehmer, Offizielle und sonstige handelnde Personen des Automobil-Weltverbands". Darunter fällt zum Beispiel auch Formel-1-Rennleiter Masi, den Horner konkret kritisiert hatte.

Horner entschuldigt sich!

In einem weiteren Interview mit "Sky" nach dem Rennen aber ruderte Horner zurück: "Im vorherigen Interview sind ein paar Worte gefallen. Ich wurde nach den Sportwarten befragt. Ich will klarstellen: Die Sportwarte leisten wundervolle Arbeit. Sie machen das im Ehrenamt und wirklich gut. Mein Ärger vorhin war nicht gegen die Sportwarte gerichtet, sondern gegen die Umstände."
"Wenn sich jemand daran gestört haben sollte, entschuldige ich mich natürlich dafür. Es war eben frustrierend, in diese Situation gelangt zu sein."
Horner warb um Verständnis für seine Äußerungen, die aus der Emotion heraus entstanden seien, weil er sein Team ungerecht behandelt sah: "Ein Auto fährt durch ohne Gelb. Ein Auto kriegt einfach Gelb. Ein Auto kriegt doppelt Gelb. Es ist diese Inkonsistenz über diese Szene hinweg, auf die sich mein Ärger bezog. Wir als Sport können daraus lernen", so erklärte er.
Außerdem sei er eben jemand, der sein Herz auf der Zunge trage. O-Ton: "Ich bin halt geradeheraus und sage, was ich denke. Wenn ich dich für einen Arsch halte, dann sage ich dir das auch."

Horner stichelt gegen Toto Wolff

Und dann stichelte Horner gegen Mercedes-Teamchef Toto Wolff, als er festhielt: "Ich denke, wir haben unsere Emotionen bisher recht gut im Griff gehabt. Ich habe nicht in Kameras gestikuliert oder am Funk geflucht oder so." Damit verwies er auf den Brasilien-Grand-Prix in der Vorwoche, als Wolff unter anderem an Hamilton gefunkt hatte: "Scheiß auf sie alle!"
Zum Schluss schlug Horner dann noch einmal versöhnliche Töne an: "Ich habe mit der FIA gesprochen und mich entschuldigt. Wenn sich jemand auf irgendeine Weise daran stört - das war nicht die Absicht. Mein Ärger bezog sich nicht auf einen individuellen Sportwart, sondern auf die Situation."
"Und an alle Sportwarte da draußen: Wir brauchen euch. Ihr macht tolle Arbeit. Ich entschuldige mich, wenn da eine Beleidigung interpretiert wurde."

Was die Sportkommissare wohlwollend gewertet haben

Eben diese Entschuldigung werteten die Sportkommissare in ihrer Urteilsfindung wohlwollend. Horner habe demnach bereits bei der Anhörung angeboten, sich in der Presse zu erklären und dem betroffenen Sportwart ebenfalls eine Entschuldigung zukommen zu lassen.
"Er hat sich außerdem dazu bereiterklärt, Anfang Februar 2022 am Internationalen Sportwart-Programm der FIA teilzunehmen. Die Sportkommissare haben dieses Angebot vorbehaltslos angenommen."
Zuvor habe Horner im Gespräch mit den Sportkommissaren gesagt, er habe die ursprünglichen Äußerungen "unter dem Druck des Wettbewerbs" und nach der Strafe gegen Verstappen getätigt.
Die Sportkommissare wiesen Horner anschließend darauf hin, dass der Sportwart in der Szene mit Verstappen seine Aufgabe "genau wie im Internationalen Sportkodex vorgesehen" erledigt habe.
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