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Hans-Joachim Stuck exklusiv über Karriereende von Sebastian Vettel: "Ihn kann niemand ersetzen"
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Publiziert 20/12/2022 um 16:37 GMT+1 Uhr
Hans-Joachim Stuck blickt im exklusiven Interview mit Eurosport.de auf die Formel-1-Saison 2022 zurück. Beeindruckt ist der 71-Jährige vom Abschied von Sebastian Vettel. "Ich habe noch nie erlebt, dass ein F1-Fahrer von seinen Kollegen so herzlich und respektvoll verabschiedet worden ist", sagt er. Stuck verrät auch, wem er im kommenden Jahr zutraut, Doppelweltmeister Max Verstappen zu bezwingen.
Hans-Joachim Stuck adelt Sebastian Vettel
Fotocredit: Getty Images
Die Formel-1-Saison 2022 hatte eine Menge zu bieten: Max Verstappen krönte sich zum Doppelweltmeister und stellte mit 15 Siegen einen neuen Rekord in der Königsklasse auf. Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel erklärte nach 15 Jahren, 299 Rennen und vier WM-Titeln seinen Rücktritt.
Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck verneigt sich im exklusiven Interview mit Eurosport.de zum Jahresabschluss. "Er ist ein Mann, der die Formel 1 in den vergangenen Jahren mitgeprägt hat", meint der 71-Jährige.
Kritik übt er derweil daran, dass Verstappen in Brasilien einen Funkspruch ignorierte und seinen Teamkollegen Sergio Pérez nicht überholen ließ. Dabei berichtet Stuck von einem Telefonat mit dem ehemaligen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.
Das Interview führte Pascal Steinmann.
Herr Stuck, woran denken Sie im Rückblick auf die Saison 2022 zuerst zurück?
Hans-Joachim Stuck: Am meisten ist mir im Kopf geblieben, dass Ferrari wirklich nichts zustande bekommen hat. Das muss man so ehrlich sagen. Sie haben viele Fehler begangen und hatten auch Pech, dann kam dieses und jenes hinzu. Man hat beinahe nur darauf gewartet, dass etwas schiefläuft. Das war schlimm.
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Der Bolide von Charles Leclerc nach dem Crash in Frankreich
Fotocredit: Getty Images
Allein neun Mal hat in dieser Saison einer der Ferraris die Zielflagge nicht gesehen.
Stuck: Man vermutet auch, dass der Unfall von Charles Leclerc in Paul Ricard nicht durch seinen Fehler verschuldet wurde, sondern durch einen Defekt am Auto. Am stärksten ist mir aber im Kopf geblieben, wie beim Boxenstopp von Carlos Sainz in den Niederlanden ein Reifen gefehlt hat. Das war ein Witz, das darf einem Team wie Ferrari nicht passieren. Die Scuderia hätte 2022 absolut Potential für mehr gehabt.
Woran denken Sie noch zurück?
Stuck: Es hat mich sehr überrascht, wie lange Mercedes gebraucht hat, um die Probleme mit dem Porpoising in den Griff zu bekommen. Dadurch haben sie am Anfang der Saison auch wichtige Plätze und Zähler verloren. Das waren die beiden großen Punkte.
Wie bewerten Sie die Saison aus deutscher Sicht?
Stuck: Mick Schumacher ist bei Haas sicherlich unter Wert geschlagen worden. Aber das hat sich nun zum Glück erledigt. Abgesehen von einem Stammcockpit hätte er keinen besseren Platz als die Testfahrerrolle bei Mercedes bekommen können. Beeindruckt hat mich der Einsatz von Sebastian Vettel.
Was hat Ihnen imponiert?
Stuck: Obwohl er wusste, dass er in einem unterlegenen Auto fährt, hat er bis zum letzten Rennen gekämpft und gezeigt, dass er ein geiler Rennfahrer ist und Bock auf das Ganze hat. Seine Verabschiedung hat für sich gesprochen: Ich habe noch nie erlebt, dass ein Formel-1-Fahrer von seinen Kollegen so herzlich und respektvoll verabschiedet worden ist. Das zeugt davon, dass da ein ganz großer Mann abgetreten ist.
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Sebastian Vettel nach seinem letzten Rennen in der Formel 1
Fotocredit: Getty Images
Was geht der Formel 1 ohne ihn verloren?
Stuck: Vettel hat als viermaliger Weltmeister Außergewöhnliches geleistet. Aus deutscher Sicht hinterlässt er eine große Lücke, da kann ihn niemand ersetzen. Er ist ein Mann, der die Formel 1 in den vergangenen Jahren mitgeprägt hat. Er war immer fair, aufrichtig und hatte natürlich großen sportlichen Erfolg.
Vettel hat sich auch häufig deutlich für verschiedene Themen eingesetzt. Die FIA hat in der vergangenen Woche erklärt, dass politische Botschaft ohne vorherige Genehmigung künftig verboten sind. Wie bewerten Sie das?
Stuck: Ich war überrascht von der Nachricht und finde das überhaupt nicht gut. Wenn sich Lewis Hamilton gegen Rassismus oder Sebastian Vettel für Umweltthemen starkmacht, ist das doch förderlich. Alle Fahrer sind Persönlichkeiten, die ihr Leben einsetzen, um erfolgreich zu sein. Warum sollten die kein Recht auf eine freie Meinungsäußerung haben? Das verstehe ich nicht.
Welchen Hintergrund hat die FIA?
Stuck: Das frage ich mich auch, denn damit wird nichts erreicht. Wenn man das vorschreibt, müssen alle vorsichtig sein, was sie sagen. Das müssen sie allerdings ohnehin sein. Kein Fahrer würde aber eine Aussage tätigen, die der Formel 1 schadet. Ich finde das vollkommen überzogen.
Lassen Sie uns zurück auf die Rennstrecke kommen. Wer war für Sie die positive Überraschung der Saison?
Stuck: Das war eindeutig Max Verstappen. Es ist fantastisch, ihn genau zu beobachten. Er fährt momentan einfach außerirdisch. Die Bremspunkte und Linien, die er wählt, sind eigentlich unmöglich. Aber bei ihm funktioniert es. Daher hat er den Titel vollkommen verdient gewonnen.
Wie sehen Sie momentan sein Standing in der Königsklasse?
Stuck: Er ist aktuell eine Lichtgestalt in der Formel 1. Sicher braucht auch er ein starkes Auto. Aber Verstappen steht von seinen Leistungen eine Stufe über allen anderen. Man muss den Hut vor ihm ziehen. Und die Frage ist: Was erleben wir da noch?
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Max Verstappen ist zum zweiten Mal in seiner Karriere Weltmeister
Fotocredit: Getty Images
In Brasilien hat er aber für Kontroversen gesorgt, als er Sergio Pérez trotz eines Funkspruchs vom Team nicht hat überholen lassen. Wie haben Sie das beurteilt?
Stuck: Das war ein eindeutiger Fehler. Aus meiner Sicht hatte das mit mangelnder Disziplin zu tun. Da hätte er Pérez einfach vorbeifahren lassen müssen. Ich habe nach dem Vorfall mit Bernie Ecclestone telefoniert. Er war da sehr deutlich: Wenn sich einer seiner Fahrer nicht an eine solche Anweisung gehalten hätte, hätte Bernie ihn rausgeworfen.
Und Sie?
Stuck: Ich als Teamchef hätte auch eine Strafe ausgesprochen. Das erste Gebot in der Formel 1 ist es, den Anweisungen des Teams bedingungslos Folge zu leisten, denn die Fahrer haben einen Vertrag unterzeichnet.
Zumal Pérez in den vergangenen Jahren sehr viel Arbeit für Verstappen verrichtet hat.
Stuck: Absolut. Er setzt sich für Verstappen ein und würde für ihn sehr weit gehen. Insofern ist das umso unverständlicher.
Könnte das für die kommende Saison ein Problem für die Beziehung sein?
Stuck: Das werden wir sehen (lacht). Ich hoffe es nicht, denn die Konstellation aus Verstappen und Pérez ist ideal für Red Bull. Max weiß, dass er einen Teamkollegen hat, der alles für ihn tut. Im Regelfall ist das umgekehrt genauso. Diese Einheit gibt es nicht in allen Teams. Aber dieses Gefüge ist nun sicherlich ein bisschen gestört.
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Mick Schumacher und Sebastian Vettel
Fotocredit: Getty Images
Apropos kommende Saison: Was bedeuten die Abgänge von Vettel und Schumacher für die deutsche Formel 1?
Stuck: Der Verlust von Vettel ist beinahe überhaupt nicht zu ersetzen. Aber der Weg, auf dem sich Mick nun befindet, ist für Motorsport-Deutschland eine großartige Sache.
Inwiefern?
Stuck: Schumacher wird bei Testfahrten unter Beweis stellen, wie schnell und gut er ist. Ich gehe davon aus, dass er zügiger im Cockpit sitzt, als wir vermuten, denn ein Ausfall eines der Stammpiloten kann immer mal passieren. Und das macht Hoffnung, wenn er einmal die Chance im Rennen bekommt oder auch nur bei den Testfahrten überzeugt. Da haben wir Deutsche einen starken Hoffnungsträger, bei dem wir noch einiges erleben werden.
Was erwarten Sie von Nico Hülkenberg, Schumachers Ersatz bei Haas?
Stuck: Hülkenberg sitzt zwar nicht in einem siegfähigen Auto, aber er hält die deutschen Fahnen hoch. Ich bin überzeugt, dass er auch ab und an ein Highlight setzen wird.
Veränderungen gab es im Winter auch auf zahlreichen Teamchefpositionen, unter anderem bei Ferrari. Kann die Scuderia mit Frederic Vasseur an der Spitze nach dem Titel greifen?
Stuck: Davon bin ich überzeugt. Ferrari hat neben Red Bull und Mercedes die besten Voraussetzungen und gehört zum Kreis der Favoriten. Mann muss die Möglichkeiten nur umsetzen. Ich glaube, dass der Wechsel von Mattia Binotto zu Frederic Vasseur eine richtige Entscheidung war. Ich bin überzeugt, dass Vasseur einen guten Job machen und die Mannschaft in den Griff bekommen wird.
Sein Pilot Charles Leclerc rechnet 2023 mit einem Dreikampf, also einem Fight mit Red Bull und Mercedes. Was erwarten Sie für die kommende Saison?
Stuck: Ich habe keine Glaskugel auf dem Schreibtisch (lacht). Im Winter wird immer darüber spekuliert, wer die besten Karten hat. Oft heißt es, man müsse bis zu den ersten Testfahrten warten. Aber selbst dann wissen wir immer noch nichts. Alle Resultate bei den Trainingsfahrten sind Makulatur. Wir wissen erst im ersten Qualifying von Bahrain im März, was Sache ist. Aber die drei Top-Teams werden es sicher unter sich ausmachen.
Sie haben Verstappen vorhin als "Lichtgestalt" bezeichnet. Er hat sich 2021 und 2022 zum Weltmeister gekrönt. Wer im Feld hat die fahrerische Klasse, um seine Dominanz zu durchbrechen?
Stuck: Charles Leclerc hat diese Qualität ohne Frage. Aber auch George Russell kann das.
Rekordweltmeister Lewis Hamilton trauen Sie das nicht zu?
Stuck: Bedingt. Ich sehe Leclerc und Russell nun einen Tick vor Hamilton. Die beiden werden Verstappen in der kommenden Saison hoffentlich ordentlich Feuer unterm Hintern machen (lacht).
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Für mehrere Millionen: Schumacher-Ferrari wird versteigert
Quelle: SID
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