Imago

Yussuf Poulsen von RB Leipzig im Exklusiv-Interview: "Brauchen eine Topleistung, um HSV zu schlagen"

Poulsen exklusiv: "Unsere Akzeptanz ist gestiegen"

11/02/2017 um 09:40Aktualisiert 11/02/2017 um 19:31

Yussuf Poulsen von RB Leipzig hat den Aufstieg aus der 3. Liga in die Bundesliga mitgemacht. Eurosport.de sprach im Interview mit dem Dänen über die Hassplakate und Attacken gegen RBL-Fans in Dortmund und den vermeintlichen "Brandstifter" Hans-Joachim Watzke. Dazu erklärt Stürmer Poulsen seine aktuelle Ladehemmung und verrät, was er über seine Zukunft in Leipzig denkt.

Yussuf Poulsen: Das gehört nicht zum Fußball und ist absolut inakzeptabel. Es ist traurig, dass dieses Thema im Vordergrund stand, denn es war ein gutes Fußballspiel, bei dem es ziemlich zur Sache ging, aber fair. Eigentlich muss das Sportliche oberste Priorität haben und nicht solche Ereignisse. Das ist sehr schade, dass so etwas immer noch passiert.

Offenbar wollten die BVB-Chaoten den Leipziger Mannschaftsbus attackieren. Haben Sie manchmal Angst um Ihre Gesundheit und Ihr Leben?

Poulsen: Nein. Und man muss das auch alles richtig einordnen, denn das ist kein alleiniges RB-Problem, sondern betrifft die ganze Liga. Wir haben jedenfalls Leute, die auf uns aufpassen und einen sehr guten Job machen. Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit und gehen unseren Weg unbeirrt weiter.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke soll den Hass auf RB Leipzig befeuert haben und steht als "Brandstifter" unter Beschuss. Trifft ihn eine Teilschuld?

Poulsen: Das glaube ich nicht. Er ist nicht dafür verantwortlich, was die Splitter-Gruppierung der Ultras gemacht hat.

Seit seiner Gründung hatte es RB Leipzig immer mit Hass und Ablehnung zu tun. Wie gehen Sie damit um, gerade als junger Spieler mit 22 Jahren?

Poulsen: Das ist tatsächlich verschwindend gering. Das passiert nicht so häufig oder intensiv, wie es zum Teil dargestellt wird. Was in Dortmund passierte, war sicher ein absoluter Einzelfall. Fakt ist, dass unsere bundesweite Akzeptanz seit letzten Sommer weiter gestiegen ist.

In Leipzig ist die Euphorie riesengroß. RB steht in der Tabelle auf Platz zwei hinter Bayern und weit vor Dortmund. Sehen Sie RB Leipzig bereits als die zweite Kraft in Deutschland?

Poulsen: Sicher noch nicht. (lacht) Aber wir spielen eine super Saison und wollen weiter in der Erfolgsspur bleiben. Um die Bayern wirklich zu ärgern, ist es allerdings noch viel zu früh.

Stimmt es, dass Trainer Ralph Hasenhüttl beim Training die Fangesänge der BVB-Anhänger eingespielt hat, um Sie auf die hitzige Atmosphäre in Dortmund vorzubereiten?

Poulsen: Das stimmt nicht. (lacht) Aber das wäre eine originelle Sache gewesen.

Sie haben alle 19 Bundesliga-Spieler absolviert, aber erst einen Treffer erzielt. Wie beurteilen Sie Ihre aktuelle Situation als Mittelstürmer?

Poulsen: Ich habe vielleicht nicht so viele Tore erzielt wie gewünscht. Aber das ist nicht schlimm, solange wir die Spiele gewinnen. Ich ärgere mich nur, wenn ich kein Tor mache und wir verlieren oder Unentschieden spielen. Wenn Timo Werner ein Tor erzielt und ich für ihn die Räume freimache, dann freue ich mich genauso, als ob ich einen Treffer erzielt habe.

RB Leipzig jubelt über den Treffer von Yussuf Poulsen

RB Leipzig jubelt über den Treffer von Yussuf PoulsenImago

Woran liegt's, dass Sie in den Jahren zuvor mehr Treffer geschossen und mehr Tore vorbereitet haben? Ist das Niveau in der Bundesliga eine andere Hausnummer?

Poulsen: Die Bundesliga ist definitiv eine andere Hausnummer. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Ich hatte ab und zu ein bisschen Pech und in den entscheidenden Momenten keinen kühlen Kopf. Aber das kommt irgendwann. Ich bin erst 22 Jahre alt und muss genau diesen Teil meines Spiels weiter verbessern. Darauf kommt es an, daran arbeite ich.

Sie spielen seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. Könnten Sie sich einen Wechsel innerhalb der Bundesliga zu einem Traditionsklub wie den BVB überhaupt vorstellen?

Poulsen: Das ist kein Thema für mich. Ich bin sehr glücklich in Leipzig und mache mir darüber keine Gedanken. Wenn das irgendwann einmal doch der Fall sein sollte, werde ich darüber nachdenken. Im Moment beschäftige ich mich damit aber nicht.

Poulsen: Emil ist ein sehr wichtiger Spieler. Aber selbst wenn starke Spieler wie Forsberg ausfallen, können wir das kompensieren. Für unser Team ist es natürlich gut, dass er wieder zurückkommt. Er hat riesige Qualitäten, immerhin ist er einer der beiden Top-Vorbereiter in der Liga.

Forsberg und Poulsen von RB Leipzig

Forsberg und Poulsen von RB LeipzigImago

Am Samstag geht's gegen den HSV, der sich zuletzt wieder stärker präsentierte. Sind drei Punkte trotzdem Pflicht?

Poulsen: Viele reden immer noch von einem Abstiegskandidaten. Aber Hamburg ist wieder auf einem guten Weg. Der HSV hat im Winter neue Spieler geholt. Die Mannschaft ist auf einem anderen Niveau und in anderer Verfassung. Wenn wir keine Topleistung abliefern, wird es gegen den HSV schwer. Aber wir hoffen und setzen alles daran, dass wir zu Hause weiter ungeschlagen bleiben.

0
0