Mehr als ein Joker: Davie Selke vor dem Absprung

Bei RB Leipzig herrscht Feierstimmung, der Sensations-Aufsteiger löste mit einem 4:1 (1:0)-Auswärtssieg bei Hertha BSC schon vorzeitig das Champions-League-Ticket und kann den letzten beiden Ligaspielen gelassen entgegenblicken. Einer aber gilt als Verlierer der überragenden Saison der Sachsen. Davie Selke blieb in Leipzig nur die Joker-Rolle, daher stehen die Zeichen auf Abschied.

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Am Samstagabend feierte RB Leipzig im Berliner Olympiastadion mit den mitgereisten Fans die direkte Champions-League-Qualifikation. Davie Selke sorgte mit seinen beiden Treffern in der Schlussphase (89./90.) für "die Befreiung schlechthin", so Coach Ralph Hasenhüttl.
Allerdings kam der RB-Stürmer wieder einmal nur als Joker zum Einsatz. Erst in der 81. Minute betrat er den Platz, zeigte dann aber innerhalb von nur neun Minuten seine ganze spielerische Klasse. "Ich habe immer davon gesprochen, dass vor allem die Spieler, die weniger im Rampenlicht stehen, noch ganz entscheidend für uns werden", sagte Hasenhüttl. Wie Selke mit der für ihn schwierigen Situation umgegangen sei, "ist einfach überragend". Doch ausgelassen feiern konnte der 22-Jährige den Doppelpack wohl nicht.

Timo Werners großer Schatten

Der U21-Nationalspieler konnte sich im mit Talenten gespickten Team der Sachsen in dieser Saison zu keinem Zeitpunkt durchsetzen. Nur 19 Einsätze stehen für den Mittelstürmer zu Buche, nur zweimal durfte er von Beginn an ran. Coach Hasenhüttl setzt auf Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer und Überflieger Timo Werner.
Im Sommer glänzte Selke mit der U21-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio, reiste mit einer Silbermedaille im Gepäck in die Heimat, verlor dort aber seinen Stammplatz an Neuzugang Werner. Seitdem konnte er in Leipzig nie mehr richtig Fuß fassen. Auch in der nächsten Saison wird die Situation nicht leichter. Für die Königsklasse wird sich RB mit weitern Topspielern verstärken, die Konkurrenz wird nur weiter wachsen.

Keine "Low-Budget-Preise"

Daher beschäftigt sich Selke trotz Vertrages bis 2020 verstärkt mit dem Gedanken, RB zu verlassen. 2015 war er für acht Millionen Euro von Werder Bremen nach Leipzig gekommen, eine Rückkehr an die Weser scheint wahrscheinlich.
Auch wenn Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick betont, es gebe keine Bestrebungen, den Stürmer unbedingt abzugeben: "Wir wissen ganz genau, was wir an Davie haben, und wir werden ihn nicht auf Teufel komm raus abgeben - und schon gar nicht für irgendwelche Low-Budget-Preise."

Rückkehr an die Weser?

Die Bremer würden eine Rückkehr defintiv begrüßen: "RB Leipzig ist über unser Interesse informiert", sagte Werder-Sportchef Frank Baumann bereits vor zwei Wochen im Interview mit dem "Weser-Kurier".
Allerdings wäre Selke, wie angekündigt, kein Schnäppchen: "Es ist insgesamt finanziell eine große Herausforderung und wir prüfen, ob das möglich ist", sagte Baumann.
Gerade wenn Werder noch die Qualifikation für die Europa League erreichen sollte - die Bremer liegen nach einer fulminanten Rückrunde aktuell in Schlagdistanz auf Rang acht - könnte der abschlussstarke Mittelstürmer das Team der Hanseaten entscheidend verstärken.

Keine Joker-Rolle

Sollte Selke nicht an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren, wäre dennoch ein ligainterner Wechsel denkbar. In Frankfurt deutet sich der Abgang von Marco Fabian an. Mit dem neugewonnen Budget könnte sich die Eintracht den 1,92-Hünen durchaus leisten. Der Strafraum-Stürmer würde bei den Hessen seine Einsatzzeiten bekommen und passt mit seiner körperbetonten Spielweise in das System von Trainer Niko Kovač.
Generell sollte es nicht an mangelndem Interesse scheitern. Trotz der spärlichen Zahl seiner Einsätze zählt Selke zu den größten deutschen Stürmer-Talenten. Möchte er diesen Status untermauen und sich noch weiterentwickeln, ist eine Joker-Rolle wie in Leipzig allerdings nicht genug.
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