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FC Bayern: Warum Mai, Evina, Shabani und Hoffmann plötzlich Profis werden
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Publiziert 18/05/2018 um 09:56 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern stattet Lars Lukas Mai, Franck Evina, Meritan Shabani und Ron-Thorben Hoffmann allesamt mit Profiverträgen aus. Diese Schwemme an Beförderungen überrascht: Will es der Dauer-Meister zwingen, endlich wieder ein hauseigenes Talent im A-Team hervorzubringen? Nicht nur der scheidende U23-Trainer Tim Walter beklagt fehlende Konzepte. Offenbar möchte Bayern ein Vakuum kompensieren.
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Schon bemerkenswert, dass Hasan Salihamidzic keinen Schreibkrampf erlitten hat und immer neue Satzbausteine findet, um seine Autogramme auf Vertragspapieren verbal auszuschmücken.
Der eine hat "sein Potential unter Beweis gestellt", bei einem anderen bestehe "großes Vertrauen in seine Fähigkeiten", ein dritter ist "hochveranlagt und vielversprechend", der vierte "bringt hervorragende Voraussetzungen mit".
So klang es, als Münchens Sportdirektor Salihamidzic in den vergangenen Tagen selig grinsend erklärte, warum Lars Lukas Mai, Franck Evina, Meritan Shabani und Ron-Thorben Hoffmann vom FC Bayern zu Profis gemacht werden; Mai (18), Evina (17) und Hoffmann (19) bis 2021, Shabani (19) bis 2020.
"FC Bayern hat kein durchgängiges Konzept entwickelt"
Diese Schwemme an Beförderungen überrascht. Will es der Dauer-Meister erzwingen, endlich wieder ein hauseigenes Talent im A-Team hervorzubringen wie David Alaba 2010, also gefühlt in der Steinzeit?
Bayern hat Probleme, der Jugend vernünftige Perspektiven aufzuzeigen. Es gab über Jahre nie längerfristige Pläne, und Kommunikation als Mittel zur Vernetzung war kaum vorhanden. "Der FC Bayern hat in der Jugend noch kein durchgängiges Konzept entwickelt", sagt Tim Walter, scheidender U23-Trainer, zur "Süddeutschen Zeitung".
Niklas Dorsch (sicher) und Fabian Benko (wahrscheinlich) verlassen die Münchner nicht zuletzt aus Enttäuschung; trotz Profiverträgen durften sie in dieser Saison erst ganz am Ende "oben" mittrainieren. Eine Perspektive sehen beide nicht.
FC Bayern sorgt für Local-Player-Regel vor
Das zwingt den Bayern eine Reaktion auf. Laut DFL-Statuten muss jeder Verein in der Bundesliga und der 2. Liga zwölf deutsche Lizenzspieler unter Vertrag haben, dazu müssen mindestens vier im Verein ausgebildete Spieler vertraglich gebunden sein.
Das Reglement der UEFA besagt im Wortlaut: "Ein vom Verein ausgebildeter Spieler ist ein Spieler, der - unabhängig von Staatsangehörigkeit und Alter - zwischen seinem 15. und 21. Lebensjahr für drei vollständige Spielzeiten bei seinem aktuellen Verein registriert war."
Mit den Abgängen von Dorsch und Benko fallen nur noch Alaba, Thomas Müller, Mats Hummels, Felix Götze und Sandro Wagner in diese Kategorie. Wagner ist bereits 30 Jahre alt, Alaba liebäugelt immer mal wieder mit einem Wechsel, und bei Götze ist es durchaus denkbar, dass er es Dorsch und Benko gleichtut, wenn ihm nicht bald der Durchbruch gelingt.
In diesem Punkt haben die Münchner nun für die Zukunft vorgesorgt und können ohne Druck agieren.
Heynckes kannte Evina gar nicht
Dennoch: Die hochmoderne und besonders von Klub-Präsident Uli Hoeneß glorifizierte Jugendakademie ("Unsere Antwort auf den Transferwahnsinn") wurde erst Mitte 2017 eröffnet und kann effektiv noch nichts abwerfen. "Jetzt haben wir das Ding erstmal hingestellt, es braucht Anpassungszeit", sagt Walter.
So schnell wird sich das Nadelöhr im innerbetrieblichen Aufstieg nicht weiten, vieles erscheint undurchsichtig, teilweise gar willkürlich und ohne Anspruch auf Transparenz. Bezeichnend eine Aussage von Jupp Heynckes, der neulich einräumte, Evina vor dessen Bundesligadebüt kaum gekannt zu haben: "Den haben sie die ganze Zeit vor mir versteckt."
Der Deutsch-Kameruner wäre im Winter beinahe zu Borussia Mönchengladbach gewechselt, er blieb nur, weil ihn Walter sowie dessen Assistent Tobias Schweinsteiger zu den Amateuren hochzogen. In der Regionalliga reichte es für Platz zwei, auf Walter folgt der bisherige U17-Coach Holger Seitz - und nicht Mehmet Scholl, der dieses Amt bereits zweimal ausübte (2009/10, 2012/13).
FC Bayern: Mai hat die besten Chancen
Keine strukturellen Richtlinien, aber mit Mai, Evina, Shabani, Hoffmann plötzlich vier neue Profis: Irgendwie passt das nicht.
"So viele Spieler dauerhaft oben reinzubringen, ist meiner Meinung nach nicht möglich", sagt Walter. "Die 3. Liga ist für Bayern-Spieler, die zu den Profis wollen, noch zu wenig. Da muss der Verein eine Lösung finden, damit sie auf einem Niveau spielen, das zu ihnen passt."
Offenbar kompensieren die Münchner ihr Vakuum aktuell mit der Maßgabe, bestehende Talente an den Verein zu binden, auch als Signal nach außen: Schaut her, unsere Basis stimmt!
Das muss sich herausstellen. Verteidiger Mai werden die besten Aussichten eingeräumt, es im Bundesligateam zu packen, Angreifer Evina immerhin Außenseiterchancen. Indes sind Mittelfeldmann Shabani und Keeper Hoffmann eher keine Bayern-Stars von morgen.
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