BVB: Was Borussia Dortmund aus der Saison 2018/19 mitnimmt

Verpasste Chance oder Zwischenschritt zum Bayern-Jäger? Borussia Dortmund geht trotz der drittbesten Saison seiner Vereinsgeschichte mit gemischten Gefühlen in die Sommerpause. Einerseits hat der BVB die an ihn gerichteten Erwartungen übertroffen, andererseits die größte Titelchance der vergangenen sieben Jahre mehr oder weniger leichtfertig verspielt. Was der BVB aus der Saison mitnimmt.

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"Die Meisterschaft ist nicht alles", sagte Marco Reus sichtlich enttäuscht nach Abpfiff des letzten Bundesligaspiels der Saison 2018/19 im Gladbacher Borussia Park. Der BVB hatte soeben seine Hausaufgaben erfüllt, das Borussen-Duell mit 2:0 für sich entschieden, den großen Wurf aber verpasst. Der FC Bayern sicherte sich stattdessen dank eines 5:1-Heimsieges gegen Eintracht Frankfurt den siebten Titel in Serie.

BVB will an Bayern "dranbleiben"

Eigentlich also nichts Verwunderliches, wäre da nicht dieser Neun-Punkte-Vorsprung auf den FC Bayern kurz vor Weihnachten gewesen, den der BVB in der Rückrunde vor allem gegen vermeintlich kleine Mannschaften (Augsburg, Nürnberg) verspielte. Die Chance auf den Titel war groß wie lange nicht mehr - und dennoch klingt bei den Verantwortlichen vor allem auch Stolz auf das Geleistete durch.
"Natürlich sind wir enttäuscht. Aber nicht viele Leute haben vor der Saison mit 76 Punkten für uns gerechnet“, konstatierte etwa Trainer Lucien Favre. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke versprach forsch:
Um das zu schaffen, werden die Bosse der Westfalen die abgelaufene Spielzeit sezieren und analysieren.
Denn der BVB kann einiges aus der ersten Favre-Saison mitnehmen - Positives wie Negatives.

BVB ist weiter als erwartet

Neustart, Umbruch. Unter diesem Zeichen stand die Saison 2018/19. Zwei Jahre wollte man sich für den Neustart unter Trainer Lucien Favre Zeit nehmen. Der Schweizer sollte der verunsicherten Mannschaft, die gerade erst zwei Trainer in einer Saison verschlissen hatte (Peter Bosz, Peter Stöger), einen neuen Anstrich verpassen und langfristig wieder zu einem Titelkontrahenten aufbauen. Das gelang ihm schneller als erwartet.
Der BVB überzeugte unter dem 60-Jährigen auf Anhieb. Mit einer Mischung aus erfahrenen Anführern (Axel Witsel, Thomas Delaney, Marco Reus) und jungen aufstrebenen Talenten (Jadon Sancho, Jacob Bruun Larsen, Christian Pulisic, Dan-Axel Zagadou, Achraf Hakimi) lieferte sich die Borussia bis zum 34. Spieltag ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft. Am Ende steht mit 76 Punkten die drittbeste Saison der Vereinsgeschichte.
Geht die Entwicklung unter Favre in gleicher Geschwindigkeit weiter, darf Fußball-Deutschland auch in den kommenden Jahren auf echte Spannung im Titelkampf hoffen.

Mentalität bleibt das Hauptproblem

In der Saison 2017/18 wurde fehlende Mentalität als Hauptproblem ausgemacht, das mit den Zukäufen von Mentalitätsspielern wie Witsel und Delaney in der Hinrunde als behoben schien. Die Endphase der Saison offenbarte aber Gegenteiliges. Noch immer hat der BVB, wenn auch in abgeschwächter Form, mit den selben Problemen zu kämpfen.
Regelmäßig brach die Mannschaft in der Schlussphase zusammen, wirkte ängstlich und kassierte Gegentreffer. Im DFB-Pokal scheiterte man trotz zweimaliger Führung im eigenen Stadion an Werder Bremen, in der Bundesliga verspielte man gegen Hoffenheim gar eine 3:0-, in Bremen eine 2:0-Führung.
In den Heimspielen gegen Mainz (2:1) und Fortuna Düsseldorf (3:2) duselte man sich mit jeder Menge Glück zu drei Punkten.
Auch Favre scheint noch nicht die Lösung dafür zu haben, warum sich der BVB in eigentlich souverän geführten Spielzeiten regelmäßig selber das Leben schwer macht, sich ängstlich zurückzieht und derart ins Schwimmen gerät. Allein auf mangelnde Erfahrung im Titelkampf ist dieses Phänomen jedenfalls nicht zurückzuführen.
Schon in der Hinrunde gewann der BVB einige Spiele nur höchst schmeichelhaft in der Schlussphase (in Leverkusen 4:2, gegen Augsburg 4:3).
Es gibt weiterhin Verbesserungsbedarf auf mentaler Ebene.

Führungsetage hat sich bewährt

Der BVB bestückte zu Saisonbeginn nicht nur den Spielerkader neu, sondern sorgte auch für neue Strukturen in der Führungsetage. Das seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitende Zweiergestirn aus Watzke und Sportdirektor Michael Zorc wurde um zwei weitere Komponenten erweitert. Ex-Kapitän Sebastian Kehl wurde als Leiter der Lizenzspielerabteilung eingestellt, Matthias Sammer als externer Berater installiert.
Aus München gab es dazu von Bayern-Präsident Uli Hoeneß einen höhnischen Kommentar:
34 Spieltage später ist jedoch klar: Die Entscheidung der BVB-Bosse, den eigenen Kompetenzkreis zu erweitern und gewisse Aufgabenbereiche abzugeben, hat sich ausgezahlt.Matthias Sammer stand in Sachen Kaderplanung vor der Spielzeit bereits beratend zur Seite und hatte damit auch einen Anteil an der erfolgreichen Transferpolitik.
Hakimi, Paco Alcácer, Witsel, Delaney, Abdou Diallo, Marius Wolf, um einige zu nennen, konnten ihren Wert für die Mannschaft allesamt bestätigen und hatten maßgeblichen Anteil am Erfolg.
Kehls Aufgabe war es, Missmut und gefährliche Stimmungen im Spielerbereich frühzeitig zu erkennen und aus dem Weg zu räumen. Dass dem BVB trotz diverser schwer zu moderierender Themen (Mario Götzes Ausbootung zu Saisonbeginn, Julian Weigl wollte weg) die erste Saison ohne jegliche Skandale seit langem gelang, ist auch dem ehemaligen BVB-Kapitän zuzuschreiben.
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