FC Bayern | Die Zeit für Trainer Niko Kovac läuft ab
Niko Kovac ist beim FC Bayern München nach der jüngsten Havarie gegen Fortuna Düsseldorf (3:3) nur noch schwer als Trainer der Zukunft zu vermitteln - das jedenfalls legen die Worte von Präsident Uli Hoeneß am Samstagabend nahe. Der schockierte Bayern-Boss will zwar nichts überstürzen, kündigt jedoch "eine Analyse" an, an deren Ende eigentlich nur die Entlassung des Trainers stehen kann. Nur wann?
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Vom FC Bayern berichtet Florian Bogner
Uli Hoeneß ist ein Mensch, dem man seine Emotionen auf den ersten Blick ansieht. Als der Präsident des FC Bayern München am Samstagabend nach der Havarie gegen Fortuna Düsseldorf (3:3) energisch in Richtung Kabine schritt, blies er dabei die Backen auf.
Das deutliche Signal: Das Aufeinandertreffen mit Trainer und Mannschaft wird jetzt nicht leicht.
Eine knappe Dreiviertelstunde später war die Konfrontation beendet und Hoeneß stellte sich der nächsten: den Fragen der Journalisten. Und was der Bayern-Präsident da in knapp 415 Sekunden von sich gab, lässt für Niko Kovac und dessen Zukunft als Trainer des Rekordmeisters wenig Gutes erhoffen.
FC Bayern: Hoeneß geht auf Distanz zu Kovac
Denn mit Hoeneß ging nun auch der größte Fürsprecher des 47-Jährigen auf Distanz - und erklärte die Ära Kovac damit im Prinzip bereits als gescheitert.
"Tatsache ist, dass wir natürlich jetzt eine schwierige Ausgangsposition für den Rest der Saison sehen und uns erst über das Wochenende alle miteinander Gedanken machen wollen, wie wir aus dieser Situation das Beste machen", sagte Hoeneß, bemüht, einen ruhigen, staatsmännischen Eindruck zu machen und sich nicht zu sehr von seinen Emotionen leiten zu lassen.
Einen Schnellschuss - Trainer raus - werde es nicht geben. Man werde die nächsten Tage aber sehr wohl nutzen, um herauszufinden "was da los ist, dass wir sehr schlechten Fußball spielen, einen uninspirierten Fußball und vor allen Dingen einen Fußball ohne Selbstvertrauen, was uns im Moment sehr umtreibt".
FC Bayern: Die Jahreshauptversammlung naht
Eine Analyse, die dringend Not tut und schon auch unter Zeitdruck steht, denn der Terminplan der Bayern hat’s in sich: Am Dienstag schon muss der FC Bayern in Gruppe E der Champions League gegen Benfica Lissabon (ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) ran und mit einem Remis ein mögliches Endspiel ums Weiterkommen in Amsterdam vermeiden.
Am Samstag geht’s in der Liga zu Werder Bremen. Viel wichtiger für Hoeneß aber ist der Freitag: Da findet die Jahreshauptversammlung des FC Bayern statt, bei der man gerne neben wirtschaftlichen Rekordzahlen auch eine Antwort auf die dringendsten sportlichen Fragen geben würde. Sonst drohen Tumulte.
Ein Satz des Bayern-Präsidenten stach bereits am Samstagabend heraus:
Ein schon ziemlich vernichtendes Urteil für einen im Sommer installierten Trainer, den Hoeneß doch eigentlich "bis aufs Blut" verteidigen wollte, nun aber offensichtlich doch skeptischer als gedacht betrachten muss.
Kovac soll am Dienstag noch Bayern-Trainer sein
Zwar sei eine Trainerentlassung für den Präsidenten "im Moment kein Thema", wie er am Samstagabend gleich zweimal sagte, und Kovac werde laut Hoeneß - Stand jetzt - auch am Dienstag in der Champions League gegen Benfica Lissabon auf der Bank sitzen.
Dennoch kündigte der 66-Jährige "intern Gesprächsbedarf" an und eine Analyse, "wo wir eigentlich gerade stehen". Denn:
Hoeneß will mit Spielern sprechen
Womit man bei der Frage wäre, was denn die Konsequenz einer solchen Analyse sein könnte - zum Beispiel personell.
Nach der sportlichen Talfahrt mit zuletzt vier Liga-Heimspielen ohne Sieg (Augsburg, Mönchengladbach, Freiburg, Düsseldorf) und insgesamt nur zwei Siegen aus den letzten acht Bundesliga-Spielen, ist es an der Säbener Straße vermutlich nicht mehr mit bloßem Gerede getan.
"Wir haben nicht aus unseren Fehlern gelernt", hatte Kapitän Manuel Neuer schließlich schon am Samstagabend festgestellt.
Neben Kovac wird die Bayern-Führung auch die Mannschaft ins Gebet nehmen, kündigte bereits Gespräche mit einzelnen Spielern an. "Wir sind Manns genug, Entscheidungen selbst zu treffen", sagte Hoeneß, "aber selbstverständlich werden wir immer auch Meinungen von Spielern anhören".
Sündenbock Boateng
Dass Hoeneß dem ein oder anderen gerne den Kopf waschen und sich vermutlich vor allem gerne an Reizfigur Jérôme Boateng abarbeiten würde, konnte man recht deutlich zwischen den Zeilen lesen. "Dilettantisch", nannte Hoeneß das Abwehrverhalten der Innenverteidigung beim 1:2 (44.):
Ebenso diktierte er den Journalisten in ihre Blöcke, sich das "bitte anzutun, alle Tore zu analysieren"; man solle dann auch bitte "mal kritisch mit dem ein oder anderen Spieler umgehen, denn das war hanebüchen, was da passiert ist".
Die Pressekonferenz vor einigen Wochen, bei der sich die Bayern-Spitze noch verbal mit dem Grundgesetz wedelnd vor seine Spieler und den Trainer geworfen hatte, wirkte plötzlich sehr weit weg.
Ist Wenger der Plan B?
Trotz aller harter Worte gegen die eigenen Spieler: Angesichts des schmalen Kaders mit nur 21 Profis, von denen am Samstag gerade mal 16 spielfit waren, sind personelle Konsequenzen innerhalb der Mannschaft wohl eher kontraproduktiv. Und man landet schnell wieder beim Trainerteam. Hoeneß:
Was irgendwie danach klang, als müsse man nun doch an einem Plan B denken. Einen ohne Kovac.
Kovac greift die eigenen Spieler an
Kovac selbst wusste derweil am Samstag nur zu gut, was die Stunde geschlagen hatte und schaltete nach dem Spiel in den puren Überlebensmodus.
So schob er seinen Spielern die Schuld am Remis gegen Düsseldorf zu. Kovac bemängelte erneut die Chancenverwertung in der Offensive und ging dann zum Frontalangriff auf seine Abwehrkräfte über: "Was noch viel schlimmer ist, ist die Art und Weise, wie wir bei allen drei Gegentreffern verteidigt haben. So kann man in der Bundesliga nicht verteidigen."
Kovac nannte zwar keine Namen, griff durch seine Analyse aber wie Hoeneß die Innenverteidiger Niklas Süle und Boateng direkt an:
Womit er wohl Recht hat. Der Trainer ist am Ende aber meistens doch der erste, der zur Verantwortung gezogen wird.
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