FC Bayern | Erik ten Hag macht sich für Bayern interessant
Erik ten Hag sorgt mit Ajax Amsterdam in der Champions League für Furore - und macht sich damit auch als Trainer für seinen Ex-Klub FC Bayern München interessant. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verriet der Niederländer nun, dass er Bayern jede Woche beobachte und ihm der Klub nach wie vor viel bedeutet: "Bayern ist mein Verein geworden." Und wird es vielleicht wirklich wieder?
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Auf dem Papier war es kein Erfolg. Zwei Jahre versuchte Erik ten Hag zwischen 2013 und 2015 vergeblich, die Amateure des FC Bayern München in die 3. Liga zu hieven - es misslang.
Doch so knapp wie er scheiterte vorher und nachher keiner. Erst in der 93. Minute des Relegationsspiels gegen Fortuna Köln verpatzte ein Torwartfehler von Lukas Raeder im Sommer 2014 den Aufstieg, an dem zuvor schon Andries Jonker, Mehmet Scholl sowie seither Heiko Vogel und Tim Walter scheiterten.
Erst jetzt, 2019, wird Bayern II unter Holger Seitz wieder an der Relegation teilnehmen und um den Aufstieg in die Drittklassigkeit spielen.
Beim FC Bayern ist ten Hag jedoch nach wie vor gut gelitten, hat damals einen guten Eindruck hinterlassen. Eine Ansicht, die ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht, wie der 49-Jährige nun in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verriet.
Ten Hag verfolgt FC Bayern aufmerksam - und umgekehrt?
Auf die Frage, ob er die Bayern noch regelmäßig verfolge, sagte ten Hag nämlich:
Nach Ajax Amsterdam natürlich, mit dem ten Hag derzeit in der Champions League für Furore sorgt. Das junge, unbekümmerte ten-Hag-Team trotzte eben jenem FC Bayern in der Vorrunde zwei Unentschieden ab (1:1, 3:3), um dann im Achtelfinale keinen geringeren Gegner als Real Madrid aus dem Wettbewerb zu nehmen (1:2, 4:1).
Am Mittwoch schnuppert Ajax im Viertelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin ebenfalls an einem Sieg, musste sich am Ende aber mit einem 1:1 zufriedengeben.
Dennoch: Mit 57 Prozent Ballbesitz und 18 Torschüssen zeigte Amsterdam mit fünf Spielern unter 24 Jahren erneut eine reife Leistung - inklusive der Tatsache, dass bei Ajax 214 Pässe mehr als bei Juventus ankamen.
Ten Hag mausert sich zur Alternative
Nun sitzt Niko Kovac beim FC Bayern München seit dem 5:0 gegen Borussia Dortmund am Wochenende wieder etwas fester im Sattel. Doch auch, wenn sich Uli Hoeneß via "kicker" erneut demonstrativ hinter den 47-Jährigen stellte - die Worte von Karl-Heinz Rummenigge, der Kovac explizit keine Job-Garantie über den Sommer hinaus aussprechen wollte, hallen nach.
Nun ist die Trainerfrage zuvorderst immer eine Frage der Alternativen - vergangenen Sommer waren sie den Bayern bekanntlich ausgegangen. Doch nun scheint sich ten Hag zu einer ernsthaften Möglichkeit zu entwickeln.
Nachdem die Trainer-Granden Arsène Wenger (zu alt) und Jose Mourinho (zu sehr Mourinho) nicht wirklich beim FC Bayern diskutiert werden und die Bundesliga auch nicht unbedingt weitere Kandidaten birgt, lohnt es sich für die Macher an der Säbener Straße, den Draht zu ten Hag zu halten.
Hatten nicht Rummenigge, Hoeneß und Lewandowski nach dem BVB-Spiel mehr oder weniger unisono den Offensivfußball zur Bayern-DNA erklärt?
Da passt es ziemlich gut, dass ten Hag eben diesen verkörpert. "Ich will Ballbesitz, um dem Gegner wehzutun." Als angenehmer Nebeneffekt geht wiederum durch, dass er in seiner Bayern-Zeit ("Ich hatte zwei tolle Jahre dort") vor allem dem Einfluss von Pep Guardiola ausgesetzt war - einem Trainer, dem sie in München schon noch ab und zu hinterhertrauern, wenn's um das Spielerische geht.
Einfluss von Guardiola
Eine sehr "aufregende" Zeit sei das gewesen, verriet ten Hag nun. "Ich erinnere mich daran, wie Pep mit den Außenverteidigern das Einrücken geübt hat", sagte er: "Die Spieler wollten immer mehr, weil Pep so begeisternd war. Der hat fünf Minuten geredet, danach haben die mit einer wahnsinnigen Intensität trainiert."
Guardiola sei mit seiner Herangehensweise "ein Pionier" gewesen. "Durch seine Art, Fußball zu spielen, hat sich die ganze Liga verändert", so ten Hag:
In einer Reihe mit den Größten
Eine Aufgabe, der sich auch der Niederländer verschrieben hat. Bei Ajax eifert der 49-Jährige recht unverhohlen den Trainer-Legenden Rinus Michels, Johan Cruyff und Louis van Gaal nach. "Die drei sind die Köpfe der Philosophie, der auch ich folge: Offensivfußball, der begeistert", sagte ten Hag der "Süddeutschen": "Ich sehe mich in deren Tradition."
Konkret Anleihen nimmt das aktuelle Ajax an der 1995er Ausgabe, die unter van Gaal die Champions League gewann:
Ajax-Team bricht im Sommer auseinander
Wenngleich ten Hag nicht komplett linientreu ist - bei Ajax hat er für eine kleine Revolution gesorgt, in dem er das 4-3-3 zugunsten der Klasse des im Sommer zum FC Barcelona wechselnden Frenkie de Jong auf ein 4-2-3-1 umbaute. Er hat eben auch seinen eigenen (Trainer-)Kopf.
Neben de Jong werden allerdings höchstwahrscheinlich auch Matthijs de Ligt und Hakim Ziyech die Grachten-Stadt im Sommer verlassen. David Neres und Dusan Tadic sind ebenfalls begehrt. Deshalb gibt sich auch der Trainer keinen Illusionen hin. Auf die Frage, ob die aktuelle Ajax-Generation auseinanderbrechen werde, bevor sie zu einer goldenen Generation werden könnte, sagte ten Hag unmissverständlich: "Ja."
Ein Umstand, der ihn durchaus schmerzt. "Wenn wir diese Mannschaft zwei Jahre behalten könnten, vielleicht mit zwei neuen Spielern, wären wir ein Kandidat für das Halbfinale in der Champions League. Glaube ich", sagte er, "aber hören wir auf damit: Es ist sinnlos. All diese Gedanken helfen nichts. Ich kann die Welt nicht ändern."
Ten Hag hat Ansprüche
Zumindest nicht bei Ajax. Bei einem anderen Arbeitgeber sähe die Welt vielleicht anders aus. Ten Hag hat aber auch Ansprüche.
"Ich bin wirklich glücklich hier bei Ajax", sagte er, "weil ich hier etwas habe, das mir viel bedeutet: Der Verein hat eine Strategie, die ich absolut teile. Ich weiß nicht, was die nächsten Jahre für mich bringen werden, hoffentlich viel Erfolg mit Ajax. Was ich aber weiß: Ich werde nur dort arbeiten, wo ich eine Strategie erkennen und teilen kann."
Letztlich würden alle Trainer nur das eine wollen: "Eine Mannschaft, an die man sich in 20 Jahren noch erinnert". Mit Ajax ist er gerade drauf und dran, diesen Status zu erreichen.
Bei Bayern muss sich was ändern
Gegen Ende des Gesprächs mit der "Süddeutschen" wurde ten Hag dann noch konkret auf die aktuellen Leistungen des FC Bayern unter Niko Kovac angesprochen. Brav lobte er Kovac für dessen Wirken, sagte aber auch recht klar:
Vielleicht gehört zur Veränderung aber auch ein weiterer Trainerwechsel.
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