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Zwischen Double und Entlassung: Kniffliger Schlussspurt für Kovac

Zwischen Double und Entlassung: Kniffliger Schlussspurt für Kovac

08/04/2019 um 11:06

Niko Kovac feiert mit dem 5:0 über Borussia Dortmund seinen größten Sieg als Trainer des FC Bayern München - und muss dennoch weiter um seine Zukunft beim deutschen Rekordmeister bangen. Das jedenfalls legen die jüngsten Aussagen von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nahe, bei dem die Krise aus dem Herbst 2018 und das frühe Champions-League-Aus offenbar deutliche Spuren hinterlassen haben.

Karl-Heinz Rummenigge hatte viel zu erzählen. Teilweise musste Jörg Wontorra am Sonntagvormittag dem Vorstandsboss des FC Bayern München bei "Sky" nur noch Stichpunkte geben - und Rummenigge bediente ausführlich jedes Thema.

    BVB-Boss Hans-Joachim Watzke kam teilweise gar nicht mehr zu Wort, so groß war der Redebedarf des Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG.

    Rummenigge in Plauderlaune

    Nach dem 5:0 über Borussia Dortmund am Samstagabend hatte der 63-Jährige auch allen Grund dazu, in Plauderlaune zu sein. Der FC Bayern grüßt schließlich wieder von der Tabellenspitze, hat die Trümpfe in Sachen Meisterschaft wieder in eigener Hand. Mit dem DFB-Pokal winkt sogar weiter das Double.

    Zufrieden sind sie bei den Bayern deswegen aber (noch) nicht. Der BVB wurde zwar eindrucksvoll in die Schranken gewiesen - an den letzten sechs Spieltagen der Saison warten jedoch noch mehrere Stolpersteine auf den Rekordmeister. Und gegen vermeintlich leichtere Gegner ließen die Bayern diese Saison schon öfter Punkte liegen.

    "Die Mannschaft hat mit Mut und Herz gespielt, hat gut gepresst. Das war aber alternativlos", sagte der Bayern-Boss über das Dortmund-Spiel:

    "Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre das eine Vorentscheidung im Titelkampf gewesen. Jetzt haben wir es in der eigenen Hand. Wir haben aber noch schwere Spiele vor uns. Wir dürfen nicht mehr stolpern."

    Champions-League-Aus hat Narben hinterlassen

    Trainer Niko Kovac wies Rummenigge dabei nicht nur indirekt an, im Endspurt der Saison auf dieselbe Offensivtaktik wie gegen Dortmund zu setzen.

    "Wenn die Mannschaft offensiv spielt, dann ist die individuelle Qualität so groß, dass es schwer ist, gegen diese Mannschaft zu gewinnen oder überhaupt einen Punkt zu holen", sagte der Vorstandsboss, bei dem das Champions-League-Aus gegen den FC Liverpool offensichtlich tiefere Narben als gedacht verursacht hatte:

    "Ich war nach dem Liverpool-Spiel frustriert. Wir hatten uns mit unglaublichem Aufwand das gute Ergebnis in Liverpool erarbeitet (0:0, Anm. d. Red.). Dann spielen wir vor 70.000 zuhause nicht mit ausreichend Mut und Herz. Wir hätten genau wie gestern mit offenem Visier spielen müssen. Das ist der Stil von Bayern München: immer offensiv ausgerichtet. Das muss der Stil für die letzten Wochen sein."

    Nach dem 1:3 im Rückspiel hatten auch Robert Lewandowski und Mats Hummels die zu passive, zu defensive Herangehensweise der Bayern kritisiert. Gegen Dortmund habe Rummenigge dagegen "sofort gemerkt: Das ist das Bayern München, dass du dir wünschst".

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    Keine Job-Garantie für Kovac

    Trotz der abermaligen Korrektur zum Besseren darf sich Kovac aber keineswegs sicher fühlen. Vor allem nicht, wenn Bayern im Endspurt die Pole Position nochmal verspielen sollte. Auf die Frage, ob Kovac auch als Vize-Meister Bayern-Trainer bleibe, antwortete Rummenigge am Sonntag ausweichend: "Wir werden Meister."

    Unabhängig davon kündigte der Bayern-Boss an, im Sommer eine genaue Analyse vorzunehmen - was erklären dürfte, wieso Kovac öffentlich weiter so hartnäckig um Anerkennung seiner Leistungen kämpft. Nach dem BVB-Spiel hatte sich der Bayern-Trainer jedenfalls erneut über angeblich tendenziöse Berichterstattung beschwert, bei der er zu negativ wegkomme.

    "Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht. Wir Trainer sind diejenigen, die immer alles abkriegen. Dem stellen wir uns. Ob das so sein muss, stelle ich mal in Frage. Aber anscheinend ist das in der heutigen Zeit so", sagte der 47-Jährige da ziemlich erbost.

    Rummenigge konterte kühl am Sonntag:

    "Es gibt keine Job-Garantie bei Bayern München. Für niemanden. Jeder muss bei Bayern München liefern. Das ist das Prinzip Bayern München. Wer damit nicht umgehen kann, ist im falschen Klub."

    Krise im Herbst - Rummenigge hakt nach

    Rummenigge kam auch nochmal auf den vergangenen Herbst zu sprechen, als die Bayern nach einem perfekten Ligastart mit sieben Siegen bis auf Rang fünf durchgesackt waren. Obwohl der Trainer damals öffentlich am Pranger stand, habe man Kovac bewusst den Rücken gestärkt, erklärte der 63-Jährige:

    "Von Bayern München hat ihn keiner in Frage gestellt."

    Man habe Kovac viel mehr "sehr gerecht behandelt". Im nahezu selben Atemzug sagte Rummenigge aber auch:

    "Wir hatten im Oktober und November eine ganz schöne Krise, da hat es auch ganz schön gescheppert intern." Was eben auch am Trainer lag.

    Rummenigge "erbitterter Gegner von Rotation"

    Für den Geschmack der Bayern-Bosse hatte Kovac damals nämlich ein zu krasses Rotationsprinzip eingeführt, Leistungskriterien außer Kraft gesetzt. Spieler beschwerten sich daraufhin bei den Bossen. Kovac habe sich damit aus Rummenigges Sicht "selbst ein Bein gestellt". Die Dinge seien so "in die falsche Richtung gelaufen".

    "Der Trainer hat teilweise in einem unglaublich großen Stil rotiert, was anscheinend für Unruhe in der Mannschaft gesorgt hat. Ich muss sagen, dass ich ein erbitterter Gegner von Rotation bin", plauderte Rummenigge am Sonntag aus und sprach von Hierarchien, die man wahren müsse.

    "Du kannst ein bisschen rotieren, dann gibt es keine Unruhe. Aber wenn du fünf, sechs Spieler rotierst, ist das ganze Gebilde nicht mehr tragfähig. Das hat ein Problem kreiert", kritisierte er die damals "leistungsunabhängige" Rotation des Trainers.

    Düsseldorf als Knackpunkt?

    Nach dem 3:3 gegen Düsseldorf und dem Absacken auf Rang fünf in der Tabelle fühlten sich Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß dazu berufen zu intervenieren. Man habe "Gespräche geführt, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, wieder in die Spur zu kommen".

    Dazu gehörte auch eine Ansprache der Bosse vor versammelter Mannschaft ohne Trainer sowie Einzelgespräche mit Führungsspielern. Diese wurden dadurch besänftigt; Kovac ließ im Gegenzug fortan weniger rotieren - und die Bayern gewannen wieder.

    Im Frühjahr 2019 wendeten Kovac und die Spieler das Blatt endgültig, müssen nun aber noch die Ernte einfahren.

    Am kommenden Sonntag geht es nun passenderweise wieder gegen Düsseldorf, das in den vergangenen 13 Partien übrigens einen Punkt mehr als der BVB holte (25 gegenüber 24).

    Geht es nach Kovac und Rummenigge, dürfen die Bayern nun nicht mehr vom Gas gehen. "Das ist der Anspruch, den wir an uns haben und den wir in den nächsten Spielen auch zeigen müssen", sagte der Bayern-Trainer nach dem Sieg über Dortmund.

    Wohlwissend, dass auch sein Schicksal davon abhängt.

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