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Trainer-Check (III): Würde Zinédine Zidane zum FC Bayern München passen?

Zidane und Bayern - würde das passen?

09/11/2018 um 12:17Aktualisiert 09/11/2018 um 18:17

Nix gegen Arsène Wenger und Antonio Conte. Aber mal ehrlich, Zinédine Zidane ist wohl der heißeste Kandidat auf dem Trainermarkt. Seit Cristiano Ronaldo und Zidane Real Madrid verlassen haben, geht's bei den "Königlichen" bergab. Dreimal in Folge gewann Zidane als Trainer den Champions-League-Pokal, den sich der FC Bayern so sehnlichst wünscht. Aber würde Zidane überhaupt zum Rekordmeister passen?

"Think big"! Zinédine Zidane wäre natürlich die Premiumlösung für den FC Bayern, wenn die Münchner einen neuen Trainer benötigen würden.

Nach seinem überraschenden Rücktritt bei Real Madrid hat sich der Franzose seit diesem Sommer aber erstmal eine Pause verordnet. Selbst ein 200-Millionen-Euro-Angebot aus Katar lehnte er ab.

Zidane zum FC Bayern? "Warum nicht?"

Aber wäre der Mann aus Marseille - einer der größten Fußballer aller Zeiten - überhaupt einer für Bayern?

Fußball-Experte Cyril Morin (Eurosport.fr) meint:

"Warum nicht? Nach dem, was er mit Real Madrid gemacht hat, steht fest, dass er in Zukunft mit allen großen Klubs in Verbindung gebracht wird. Bayern hat eine Tradition mit einigen großartigen französischen Spielern, sodass man die Münchner nicht ausschließen sollte. Aber wahrscheinlich scheint es nicht zu sein."

Nach Meinung von Morin ist Zidane ein Typ, der seinem Klub gerne zurückgeben möchte, was er ihm gegeben hat.

Zinédine Zidane

Zinédine ZidaneSID

Morin weiter:

"Weil er keine Vergangenheit bei Bayern hat, würde ich sagen, dass es in der Zukunft logischer wäre, ihn als französischen Cheftrainer oder bei Juventus Turin zu sehen."

Zidane startete 2013 als Co-Trainer bei Real Madrid. Drei Jahre später wurde er Chefcoach. Von 2016 bis 2018 gewann er dreimal die Champions League, zweimal die FIFA-Klub-WM und einmal die spanische Meisterschaft.

Seitdem zählt der Fußball-Weltmeister von 1998 zur Crème de la Crème auf dem internationalen Trainermarkt. Wenn Zidane will, kann er bei jedem Topverein der Welt arbeiten.

Kein Problem mit Hoeneß und Rummenigge

Zuletzt war Zidane bei Manchester United im Gespräch, als José Mourinho immer tiefer in die Krise rutschte. Aber der Portugiese und sein Team haben sich wieder gefangen, sein Trainerstuhl wackelt nicht mehr so bedenklich.

Morin sagt:

"Eine der aufregendsten Herausforderung für Zidane wäre es, eines Tages Trainer eine Mannschaft in der Premier League zu werden."

Davon träumt der Franzose. Auch deshalb scheint ein Engagement in der Bundesliga in weiter Ferne. Aber nichts ist unmöglich, das hat Pep Guardiola mit seinem Wechsel 2013 nach München gezeigt.

Ein weiterer Punkt, der mit Blick auf den FC Bayern erschwerend hinzu kommt, wäre die Sprachbarriere. Bei Real Madrid hat Zidane mit perfektem Spanisch geglänzt. Morin meint:

"Neben Spanisch hat er die Sprache des Fußballs in Madrid gesprochen, was das Wichtigste war. Dort war er eine Legende, die von den Spielern geschätzt und gehört wurde. Cristiano Ronaldo, Marcelo, Karim Benzema, Sergio Ramos oder Luka Modric liebten ihn, weil er mit dem Team sehr gut umgehen konnte."

Aber was ist mit den Bayern-Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge? Würde Zidane mit diesen beiden Alphatieren leben können?

Zinédine Zidane

Zinédine ZidaneEurosport

Wahrscheinlich schon, denn Zidane ist nicht nur smart und intelligent. Sein einstiges Feuer auf dem Rasen hat er mittlerweile gegen diplomatisches Geschick eingetauscht.

Der 46-Jährige steht über den Dingen, das sieht Morin ebenso:

"Auch wenn er nicht viel mit der Presse spricht, ist Zidane sehr politisch. So hat er es geschafft, seine eigene Geschichte bei Real zu schreiben, um schließlich ganz nach oben zu kommen. Aber er streitet nicht gern. Wenn ihn Bayern unbedingt haben will, wird er wahrscheinlich darüber nachdenken. Natürlich auch darüber, was seine Freiheiten sind und was nicht."

Falls Zidane einmal Thema beim Rekordmeister werden sollte, können sich die Bayern-Fans auf einen interessanten Fußball freuen.

Zidane: Wiedersehen mit James Rodríguez?

Der Franzose stellt sein Team neben den Stärken seiner Spieler vor allem nach den Schwachstellen des Gegners auf. Morin sagt:

"Unter Zidane war Real eine Anpassungsmaschine. 4-3-3 oder 4-4-2 mit einem Diamanten in der Mitte. Er schaffte es immer wieder, sein Team optimal auf den Gegner einzustellen. Er ist nicht dogmatisch. Er sagte oft, Carlo Ancelotti habe ihn sehr inspiriert. Wichtig ist, dass er seine stärksten Spieler in die bestmögliche Position bringt. Da er selbst Mittelfeldspieler in großen Teams war, ist ihm Ballbesitz sehr wichtig. Aber er kann sein taktisches System ändern, wenn es nötig ist."

Falls Zidane zum FC Bayern kommen sollte, gäbe es jedoch ein weiteres Problem, solange James Rodríguez an der Säbener Straße trainiert. Der Kolumbianer musste Real Madrid wegen Zidane verlassen. Ein Wiedersehen dürfte dem Südamerikaner wohl kaum gefallen.

Fazit: Zidane wäre natürlich die Königslösung für Bayern. Aber seine Ziele sehen anders aus, obwohl ein Engagement in München niemals auszuschließen ist.

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