Drei Dinge, die beim Revierderby zwischen BVB und Schalke auffielen
Borussia Dortmund meldet sich furios aus der Corona-Pause zurück und fertigt den FC Schalke im 180. Revierderby mit 4:0 (2:0) ab. Mann des Spiels war Julian Brandt, der als Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld allgegenwärtig war. Raphael Guerreiro setzte seine grandiose Rückrunde mit einem Doppelpack fort. Der FC Schalke ließ ohne den Support seiner Fans fast alles vermissen. Was uns auffiel.
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1. Brandt brennt
"Fußball ist Fußball. Man versucht in so einer Situation einfach, seinen Spaß zu finden", entgegnete Julian Brandt nach dem 4:0-Sieg in seinem ersten Heimderby als Borusse "Sky"-Reporter Markus Lindemann, der Brandt ob seiner grandiosen Leistung als "Quarantäne-Man" bezeichnet hatte.
In der Tat war Brandt auch ohne eigenen Treffer so etwas wie der Mann des Spiels. Das 1:0 durch Erling Haaland (29.) leitete er mit der Hacke ein, als er im Mittelfeld auf Assistgeber Thorgan Hazard weiterleitete. Das 2:0 legte er höchstpersönlich mit einem perfekt getimten und dosierten Steilpass in den Lauf von Raphael Guerreiro vor (45.). Kurz nach der Pause war es Hazard, der von der Vorlage des deutschen Nationalspielers profitierte und das vorentscheidende 3:0 erzielte (48.).
Brandt war allgegenwärtig, nicht nur mit dem Ball am Fuß. Nachdem der FC Schalke zur zweiten Halbzeit mit Guido Burgstaller einen weiteren Stürmer einwechselte, zog Favre den Ex-Leverkusener ins Zentrum zurück.
Auch dort funktionierte der 24-Jährige ausgezeichnet, dirigierte sein Team im Stile eines erfahrenen Haudegens. Zudem führte kein Spieler auf dem Feld mehr Zweikämpfe über die gesamten 90 Minuten (19, 10 gewonnene).
Auch wenn er die spontane Laola der gesamten Mannschaft vor der leeren Südtribüne nach Abpfiff verpasste, ("Ich saß auf der Bank. Ich hab die Kraft nicht mehr zusammen bekommen, noch zur Süd zu gehen"), Brandt brennt.
2. Guerreiros Fabel-Rückrunde geht weiter
Das Revierderby am 26. Spieltag war so etwas wie ein kleines Jubiläum für Raphael Guerreiro. Mit 112 Einsätzen für Borussia Dortmund hat er nun mehr Profi-Spiele für den Tabellenzweiten der Bundesliga absolviert, als für seine vorherigen Vereine FC Lorient (111) und SM Caen (41).
Natürlich dürfte es den Portugiesen besonders freuen, ausgerechnet in diesem Spiel seinen ersten Doppelpack in der Bundesliga feiern zu dürfen. Bisher hatte Guerreiro für Schwarz-Gelb lediglich in der Champions League beim 4:0 gegen Atlético Madrid, sowie beim 2:0-Auswärtssieg in Monaco (jeweils in der Gruppenphase der Saison 2018/19) doppelt getroffen.
Seine Top-Leistung gegen Schalke ist nicht verwunderlich, spielt Guerreiro doch seine bislang beste Halbserie seiner Dortmunder Zeit. Seit Ende der Hinrunde ist er im linken Mittelfeld gesetzt, in der Rückrunde verpasste er keine Minute und sammelte fleißig Scorerpunkte (drei Tore, zwei Assists).
Mit seinen zwei Treffern heute steht er in dieser Saison bei sieben Toren und drei Vorlagen. Werte, die klar machen: Dem BVB ist mit der Vertragsverlängerung des Portugiesen bis 2023 ein echter Coup gelungen.
3. Schalke fehlt es an allem
Das Revierderby, so sagt man, hat seine eigenen Gesetze. Es ist ein Spiel, in dem Tabellenplatz und aktuelle Form nichts bedeuten. Ein Spiel auf Augenhöhe, in dem alles passieren kann. Wer erinnert sich nicht an die Schalker Aufholjagd aus der Saison 2017/18, als Königsblau einen 0:4-Halbzeitrückstand noch in ein 4:4-Unentschieden verwandelte, oder den 4:2-Auswärtssieg am 31. Spieltag der vergangenen Saison, als man dem ungeliebten Reviernachbarn endgültig die Meisterträume verhagelte?
Das 180. Revierderby zum Bundesliga-Restart war keines dieser (sportlich) denkwürdigen Spiele aus Schalker Sicht. Denkwürdig machten es lediglich die besonderen Umstände, mit denen, das stand spätestens um 17:15 Uhr fest, der BVB um Welten besser zurecht kam.
"Wir hatten einen kleinen Vorteil. Wir haben schon einmal erlebt, wie es ist. Klar, es sind jetzt noch mal andere Regeln, aber wir haben die Erfahrung schon mal gemacht", mutmaßte Brandt nach der Partie am "Sky"-Interview.
Trainer David Wagner ging etwas mehr ins Detail. In Sachen Abstimmung und Laufwege habe „einiges gefehlt”. Auch mit "Konterabsicherung und Positionsspiel" war der Coach alles andere als zufrieden. Wagner reagierte in der Halbzeit, stellte im Mittelfeld auf Raute um - doch Besserung war kaum zu sehen.
"Wir haben uns viel vorgenommen, aber gerade in der ersten Halbzeit keinen Zugriff bekommen. Die Freiräume der Dortmunder Sechser waren zu groß, deshalb konnten sie sich immer aufdrehen und das Spiel verlagern", analysierte Kapitän Daniel Caligiuri.
In der kommenden Woche darf S04 im eigenen Stadion ohne Zuschauer gegen den FC Augsburg antreten.
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