Borussia Dortmund droht turbulente Woche - Trainer Lucien Favre unter Druck

Frostige Stimmung bei Borussia Dortmund: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke setzt Lucien Favre bei der Jahreshauptversammlung ein Ultimatum, die Mannschaft kassiert Pfiffe und Sportdirektor Michael Zorc scheint die Geduld zu verlieren. Jetzt kommen Barça und Hertha - und danach ein neuer Trainer? Alle wissen: Diese Maßnahme allein wird die Probleme nicht lösen.

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Im Fußball geht es bekanntlich schnell. Diese Weisheit ist so alt wie die Bundesliga. Und doch überrascht sie den Betrachter auf obskure Art jedes Mal aufs Neue. Am Sonntag, bei der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund, war dieses Phänomen wieder da. Dieser Moment, in dem der Drang sich zu kneifen stärker wird, weil es so unglaublich ist, was zu beobachten war.
In der Westfalenhalle, dort, wo im Jahr zuvor die Euphorie kaum zu bremsen war, herrschte jetzt eine regelrecht frostige Atmosphäre. Das Mienenspiel von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: mies. Im Herbst 2019 hängt der Haussegen schief. Der Verein läuft nach dem ersten Drittel der Saison seinen Meister-Ansprüchen hinterher.
Es sind zwar nur fünf Punkte Rückstand auf Platz eins, doch der momentane Rang sechs und die peinliche Vorstellung gegen das Tabellenschlusslicht SC Paderborn (3:3) sind die bittere Realität. 2018 hatte der BVB als Spitzenreiter zum gleichen Zeitpunkt schon neun Punkte Vorsprung vor dem FC Bayern München. Vieles wird deshalb hinterfragt - vor allem die Arbeit von Lucien Favre.

Favre steht massiv unter Druck

Der Trainer versank in seinem Plastikstuhl wie ein Schulbub beim Tadel, der Rede von Hans-Joachim Watzke lauschte der Trainer von Borussia Dortmund mit einem gequälten Lächeln.
"Lieber Lucien, du hast weiter unser Vertrauen", sagte Watzke nach 40 turbulenten Stunden mit Krisensitzung und schloss sofort das große Aber an:
Die Ansage des Klubchefs war zwar eher motivierend als streng, aber eindeutig - Favre steht vor einer Schicksalswoche. Es war ein Ultimatum. Sein Job ist in höchster Gefahr. Geht er am Mittwoch mit seinem Team in der Champions League beim FC Barcelona (ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) unter und verliert am Samstag bei seinem ehemaligen Verein Hertha BSC, ist seine Zeit in Dortmund nach eineinhalb Jahren abgelaufen.
Noch ist Favre ein Alibi, doch natürlich stehen besonders die Spieler, die am Sonntag bei ihrem Auftritt mit Pfiffen und "Schämt euch!"-Rufen bedacht wurden, in der Pflicht. Watzkes Appell an sie:
Die 767 anwesenden Mitglieder applaudierten.
Watzkes Mimik sprach Bände, seine Wortwahl war grundsätzlich aber noch gemäßigt. "Eine Abrechnung ist nicht unser Stil", hatte er zur Einleitung schon erwähnt.
Stattdessen beschwor der Geschäftsführer mit sanfter Strenge die Einheit des Vereins, er warb um Solidarität und ließ es dennoch nie an Klarheit fehlen. Gut an kam auch seine Selbstkritik vor der obligatorischen Erbsensuppe:
Die Mannschaft beteuert, dass die Botschaften angekommen sind. "Wir schieben die Verantwortung nicht weiter. Wir auf dem Platz müssen in der Lage sein, so ein Spiel zu gewinnen", sagte Reus. Die grausame erste Halbzeit, in der sich der BVB wie eine Schülermannschaft hatte auskontern lassen, sei "absolute Scheiße" gewesen: "So dürfen wir nie, nie wieder auftreten."

Siegen ist Pflicht: Erst Barcelona, dann Hertha

Ein Vorteil für den BVB in dieser englischen Woche ist, dass er sofort zeigen kann, dass den Worten Taten folgen. Das wäre auch ganz im Sinne von Sportdirektor Michael Zorc, dem laut eigener Aussage "Worte jetzt auch nicht mehr reichen".
Und möglicherweise "straffen" sich die Spieler tatsächlich, schlagen erst Barça und dann Hertha, Favre kriegt die Kurve und Watzke lacht wieder. Es wäre ein weiterer Beweis dafür, dass es im Fußball oft schnell geht.
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