BVB | Besser als Paco Alcácer: Erling Haaland hilft Dortmund nicht nur mit Toren
Erling Braut Haaland ist aktuell in aller Munde. Bei seinem Debüt gegen den FC Augsburg beeindruckte er aber nicht nur wegen seiner drei Tore, die er nach seiner Einwechslung erzielte. Haaland ist viel mehr als ein Knipser mit beeindruckender Quote. Er ist der Mentalitätsspieler, der dem BVB in den vergangenen Jahren fehlte. Ändert Trainer Lucien Favre jetzt sogar sein System für den Norweger?
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Es war eine Szene, die perfekt beschrieb, was für einen Typen sich der BVB mit Erling Braut Haaland da geangelt hat. Thorgan Hazard lief flankiert vom Norweger, der kurz zuvor schon den 2:3-Anschlusstreffer für den BVB erzielt hatte, auf FCA-Keeper Tomas Koubek zu.
Der Belgier umkurvte den Schlussmann und legte auf der Linie quer zu Haaland, der den Ball über selbige drückte. Als der Linienrichter zunächst fälschlicherweise wegen einer Abseitsposition Hazards die Fahne hob, klopfte Haaland seinem Mitspieler auf den Rücken, deutete in kahnscher Manier an:
Der Begriff Mentalitätsmonster, der zu Zeiten von Jürgen Klopp in Dortmund geprägt wurde, passt wie die Faust aufs Auge zum 19-Jährigen. Unheimlich selbstbewusst kommt der Stürmer daher – und zieht so seine Kollegen mit.
"Als er auf dem Feld war, war sofort Energie da", traf Lucien Favre nach dem Spiel den Nagel auf den Kopf.
Seine Einstellung, sein Wille: vorbildlich. Nichts zu sehen von Resignation.
Haaland-Gala auch Armutszeugnis für die restliche Mannschaft
Allerdings müssen die Lobeshymnen auf Heilsbringer Haaland den Rest der Mannschaft nachdenklich stimmen. Eigentlich stellen sie für Führungsspieler wie Marco Reus, Axel Witsel oder Mats Hummels sogar ein Armutszeugnis dar. Um es in den Worten des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten zu sagen: Es kann nicht sein, dass ein 19-Jähriger über das Wohl und Wehe des BVB entscheidet.
Beim BVB wird man seit nunmehr zweieinhalb Jahren das Thema Mentalität nicht los. Die Offensiven arbeiten nicht genug mit nach hinten, so der allgemeine Tenor. Haaland, so sein Landsmann Jan Aage Fjörtoft, der Haaland schon als kleinen Jungen kannte, sei genau das Gegenbeispiel. Einer, der für seine Mitspieler ackert und sich zerreißt. Einen, wie ihn der BVB gebraucht hat.
Startelf-Debüt schon gegen Köln
Wenn der BVB am Freitagabend den 1. FC Köln zu Gast hat (ab 20:30 Uhr im Liveticker), könnte Haaland sein Heim-Debüt von Beginn an geben. Er selbst beschreibt sich als fit, Favre betonte zuletzt gebetsmühlenartig, dass das nicht der Fall sei. Schließlich habe Haaland "den ganzen Dezember" nicht richtig trainieren können.
Vom Umgang mit Paco Alcácer weiß man, wie Favre mit Spielern umgeht, die er nicht für 100-prozentig fit hält. Er bringt sie gar nicht oder maximal von der Bank. Allerdings könnte Favre im Fall Haaland umdenken. Dann nämlich, wenn er sein System ändert.
Plant Favre die Rückkehr zur Viererkette?
Favre könnte mit Systemwechsel zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen müsste Lukasz Piszczek in Abwesenheit des zuletzt formstarken Dan-Axel Zagadou nicht in der Innenverteidigung spielen. Zum anderen könnte Haaland vorne als einzige Spitze vor Reus, Jadon Sancho und Hazard spielen.
Lucien Favre ist bekennender Fan der Viererkette, setzte in seiner ersten Saison beim BVB und auch zu Beginn der aktuellen Spielzeit fast ausschließlich auf ein 4-2-3-1. Die Umstellung auf Dreier- bzw. Fünferkette sollte dem BVB defensive Stabilität bringen, was auch kurzfristig funktionierte. Zuletzt war das aber nicht mehr der Fall, wie das Spiel in Augsburg deutlich zeigte.
"Wir können nicht immer fünf Tore schießen, um ein Spiel zu gewinnen", ärgerte sich der Schweizer Übungsleiter im "kicker", um anschließend festzustellen:
Analog zur Einwechslung Haalands in Augsburg stellte der Coach in Augsburg übrigens auf Viererkette um. Der Rest ist Geschichte.
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