BVB | Dortmunds Abwehrprobleme: Warum nicht Zagadou oder Balerdi
Im Sommer ließ Borussia Dortmund mit Abdou Diallo und Ömer Toprak zwei Innenverteidiger ziehen. Auch deshalb, weil man in Dan-Axel Zagadou und Leonardo Balerdi größeres Entwicklungspotenzial sah. Doch beide Profis spielen unter Lucien Favre keine Rolle - und das trotz großer Probleme im Defensivverbund. Riskant, nicht nur weil Abgänge der Talente drohen. Es geht auch um die Außendarstellung.
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Spätestens als Julian Weigl vor dem 0:3 gegen den SC Paderborn ins Laufduell mit Gerrit Holtmann musste, war klar, dass Trainer Lucien Favre sich für den falschen Innenverteidiger neben Mats Hummels entschieden hatte. Der Paderborner nahm dem gelernten Dortmunder Mittelfeldspieler auf 50 Metern deren zehn ab und stand nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte so plötzlich frei vor Roman Bürki, dem er die Kugel lässig durch die Beine schob.
Denkt man an die pfeilschnellen Spieler des FC Barcelona, die am Mittwoch (ab 21 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) auf ein etwaiges Innenverteidiger-Duo Hummels/Weigl (beide nicht die Schnellsten) zurollen werden, kann einem im Lager der Borussen angst und bange werden.
Manuel Akanji: Der eigentliche Hummels-Partner
Zugegeben: Für Favre gestaltet sich die Wahl des richtigen Innenverteidigers aktuell nicht ganz einfach. Hummels ist als Abwehrchef gesetzt und über jeden Zweifel erhaben. Neben ihm war eigentlich Manuel Akanji als Nummer zwei der Hackordnung vorgesehen. Der Schweizer befindet sich allerdings seit Monaten im Formtief, patzte zuletzt immer wieder, sodass Favre umdenken musste.
Dass er dabei Weigl, der in dieser Spielzeit bereits herausragende Leistungen auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld zeigte, neben Hummels stellte, verwundert etwas. Klar: Weigl konnte sich bereits in der vergangenen Saison hin und wieder beweisen, machte seine Sache ordentlich. Doch hat der BVB zwei junge, hochtalentierte Alternativen im Kader, die nach Spielzeit lechzen.
Das Rätsel um Zagadou
Eine davon heißt Dan-Axel Zagadou und hat bereits eine mehr als ordentliche Duftmarke in Dortmund hinterlassen. In der Hinrunde der vergangenen Spielzeit erspielte er sich in Abwesenheit seines französischen Landsmanns Abdou Diallo einen Stammplatz und überzeugte in den darauffolgenden sieben Spielen, ehe ihn eine Fußverletzung jäh stoppte.
In der aktuellen Saison durfte der 1,96-Meter-Hüne erst ein Spiel über die komplette Spielzeit machen - beim Pokal-Sieg über Borussia Mönchengladbach (2:1). Zagadou hatte die meisten Ballaktionen aller Spieler auf dem Feld, führte die meisten Zweikämpfe (11) und gewann davon starke 82 Prozent. Übersetzt heißt das: Der Franzose war einer der besten Dortmunder - und rotierte von da an trotzdem zurück auf die Auswechselbank.
Für viele Fans und Beobachter des Vereins ein Rätsel, schließlich entschied sich die Führungsetage in Absprache mit dem Trainerstab doch im Sommer dafür, Zagadou aufgrund dessen großen Entwicklungspotenzials zu halten und stattdessen Diallo an Paris Saint-Germain abzugeben.
"Cool zu bleiben", hatte der 20-Jährige mal gesagt, sei "das Beste". Doch diese Coolness aktuell auszustrahlen, dürfte ihm aufgrund der sportlichen Situation nicht so leichtfallen. Schließlich wird er in konstanter Weise ignoriert. Es droht ein Abschied - vielleicht schon im Winter.
Balerdi bekommt keinen Fuß auf den Boden
Ähnliches gilt für ein weiteres hochgehandeltes Innenverteidigertalent beim BVB: Leonardo Balerdi. Rund 17 Millionen Euro ließen sich die Westfalen den Transfer des Argentiniers kosten. Eine Stange Geld für einen damals 19-Jährigen, der gerade einmal fünf Spiele in der ersten argentinischen Liga vorzuweisen hatte.
Im Sommer, ein halbes Jahr nach seiner Ankunft, attestierte ihm Sportdirektor Michael Zorc dann, "einen großen Sprung gemacht" zu haben. Für Einsätze in der ersten Mannschaft reichte es bislang dennoch nicht. Dreimal schaffte er es in der laufenden Spielzeit in den Kader, keine Minute aufs Feld.
Umgang mit Talenten schadet der Außendarstellung
Ein Problem, vor allem im Hinblick auf die Außendarstellung des Klubs. Denn bislang war vor allem der Umgang mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern das große Faustpfand der Dortmunder in Transferverhandlungen.
Der BVB galt als Sprungbrett für junge Talente. In Dortmund bekamen selbst Teenager Spielpraxis auf allerhöchstem Niveau und schafften so regelmäßig früh den Sprung in die internationale Klasse und anschließend zu größeren Vereinen. Beispiele sind Mario Götze (Bundesligadebüt mit 17), Nuri Sahin (Bundesligadebüt mit 16), Ousmane Dembélé (Bundesligadebüt mit 19) oder jüngst Jadon Sancho (Bundesligadebüt mit 17).
In Teilen gilt das immer noch (siehe Sancho), jedoch schrecken die Beispiele Zagadou und Balerdi zumindest ab. Auch Jacob Bruun Larsen (21) bekommt aktuell kaum noch Chancen, sich zu beweisen. Setzt Favre diesen Weg fort, könnte es in Zukunft problematisch werden, Toptalente nach Dortmund zu lotsen...
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