BVB gegen den FC Bayern: Drei Schlüssel zum Sieg im Topduell
Im deutschen Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München könnte sich am Dienstag-Abend die deutsche Meisterschaft entscheiden. Gewinnt der deutsche Rekordmeister im Signal Iduna Park, wächst der Vorsprung auf nahezu uneinholbare sieben Punkte an. Schlüssel zum Sieg gibt es für beide Seiten, drei von Ihnen lest ihr hier.
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1. Sancho muss liefern
Gut ein halbes Jahr ist es her, dass der BVB, wie in den vergangenen Jahren so üblich, in der Allianz Arena ordentlich auf die Mütze bekam. Es war das Debüt von Trainer Hansi Flick, der von Vorgänger Niko Kovac nach einer 1:5-Schlappe bei Eintracht Frankfurt übernahm und die Bayern seitdem auf beeindruckende Weise wieder auf Kurs brachte.
Aus Dortmunder Sicht war es eines der seltenen Spiele in jüngerer Vergangenheit, bei dem ausgerechnet Topscorer Jadon Sancho einen gebrauchten Tag erwischte. Der Engländer machte einen arroganten, fast demotivierten Eindruck, und fand zu keinem Zeitpunkt zu seinem Spiel.
Bayerns Youngster Alphonso Davies, der ihm als direkter Gegenspieler gegenüberstand, hatte keinerlei Probleme, den überspielt wirkenden Sancho zu verteidigen, der außerdem auch in der Rückwärtsbewegung wieder in alte Muster verfiel. Vor dem 0:1 in der 17. Minute verlor er gleich zweimal den Ball (17.), schaltete anschließend nicht einmal den Rückwärtsgang ein, um seinen Fehler zu korrigieren.
Nach gerade einmal 36 Minuten hatte Trainer Lucien Favre genug gesehen und nahm seinen Topstar vom Feld.
"Er hat gestern nur einmal trainiert. Man hat gesehen, dass es schwer für ihn war", erklärte der Trainer anschließend gegenüber "Sky" und stellte auf Nachfrage auch klar, dass die Auswechslung nicht wie von einigen Medien gemutmaßt, mit einer Oberschenkelverletzung in Verbindung stand: "Er war nicht verletzt."
Das Positive zuerst: Das Spiel in München war der einzige sportliche Komplett-Aussetzer, den sich Sancho in dieser Saison leistete. Mit 14 Treffern und 17 Vorlagen ist er Stand jetzt ein legitimer Anwärter auf den Titel "Spieler der Saison" und sticht in Dortmunds Offensive trotz Erling Haaland, Julian Brandt und Co. noch einmal heraus.
Doch wie schon Spider Man’s Onkel Ben einst sagte: "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung." Um den FC Bayern zu schlagen und das Titelrennen in einen Krimi zu verwandeln, braucht der BVB einen anderen Sancho als im Hinspiel. Er braucht den Engländer in der Form der restlichen Saison. Denn in dieser ist er ein großes Problem für nahezu jeden Gegenspieler. Auch für Bayerns Davies.
2. Hakimi/Guerreiro vs. Davies/Pavard
Achraf Hakimi und Raphaël Guerreiro auf Dortmunder Seite, Alphonso Davies und Benjamin Pavard aufseiten der Bayern. Vier Spieler, die nicht erst seit dem Bundesliga-Restart zu den absoluten Leistungsträgern ihrer Mannschaften gehören. Die vier Außenbahnspieler meldeten sich allesamt in erstaunlich guter Frühform zurück.
Sowohl Hakimi und Guerreiro für die Borussia als auch Davies und Pavard für den Rekordmeister trafen in den ersten beiden Spielen nach dem Neustart schon für ihre Vereine. Doch im Topduell der Bundesliga kommt es in besonderen Maße darauf an, dass bei allem Offensivdrang die Defensivarbeiten nicht vernachlässigt werden.
Im Fokus stehen hier Hakimi und Davies. Die beiden pfeilschnellen Flügelspieler zieht es von Natur aus eher nach vorne. Davies kam einst sogar als Außenstürmer zum FCB, wurde erst an der Isar zum Linksverteidiger umgeschult.
Bei Hakimi verhält es sich genau andersherum. Real Madrid lieh vor knapp zwei Jahren einen gelernten Außenverteidiger an den BVB aus. Favre erkannte jedoch schnell, dass der Marokkaner seine Stärken vor allem in der Offensive hat, bringt ihn seitdem als rechten Mittelfeldspieler im 3-4-3. Noch immer hat Hakimi Schwächen in der Rückwärtsbewegung, die, wie bereits erwähnt, gegen den FC Bayern aber unabdingbar ist.
Auf der anderen Seite treffen mit Guerreiro und Pavard zwei gelernte Defensivspezialisten aufeinander. Das ganz große Tempo haben beide nicht. Bayerns Franzose, der mitunter auch als Innenverteidiger zum Einsatz kam, tritt offensiv meist bei Standardsituationen in Erscheinung. Seine Paradedisziplin bleibt aber die Abwehr gegnerischer Angriffe. Er ist zweikampfstark, vor allem im Luftzweikampf.
Guerreiro hat in der Rückrunde seinen Torriecher gefunden, traf seit der Winterpause schon sechs Mal, zeichnet sich vor allem aber durch seine hohe Spielintelligenz aus: “Rapha (Guerreiro, Anm. d. Red.) spürt einfach den Fußball. Er weiß, wann er gehen muss”, schwärmt sein Trainer Lucien Favre.
Genau darauf wird es auf den Außenpositionen ankommen. Es geht um die richtige Balance.
3. Duell der Superstürmer: Haaland vs. Lewandowski
Im Hinspiel hatte der FC Bayern beim Vergleich der Sturmspitzen noch klar die Nase vorn. Favre startete mit Mario Götze in vorderster Front, Flick konnte sich auf die Dienste von Robert Lewandowski, einem der besten Mittelstürmer der Welt, verlassen.
Wenn am Dienstag Deutschlands beste Fußballklubs aufeinandertreffen, werden beide Teams mit Topstürmern auflaufen, denn der BVB verstärkte sich in der Winterpause unter anderem mit Erling Haaland.
Lewandowski (acht Tore) und Haaland (zehn Tore) sind die treffsichersten Spieler der Rückrunde, auf einem Niveau sind sie laut Flick aber dennoch nicht. Haaland, der trotz seiner erst 19 Jahre bereits einen "enormen Zug zum Tor" habe, könne man noch nicht auf eine Stufe mit Lewandowski heben. "Es ist seine erste Saison, ihn daher mit Lewy zu vergleichen, ist zu früh. Robert hat die letzten Jahre immer auf Weltklasse-Niveau agiert. Aber Haaland ist ein enorm großes Talent."
Dass Haaland auch in großen Spielen abliefern kann, zeigte er für die Borussia bereits im Champions-League-Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain. Beim 2:1-Hinspielsieg erzielte er beide Tore. Bekommt der BVB ihn ins Spiel, wird es für Bayern gefährlich.
Dasselbe gilt für Lewandowski auf der anderen Seite. Der Pole ist in dieser Saison in absoluter Überform, steht bei 27 Treffern nach 27 Spieltagen und jagt den Torrekord von Gerd Müller aus dem Jahr 1971/72 (40 Tore).
Zudem hat der Pole bereits bewiesen, dass ihm besonders die Spiele gegen seinen Ex-Verein liegen. Seine Bilanz als Bayern-Stürmer gegen den BVB ist beängstigend: 19 Spiele, 18 Tore.
Der BVB dürfte gewarnt sein.
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