BVB: Im dritten Jahr zählt es jetzt auch für Trainer Lucien Favre

Trainer Lucien Favre geht bei Borussia Dortmund in seine dritte Saison. Noch hat der Schweizer keinen Titel geholt und auch deshalb noch keinen neuen Vertrag. Der Trainingsauftakt des BVB ließ erahnen, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Favre soll dieses vollends ausschöpfen, um auch in Sachen eigener Zukunftsplanung ein Signal zu setzen.

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Schwarz-gelbes Funktionsshirt, graue Kappe.
So stand er da: Lucien Favre. Seine Mannschaft hatte sich samt Trainerteam in einem großen Kreis auf einem der sonnengefluteten Rasenplätze des BVB-Trainingszentrums in Brackel eingefunden. Nun lauschten alle seinen Worten.
Es können nicht viele gewesen sein. Knapp eine Minute lang sprach der Schweizer, dann begann am Montagmorgen die erste Einheit dieser Sommervorbereitung. Seiner dritten als Hauptverantwortlicher der Dortmunder.

Bosse wollen keine Diskussion um Favre

Zwei Vizemeisterschaften hat der 62-Jährige bislang auf die Habenseite geschafft. Dazu einen beachtlichen Schnitt von 2,13 Punkten pro Spiel in der Bundesliga.
Das ist der beste seiner Art in der Historie des Traditionsvereins. Und dennoch ist Favre alles andere als unumstritten.
Kritik von (fast) allen Seiten zieht sich durch seine Amtszeit in Dortmund.
Zu ruhig agiere er an der Seitenlinie, zu wenig hole er aus der talentierten Dortmunder Mannschaft heraus, zu gering seien die Chancen des BVB unter Favre auf die Meisterschaft, so heißt es in regelmäßigen Abständen.
Nach der erneut verspielten Meisterschaftschance in der vergangenen Saison hatte er selbst Raum für Spekulationen über seinen Rücktritt gelassen. Kurz kamen Gerüchte über etwaige Nachfolgekandidaten (Niko Kovac) auf. Richtig heiß wurde die Geschichte nie.
Favre darf weitermachen. Die Vereinsbosse erklären die laufenden Diskussionen über ihren leitenden Angestellten immer wieder für beendet. Ganz ersticken können sie sie aber nie.
Es entsteht der Eindruck, Favre arbeite auf Bewährung weiter. Bei der kleinsten Unebenheit auf dem gemeinsamen Weg könnte es ungemütlich werden.

Zielkorrektur auch für Favre

Der Kader nämlich ist stark wie lange nicht. Ganz gleich, ob Jadon Sancho den Verein noch Richtung England verlässt, kann das Ziel nur 'Meisterschaft' lauten. Schon beim lockeren Trainingsauftakt war die pure Qualität zu spüren.
Favre weiß das. Und trotzdem würde er niemals offen oder gar offensiv darüber sprechen. Auch um ihrem introvertierten Trainer einen Gefallen zu tun, ruderte die Vereinsführung jüngst zurück und schlug öffentlich leisere Töne an.
Noch im vergangenen Jahr hatte man die Schale als Ziel ausgegeben. Das ist - nach nur einem Jahr - wieder Vergangenheit. "Dann war auf einmal vom selbst ernannten Titelaspiranten die Rede, und das Umfeld wurde unruhig", sagte Michael Zorc beim Vorbereitungsstart. Dieses Spielchen müsse man nicht mehr mitspielen.
Favre dürfte ihm dankbar sein.

Vertragsverlängerung zunächst mal vertagt

Seit 2018 arbeiten die beiden zusammen. Favres Kontrakt gilt noch bis in den Sommer 2021. Zorc will dann aufhören und an Sebastian Kehl übergeben.
Die Frage, welchen Trainer er dann "hinterlässt", will der Sportdirektor nicht übers Knie brechen. So jedenfalls müssen die aktuellen Aussagen gedeutet werden. Eine verfrühte Verlängerung mit Favre soll es jedenfalls nicht geben.
"Beide Seiten - Verein und Trainer - haben festgestellt, dass wir im Moment die Notwendigkeit dafür nicht sehen. Wir gehen so in die Saison, das ist vereinbart worden", sagte Zorc relativ deutlich zur "Welt am Sonntag".
Gespräche über eine gemeinsame Zukunft seien frühestens für die Winterpause angedacht, erklärte der 57-Jährige. Auch das ist ein Hinweis. Favre muss - samt Team - einen Schritt nach vorne machen. Erst danach wird über seine Zukunft entschieden.
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