BVB: Machtwort bei Jadon Sancho - Hält Dortmunds Transfer-Veto?

Jadon Sancho wird auch in der kommenden Spielzeit das Trikot von Borussia Dortmund tragen - so zumindest sind die jüngsten Aussagen von Sportdirektor Michael Zorc zu verstehen. Die jüngere Vergangenheit lieferte jedoch genügend Beispiele, die das Machtwort der BVB-Bosse etwas relativieren. Bleibt die Borussia bei ihrem Shootingstar unnachgiebig oder wiederholt sich die Geschichte?

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Alea iacta est - die Würfel sind gefallen.
Am Rande der ersten Trainingseinheit in Bad Ragaz räumte Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc nach langem Hin und Her letztlich sämtliche Zweifel an der Zukunft von Youngster Jadon Sancho aus.
"Wir planen mit Jadon. Er wird nächste Saison beim BVB spielen. Die Entscheidung ist definitiv. Ich glaube, das beantwortet alle Fragen", betonte der 57-Jährige und verkündete in diesem Zusammenhang, dass Sancho seinen Vertrag in Dortmund bereits im vergangenen Sommer bis 2023 verlängert habe - zu verbesserten Bezügen.
Dortmund setzte somit am Tag der ausgerufenen Transfer-Deadline ein starkes Zeichen in Richtung Manchester United, das seit Monaten mit einer Verpflichtung in Verbindung gebracht wird.
Mats Hummels nahm die jüngste Nachricht mit Wohlwollen zur Kenntnis: "Er kann der Spieler sein, der den Unterschied macht. Ich freue mich, dass er bleibt."

BVB: Wende im Sancho-Poker nicht ausgeschlossen

Bereits in der abgelaufenen Spielzeit avancierte der Flügelstürmer mit 17 Treffern und 17 Vorlagen zu einem der Schlüsselspieler beim Vizemeister. Ein Verbleib von Sancho würde Dortmund nicht zuletzt im Hinblick auf den Meisterkampf mit dem FC Bayern zweifelsohne gut zu Gesicht stehen.
Ob das letzte Wort im Poker um den 20-Jährigen damit tatsächlich gesprochen ist, bleibt jedoch abzuwarten. Zumal das Transferfenster in diesem außergewöhnlichen Fußball-Sommer noch knapp zwei Monate bis zum 5. Oktober geöffnet ist.
Eine erneute Wendung in der Transfer-Saga scheint trotz des Machtwortes kein Ding der Unmöglichkeit zu sein.
Sollte das Telefon mit ein wenig Verspätung doch noch klingeln und sich ein Topklub nach Sancho erkundigen, würden die BVB-Bosse den Hörer mit ziemlicher Sicherheit wohl abnehmen.
Ganz verwerflich wäre ein Verkauf bei einem dreistelligen Millionenangebot in Zeiten der Coronakrise schließlich keineswegs. Jedoch haben die Verantwortlichen mit jenem deutlichen Statement eine enorme Fallhöhe erzeugt. Die Borussia würde nun ein gutes Stück Glaubwürdigkeit verlieren, sollte sie ihr Tafelsilber doch noch veräußern.
Die Aussagen von Zorc sollten daher etwas differenziert betrachtet werden. Immerhin lieferte die jüngere Vergangenheit auch Gegenbeispiele.

BVB: Dembélé und ein Trio als mahnende Beispiele

Auch im Juli 2017 wurde der Sportdirektor gefragt, ob ein gewisser Ousmane Dembélé in jenem Transfersommer aufgrund zahlreicher Offerten noch verkauft werde. "Auf keinen Fall", lautete damals die mehr als deutliche Antwort.
Was anschließend folgte, ist hinreichend bekannt: Der französische Youngster wurde trotz des vorherigen Vetos auf dessen Wunsch hin wenig später für insgesamt 138 Millionen Euro an den FC Barcelona abgegeben.
Ähnlich entwickelte sich der Transferpoker ein Jahr zuvor beim Trio Ilkay Gündogan, Henrikh Mkhitaryan und Hummels. "Dass uns gleich drei Mann dieses Kalibers im Sommer von der Fahne gehen, ist ausgeschlossen", prophezeite BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Januar 2016.
Es sollte jedoch anders kommen. Letztlich verließen alle drei Leistungsträger den Klub auf einen Schlag und Dortmund brach somit gleich eine komplette Achse weg.
Wiederholt sich also nun die Geschichte bei Sancho?

Transfers: Dortmund gehört zu Europas Spitze

Es scheint nicht ausgeschlossen, aber zumindest relativ unwahrscheinlich. Der BVB hat auf europäischer Bühne in den vergangenen Jahren deutlich an Standing gewonnen und zuletzt bewiesen, dass man fernab des sportlichen Geschehens auch auf dem Transfermarkt im Konzert der Großen mitspielen kann.
Man gibt eigene Spieler nicht unter Marktwert ab, weil man nicht muss.
So wurde Christian Pulisic im Winter 2019 für die Ablösesumme von 64 Millionen Euro an den FC Chelsea abgegeben - und gleich wieder ausgeliehen. Betrachtet man die Vertragsrestlaufzeit von gerade einmal eineinhalb Jahren, dürfte es einer der besten Deals der Schwarz-Gelben in der jüngeren Vergangenheit gewesen sein.
Selbst der Verkauf von Dembélé erwies sich im Hinblick auf die Krankenakte des Weltmeisters rückblickend mehr als Segen denn als Schwächung. Fakt ist, dass sich Dortmund beim Feilschen um Ablösesummen längst nicht mehr auf der Nase herumtanzen lässt, sondern seine eigenen Preisvorstellungen regelmäßig durchboxt.
Das Machtwort im Fall Sancho lässt den BVB zu jenem frühen Zeitpunkt der Transferperiode erneut äußerst stark erscheinen. Gewisse Restzweifel, ob die Entscheidung wie von Zorc angekündigt, tatsächlich "definitiv" ist, bleiben dennoch.
Gerade auch weil das Geschäftsmodell des Vizemeisters die Erzielung hoher Transfererlöse explizit beinhaltet.
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