BVB: Michael Zorc verlängert - Dortmunds wichtigste Unterschrift

Michael Zorc hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund um ein weiteres Jahr bis 2022 verlängert. Dem BVB bleibt damit eine seiner prägensten Figuren in der Vereinsgeschichte in einer anspruchsvollen Zeit erhalten. Unabhängig davon, wen die Borussia in diesem Sommer nach Dortmund transferiert, die wichtigste Unterschrift des Jahres ist die des Sportdirektors.

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"Ich habe Michael Zorc vor einigen Wochen persönlich darum gebeten, ein weiteres Jahr dranzuhängen", wird Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung beim BVB auf der vereinseigenen Homepage bzgl. der Vertragsverlängerung von Sportdirektor Michael Zorc zitiert.
"Wir alle beim BVB sind glücklich und dankbar, dass er unserem Wunsch entsprochen hat. Michael ist ein echter Borusse und als solcher bereit, in einer für uns alle herausfordernden Phase, in der Planungen schwierig und Entwicklungen schwer vorhersehbar sind, weiter in der sportlichen Verantwortung zu stehen. Diese Kontinuität tut uns gut."
Kontinuität trifft es gut, denn der 57-Jährige versprach sich seinem Herzensverein mit seiner Unterschrift für das 23. und 24. Jahr in leitender Position. Aber: Michael Zorc und Borussia Dortmund - das gehört schon viel länger zusammen.

Michael Zorc: Dortmunder Urgestein

"Die Älteren werden sich erinnern."
Eine Redensart, die häufig dann bemüht wird, wenn es um den Anfang von etwas Großem geht, im Zusammenhang mit Zorcs Vertragsverlängerung beim BVB passt sie wie die Faust aufs Auge.
Schließlich bedarf es einiger Anstrengungen, sich 42 Jahre zurückzuerinnern - für viele ist dies mangels Lebenszeit gar unmöglich.
Im Fall von Zorc ist es aber notwendig, denn seine Zeit beim BVB begann tatsächlich im Jahr 1978 - damals, als Johannes Paul II zum Papst gewählt und Reinhold Messner zusammen mit Peter Habeler als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff erklamm.
Zorc wechselte als Teenager von TuS Eving-Lindenhorst zum BVB und blieb bis heute. Seit 1998, ein Jahr nach dem Gewinn der Champions League, seinem größten Karriereerfolg, sowie als Rekord-Spieler und Torschütze der Schwarz-Gelben (571 Einsätze, 158 Tore) übernahm er den Posten des sportlichen Leiters.

Michael Zorc beim BVB: Der Mann mit der Spürnase

Heute, 22 Jahre später, ist er der dienstälteste Sportdirektor der Bundesliga und ohne Zweifel ein Garant für den Aufstieg der Borussia zur zweiten Kraft im deutschen Fußball. In seine Amtszeit fallen drei Meisterschaften (2002, 2011, 2012), zwei DFB-Pokalsiege (2012, 2017), das Champions-League-Finale (2013), sowie jede Menge Toptransfers - sowohl auf Einkaufs- als auch auf Verkaufsseite.
Zorc führte den Verein durch die schwere Zeit der Fast-Insolvenz 2005, etablierte ihn zusammen mit Watzke und Trainer Jürgen Klopp wieder an der Spitze des deutschen Fußballs sowie in der Champions League.
Zu seinen ersten Deals gehörten unter anderem die von Vereinslegende Dede oder Keeper Jens Lehmann, seine finanziell größten Coups landete er aber, auch den wahnsinnigen Ablöse-Entwicklungen geschuldet, im vergangenen Jahrzehnt.
Shinji Kagawa (2010), Robert Lewandowski (2010), Ilkay Gündogan (2011), Marco Reus (2012), Pierre-Emerick Aubameyang (2013), Ousmane Dembélé (2016), Jadon Sancho (2017), Axel Witsel (2018), Julian Brandt (2019) oder Erling Haaland (Winter, 2019): Die Liste der Volltreffer des gebürtigen Dortmunders ist lang.
Es liegt in der Sache, im Transfergeschäft auch mal danebenzugreifen - Emre Mor (2016), André Schürrle (2016) Jeremy Toljan (2017) - die Bilanz seiner Arbeit liest sich jedoch hervorragend.

BVB: Der Klub, dem die Supertalente vertrauen

Vor allem aber ist Zorc und seinem Team (inkl. aller Spielerscouts) ein Verdienst zuzuschreiben. Unter seiner Führung entwickelte sich der Verein zu einem Klub, dem die Supertalente im frühen Karrierestadium vertrauen. Der BVB ist heutzutage unter Spielerberatern als einer der besten und größten Sprungbrett-Vereine weltweit bekannt.
Was sich für den einen oder anderen negativ anhört, ist für die Dortmunder nicht nur wirtschaftlicher Segen sondern auch rein sportlich von großer Bedeutung. Spieler wie Sancho oder Haaland, Christian Pulisic oder Achraf Hakimi konnten im Signal Iduna Park vor 80.000 Zuschauern auf Champions-League-Niveau reifen und nebenbei um die deutsche Meisterschaft spielen.
Wenn sie den Verein dann nach zwei oder drei Jahren verlassen, spülen die Youngster oft ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Kosten in die Kassen. An dieser Stelle sei an Dembélé erinnert, der 2016 für 15 Millionen Euro von Stade Rennes kam und nur ein Jahr später, nachdem er im Pokalfinale 2017 gegen Eintracht Frankfurt das Tor zum Titel schoss, für 125 Millionen Euro plus Boni zum FC Barcelona wechselte.
Es liegt auf der Hand, dass Zorc auch aktuell schon wieder am nächsten Supertalent-Transfer arbeitet. Laut Berichten der "Ruhrnachrichten" sei sich der BVB bereits mit Jude Bellingham von Birmingham City einig - allerdings werde noch um die Ablöse gefeilscht, die zwischen 20 und 30 Millionen Euro liegen soll. Ein stolzer Betrag für einen Spieler, der am 29. Juni 2020 seinen erst 17. Geburtstag feiert.

Sebastian Kehl könnte auf Zorc folgen

Doch ganz egal ob Bellingham in Dortmund oder irgendwo anders unterschreibt: die wichtigste Unterschrift des Jahres haben die Borussen mit der ihres Sportdirektors bereits unter Dach und Fach gebracht.
Etwas überraschend, denn eigentlich war es ein offenes Geheimnis, dass Zorc nach der kommenden Spielzeit aufhört. Doch wie so vieles warf die Corona-Pandemie auch die möglichen Planungen des Sportdirektors durcheinenander.
"Uns steht eine Zeit bevor, die geprägt sein wird von großen Herausforderungen. Es ist für mich selbstverständlich, dass ich in einer solchen Phase an Bord meines Vereins bleibe und meinen Beitrag leiste, um Borussia Dortmund gemeinsam bestmöglich aufzustellen", begründet Zorc seine Entscheidung, wohl wissend, dass seine Nachfolge bereits vorbereitet wird.
Der ebenfalls langjährige Spieler und Kapitän des BVB, Sebastian Kehl, ist seit nunmehr zwei Jahren als Leiter der Lizenzspielerabteilung in der Führungsetage vertreten, wird langsam herangeführt und könnte, wenn die Zeit gekommen ist, in Zorcs Fußstapfen treten.
Dass diese riesengroß sein werden, versteht sich von selbst.
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