BVB-Star am Scheideweg: Jadon Sancho droht ein dauerhaftes Problem

Jadon Sancho hat den Bogen bei Borussia Dortmund mit einigen Eskapaden außerhalb des Platzes oft überspannt. Mit 20 Jahren und einem dicken Konto legt er reichlich Allüren an den Tag. Er wird jetzt schnell begreifen müssen, dass sein Talent allein nicht ausreicht, um als Spieler bis in die Weltspitze vorzustoßen. Der BVB reicht ihm die Hand. Noch.

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BVB-Sportdirekor Michael Zorc atmete tief durch, weil er wusste, dass die Frage kommen musste. Im Vorfeld des 1:0-Sieges von Borussia Dortmund gegen Hertha BSC äußerte er sich gefasst und sachlich zur Personalie Jadon Sancho. Mal wieder hatte er unter der Woche mit der "Friseur-Affäre" klubintern für negativen Wirbel gesorgt. Ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase.
Zorc, natürlich alles andere erfreut darüber, hielt dennoch die schützende Hand über den 20-Jährigen, betonte, dass sich schließlich noch andere Spieler die Haare haben schneiden lassen, die Hygieneregeln während des Schnitts eingehalten wurden und "nur" zum gemeinsamen Foto zum Abschluss nicht. Er seufzte und sagte letztlich: "Wir arbeiten mit ihm und seinem Management daran. Aufzugeben ist für uns keine Option."

Wortwahl bei Sancho lässt tief blicken

Seine Wortwahl lässt tief blicken. Bislang drangen sämtliche Ermahnungen und Strafen offenbar nicht zu Sancho durch. Mitspieler Emre Can, der sich nach eigener Aussage gut mit dem Offensivspieler verstehe, stellte die Vermutung in den Raum, dass Sancho "vielleicht zuviel auf andere Menschen höre". Das Umfeld sei entscheidend.
Noch sind sie in Dortmund absolut bereit, Sancho in die richtige Bahn zu lenken. Sie reichen ihm die Hand. Nur greifen sollte er sie dann jetzt auch.
Ansonsten droht ihm, dauerhaft das Image eines Problemspielers. Und auch wenn sich momentan die europäischen Spitzenvereine die Finger nach ihm lecken, bleibt die Fußball-Welt schnelllebig. Um wirklich ein Weltstar zu werden, ist Professionalität in allen Bereichen zwingend erforderlich. Can lernte bei seinen Stationen FC Bayern, FC Liverpool und Juventus Turin viele große Spieler kennen. Er weiß: "Er muss erwachsener werden. Und in Zukunft darf er sich solche Fehler nicht mehr leisten."
Sancho ist sicher nicht der erste Fußballer, dem die Kombination aus jugendlicher Naivität, reichlich Ruhm und haufenweise Kohle zu Kopf steigt. Extrawürste, wie das verspätete Erscheinen zu Teambesprechungen oder Protz-Videos bei Instagram mit Jetski oder Gold-Steak sind in diesem Fall Beweise, die das Internet und vor allem die Fans nicht vergessen.
Stimmen allerdings die Leistungen auf dem Rasen, rücken sie zumindest in den Hintergrund. Mit einer soliden beziehungsweise ansprechenden Vorstellung gegen Hertha rechtfertigte Sancho immerhin das Vertrauen, das Trainer Lucien Favre ihm einräumte. Er leitete den Siegtreffer von Can mit ein und hatte selbst eine große Chance. Jeder weiß, dass Sancho außergewöhnliche Fähigkeiten in der Offensive mitbringt und an einem guten Tag, den Unterschied ausmachen kann.
Es ist somit auch im Interesse der Mannschaft, ihn in die richtige Spur seiner Entwicklung zu pushen. Can vermutet: "Ich glaube nicht, dass er das extra macht, um einen Skandal herbeizuführen."

Unterstützung aus dem Team

Der 26-Jährige bot an, Sancho zur Seite zu stehen. Favre nahm das wohlwollend zur Kenntnis und betonte: "Du brauchst in einer Mannschaft drei oder vier Leader, die etwas sagen müssen. Das ist nötig."
Auch der Trainer selbst ist in solchen Fällen gefragt. Zeigt er eine menschliche Seite und hat einen guten Draht zum Spieler, ist dieser eher bereit, dessen Vorgaben umzusetzen. Jupp Heynckes beispielsweise, dessen Verhältnis zu seinen Spielern beim FC Bayern München sein großes Plus war, hat es sogar hinbekommen, Franck Ribéry von Mitarbeit in der Defensive zu überzeugen.
Bis 2022 läuft Sanchos Vertrag beim BVB noch. Ein Wechsel in diesem Jahr scheint trotz der finanziellen Unsicherheiten in Zeiten der Corona-Pandemie noch möglich. So oder so: Die nächste Saison könnte für Sancho eine wegweisende sein und die Antwort darauf liefern, ob er die Kurve kriegt. Oder eben nicht.
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