BVB siegt gegen Hertha BSC: Wenig Spannung - aber wichtige Lehren
Publiziert 06/06/2020 um 23:53 GMT+2 Uhr
Der Arbeitssieg von Borussia Dortmund gegen Hertha BSC war alles andere als ein Augenschmaus. Immerhin kann der BVB einige Erkenntnisse für die Zukunft daraus ziehen. Emre Can ist auf ungewohnter Position ein Mehrwert, Julian Brandt dagegen eher nicht. Und auf Bruno Labbadia wartet in Berlin noch eine Menge Arbeit, damit aus dem Hauptstadt- auch wirklich ein Top-Klub wird.
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Die wichtigste Szene eines mäßigen Bundesligaspiels ereignete sich ausnahmsweise schon vor dem Anpfiff. Gemeinsam knieten alle Spieler von Borussia Dortmund und Hertha BSC am Mittelkreis nieder, um ein kraftvolles Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt zu setzen. Schon beim Aufwärmen hatten die Profis entsprechende T-Shirts präsentiert.
Die sportliche Botschaft gestaltete sich am Samstagabend dagegen etwas diffus: Der BVB überzeugte nicht, er erarbeitete sich am 30. Spieltag aber ein 1:0 (0:0) und hat sein Champions-League-Ticket so gut wie in der Tasche. Trainer Lucien Favre jubelte erstaunlich heftig. Die Hertha hielt ordentlich mit, blieb aber harmlos und kassierte ihre erste Niederlage im fünften Spiel unter Trainer Bruno Labbadia.
Nationalspieler Emre Can (58.) traf für den BVB und verpasste den kleinen Europacup-Hoffnungen des Hauptstadtklubs einen Dämpfer. "Es ist zurzeit ein bisschen schwierig. Ohne die Fans fehlt manchmal ein bisschen Spannung", sagte Can bei "Sky": "Das war wohl so ein Spiel. Da musst du einfach gewinnen." Er mahnte: Noch sei das Ziel Königsklasse nicht erreicht.
Can überzeugt als Abwehrchef
Cans Leistung war einer der wenigen Glanzpunkte an diesem Abend. Weil Mats Hummels gelbgesperrt fehlte, übernahm Can die Rolle des Abwehrchefs. Mit Bravour. Im Anschluss überraschte er mit der Aussage, er könne sich sogar dauerhaft mit dieser Rolle anfreunden. Dennoch erklärte er: "Ich weiß aber auch, dass die Position Mats Hummels gehört. Er ist ein Weltklassespieler und wenn er da ist, werde ich wahrscheinlich nicht mehr da spielen. Aber am Ende entscheidet der Trainer."
Nach vorne war das Spiel der Gastgeber in der ersten Halbzeit eher fahrig. "Wir haben uns lange die Zähne ausgebissen", sagte Julian Brandt, der nicht seinen besten Tag erwischte. Seine Impulse blieben weitgehend aus, seine Aktionen waren zu lässig. Ihm war deutlich anzumerken, dass ihn ein volles Stadion sicher mehr motiviert hätte. Die Dortmunder hatten zwar viel Ballbesitz, gegen die gut organisierten Berliner konnten sie damit aber nicht viel anfangen. "Wenn wir so spielen, ist es schwer für ihn. Er ist mehr an ein 4-3-3 oder 4-2-3-1 gewöhnt, aber er lernt, peu à peu. Er ist noch sehr jung, das vergisst man leicht", merkte BVB-Trainer Lucien Favre an.
Zudem fehlte nach dem erneuten Ausfall des norwegischen Torjägers Erling Haaland (Kniebeschwerden) ein Zielspieler im Zentrum. Jadon Sancho war nach der Frisör-Affäre mit anschließender Geldstrafe zwar bemüht, agierte zunächst aber auch glücklos.
"Wenn Gegner sehr gut verteidigen, beißt man sich die Zähne aus. Das haben wir ein paar Mal erlebt. Aber wir haben so viel Qualität, dass wir es immer schaffen, mal durchzubrechen", bilanzierte Brandt.
Auf Labbadia wartet noch viel Arbeit
Seine Analyse zeigte auch den größten Unterschied zwischen den beiden Teams am Samstagabend auf. Bruno Labbadia hat seine Hertha zwar fest im Griff, sie befolgten sehr genau die laufintensiven Vorgaben, trotzdem fehlte es dann in der Offensive an Power. "Wir müssen anerkennen, dass Dortmund eine Top-Mannschaft hat und wir noch einen weiten Weg dahin haben, in den Bereich überhaupt reinzukommen", sagte er.
Der BVB hat sich mit dem Sieg zumindest ein komfortables Polster auf die Konkurrenz zugelegt. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig nun. Vier Spiele stehen in dieser Bundesliga-Saison noch aus, als nächstes geht es gegen Düsseldorf und Mainz.
"Wir schauen auf uns. Nach dem Spiel schauen wir, was passiert ist und auf die Tabelle. Spiel für Spiel, wir haben Samstag ein Spiel. Der Sieg gegen Hertha war sehr, sehr gut. Wir wollen weiter so machen", stellte Favre klar.
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