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Dortmunds Strippenzieher Zorc: Haaland ist nur die Spitze des Eisbergs

Dortmunds Strippenzieher Zorc: Haaland ist nur die Spitze des Eisbergs

01/01/2020 um 11:46

Dem BVB ist mit Erling Braut Haaland der nächste Transfer-Coup gelungen. Ein Ausrufezeichen an die nationale und internationale Konkurrenz, die ebenfalls hinter dem 19-Jährigen her war. Stellvertretend für Haalands Verpflichtung steht Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, der in den vergangenen Jahren auffällig oft einen Riecher für Spieler mit Entwicklungspotenzial bewiesen hat. Eine Würdigung.

Dieser Transfer war ein Ausrufezeichen.

Ein weiteres, um es genau zu nehmen. Borussia Dortmund hat mit Erling Braut Haaland den ersten spektakulären Deal der Winter-Transferperiode abgeschlossen und damit die Transfer-Offensive aus dem vergangenen Sommer nahtlos fortgeführt.

Eine Kampfansage an die Konkurrenten in der Bundesliga. An den FC Bayern, Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig, den Tabellenführer, der ebenfalls großes Interesse am Shootingstar des Schwestervereins aus Salzburg hatte. Mit 20 Millionen Euro fällt Haaland zudem schon fast unter die Kategorie "Schnäppchen".

Und doch wurde es am Ende der BVB. Schon wieder - muss man mittlerweile sagen.

BVB: Strippenzieher Zorc steht für Erfolg

Denn was das Akquirieren nationaler und internationaler Top-Talente angeht, macht den Westfalen schon lange keiner mehr etwas vor.

"Trotz vieler Angebote absoluter Topklubs aus ganz Europa hat sich Erling Haaland für die sportliche Aufgabe beim BVB und die Perspektive, die wir ihm aufgezeigt haben, entschieden. Unsere Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt", lobte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Arbeit des sportlichen Managements um Sportdirektor Michael Zorc, der in den vergangenen Jahren auffällig häufig einen grandiosen Riecher für Spieler mit Entwicklungspotenzial bewiesen hat.

Natürlich ist die Euphorie mit Vorsicht zu genießen. Immerhin ist der Norweger gerade mal 19 Jahre alt und hat noch kein Spiel für die Borussia absolviert. Seine bisherigen Stationen: Bryne FK, Molde FK und eben Salzburg. Die österreichische Bundesliga hat zwar in den vergangenen Jahren aufgeholt, ist aber noch lange nicht auf dem Level der deutschen.

Doch Haaland ist eben bei weitem nicht mehr der einzige Transfer-Coup in Zorcs seit 1998 anhaltender Manager-Ägide.

Sancho, Pulisic, Dembélé: Es ist ein Muster zu erkennen

Nehmen wir Jadon Sancho. Paradebeispiel Nummer eins für Zorcs Gespür. Den Engländer eiste der BVB vor zweieinhalb Jahren für knapp acht Millionen Euro aus der Jugend von Manchester City los. Mittlerweile gehört er beim BVB zu den absoluten Leistungsträgern und fast die gesamte Insel leckt sich nach ihm die Finger. Sanchos Marktwert heute? 120 Millionen Euro (transfermarkt.de).

Oder Marco Reus. 2012 ließ sich der BVB den damaligen Gladbacher 17 Millionen Euro kosten. Heute ist der Kapitän mit über 200 Torbeteiligungen eine absolute Vereinslegende.

Ousmane Dembélé verkaufte Zorc nach nur einem Jahr für ein Transferplus von unglaublichen 110 Millionen Euro. Und es können noch mehr werden. Dasselbe gilt für Christian Pulisic (kam aus der eigenen Jugend; ging 2019 für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea) oder Pierre-Emerick Aubameyang (kam 2013 für 13 Millionen aus Saint-Étienne; ging 2018 für 64 Millionen zum FC Arsenal).

BVB landet Transfer-Coups mit unbekannten Spielern

Nicht nur vielversprechende Talente gehören zum Beuteschema des BVB, auch Geheimtipps, die bei anderen Vereinen unter dem Radar laufen und ihr Potenzial nicht völlig ausschöpfen.

Robert Lewandowski wechselte 2010 für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen zum BVB und avancierte dort zum Weltklassestürmer. Shinji Kagawa bewegte Zorc zur Unterschrift bei den Dortmundern, als er in der zweiten japanischen Liga spielte. Die Ablösesumme damals: 300.000 Euro.

Alleine in den vergangenen fünf Jahren ließen sich zu dieser Liste mindestens noch zehn weitere Spieler hinzufügen. Ilkay Gündogan, Henrikh Mkhitaryan, Axel Witsel, um noch ein paar mehr zu nennen.

Natürlich waren auch Flops dabei. Andrij Jarmolenko zum Beispiel. Oder Emre Mor, Ciro Immobile und Alexander Isak. Rote Zahlen im moderaten Bereich, die jedoch von den Einnahmen deutlich überstrahlt wurden.

"Es kommt darauf an, Jungs für uns zu gewinnen, die noch nicht auf einem absoluten Toplevel sind. Wir bringen sie dahin", hatte Zorc einst im "kicker" gesagt.

Wurde beim BVB nicht glücklich: Andrey Yarmolenko

Wurde beim BVB nicht glücklich: Andrey YarmolenkoGetty Images

BVB ein Ausbildungsverein? Nur die halbe Wahrheit

Dortmund ist ein Ausbildungsverein, liest man immer wieder. Das stimmt immer noch. Für viele dieser Spieler blieb der BVB nur eine Durchlaufstation, und für einige wird es vielleicht auch eine bleiben.

Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Zusätzlich haben es die Dortmunder geschafft, sich über Jahre als zweiter Top-Klub neben dem FC Bayern zu etablieren, über Jahre die zweite Kraft auf internationaler Bühne zu sein. Trotz zahlreicher Umbrüche. Zorc hat großen Anteil daran.

Und sie streben nach mehr. Die Töne werden lauter, die Meisterschaft soll es nach 2011 und 2012 auch mal wieder sein. Daran müssen sie sich in Zukunft messen lassen.

Mit dem aktuell vierten Tabellenplatz sind die Schwarz-Gelben deshalb nicht zufrieden. Mit Haaland hat man für die Rückrunde die Weichen auf Angriff gestellt.

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