Das Alcácer-Mysterium: Der BVB braucht einen weiteren Stürmer braucht
Paco Alcácer steht dem BVB immer wieder wegen Blessuren und anschließenden Fitnessproblemen nicht zur Verfügung. Fällt der einzige "echte" Stürmer bei Borussia Dortmund aus, muss Favre immer wieder mit Verlegenheitslösungen à la Julian Brandt oder Mario Götze reagieren. Das kann für einen Klub mit den Ansprüchen der Schwarz-Gelben keine Dauerlösung sein. Der BVB muss im Winter nachbessern.
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Im Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand (3:2) kam Paco Alcácer in der 64. Minute beim Stand von 1:2 ins Spiel. Nur 15 Sekunden später bereitete er mit seiner ersten Ballberührung den 2:2-Ausgleich durch Julian Brandt vor. Eine Szene, die sinnbildlich für die Wichtigkeit des Spaniers beim BVB steht. Alcácer ist pure, unverfälschte Torgefahr - nur leider zu selten auf dem Feld. Fitnessprobleme bremsen ihn regelmäßig aus.
Aus diesem Grund war die Stürmerthematik rund um Borussia Dortmund schon während der Transferperiode im Sommer allgegenwärtig. Die verpasste Meisterschaft in der vergangenen Saison erklärten Experten auch damit, dass es dem BVB an Manpower im Sturmzentrum fehlte, wenn Alcácer mal nicht kann.
Der ehemalige Barça-Spieler, der einzige gelernte Mittelstürmer der Westfalen, wurde auf der Neunerposition meist von Mario Götze ersetzt. Mehr Verlegenheits- statt Dauerlösung – auch wenn Götze seine Sache vor allem in der Rückrunde ordentlich machte (sechs Tore, vier Assists).
BVB glaubt an Sturmduo Alcácer und Götze
Seit seinem Wechsel vom FC Barcelona zu Borussia Dortmund lief Alcácer beim BVB in 44 von 61 möglichen Pflichtspielen auf (66,6 Prozent). Lediglich in 23 davon spielte er von Beginn an (34,8 Prozent). Insgesamt kommt er auf nur 2399 von 5940 möglichen Pflichtspielminuten (40 Prozent).
Deutlich zu wenig, bedenkt man, dass der BVB-Kader per Definition überhaupt keinen anderen Mittelstürmer bereithält.
Dass der BVB im Sommer diese Baustelle nicht schloss, liegt nicht nur am Mangel an Kandidaten. Es ist auch eine Grundsatzentscheidung, die man in der Führungsetage nach Analyse der vergangenen Spielzeit traf. Sebastian Kehl, Leiter der Abteilung Lizenzspieler, sagte vor kurzem im "ZDF":
Letztes Jahr habe der BVB mit dieser Stürmerkonstellation "81 Tore geschossen" und "mit Paco und Mario Götze zusammen ein Sturmduo gehabt, die sich immer wieder abgewechselt haben und die immer wieder erfolgreich waren".
Zudem habe man mit Lucien Favre einen Trainer, der "eine andere Art Fußball spielen lässt, wie der eine oder andere Trainer. Es war für uns absolut in Ordnung."
Saisonverlauf fordert Neubewertung der Stürmer-Situation
Fakt ist: Fehlt Alcácer im Sturmzentrum, fehlt es dem BVB aber auch schlicht an Strafraumpräsenz und damit auch Torgefahr. 27 Tore in zwölf Spielen (2,25 Tore pro Spiel) mit Alcácer in der laufenden Saison - sieben Tore in sechs Spielen (1,16 Tore pro Spiel) ohne den 26-Jährigen.
Klar, die Verantwortung, Tore zu erzielen, liegt nicht allein bei den Strafraumstürmern. Auch der Rest der hochkarätig besetzten Offensivzentrale um Marco Reus (fünf Bundesligatore), Thorgan Hazard (ein Bundesligator), Jadon Sancho (drei Bundesligatore) und Julian Brandt (ein Bundesligator) ist gefordert.
Dennoch scheint es nach nun gut einem Drittel der Saison einen schleichenden Prozess in der BVB-Führungsetage zu geben, der durchaus zu einer baldigen Neubewertung der Stürmersituation führen könnte. Kehl dazu:
"Für jeden großen Klub gehört es sich, dass man sich immer wieder hinterfragt und immer wieder auch kritisch miteinander umgeht. Das werden wir natürlich auch tun. Wenn wir die Notwendigkeit sehen, im Winter zu handeln", so der ehemalige Kapitän, dann werde man das auch tun.
Besonders die Partien in Mailand (0:2 - nur zwei Schüsse aufs Tor), auf Schalke (0:0 - drei Schüsse aufs Tor) und in München (0:4 - kein Schuss aufs Tor) dürften die Alarmglocken bei Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Co. schrillen lassen.
Könnten sofort helfen: Mandzukic und Giroud
Es passt daher ins Bild, dass die "Bild-Zeitung" aktuell darüber berichtet, dass man sich beim BVB im Winter um einen adäquaten Sturmpartner für Alcácer kümmern werde. Namen von etwaigen Kandidaten werden auch schon diskutiert.
Mario Mandzukic wäre wurde bereits im Sommer heiß gehandelt. Der Kroate kennt die Bundesliga, spielte für den VfL Wolfsburg (60 Spiele, 20 Tore) und den FC Bayern (88 Spiele, 48 Tore) - steht allerdings auch bei Manchester United hoch im Kurs.
Bei Juventus Turin ist der 33-Jährige auf dem Abstellgleis, darf sich freigestellt vom Training einen neuen Verein suchen. Mit seiner bulligen Statur und dem eingebauten Torriecher könnte er genau der Stürmertyp sein, der dem BVB abgeht.
Auch Olivier Giroud wurde zwischen Juni und August immer wieder im Zusammenhang mit dem BVB genannt. Beim FC Chelsea ist er nicht mehr als ein Ergänzungsspieler, schaffte es nur in vier von zwölf Ligaspielen auf den Rasen (ein Startelfeinsatz). Zudem läuft der Vertrag des Franzosen im kommenden Sommer aus, sodass er vergleichsweise günstig zu haben wäre.
Dauerlösung Haaland?
Sowohl Mandzukic als auch Giroud (33) wären aber aufgrund ihres Alters keine Dauerlösungen. Setzt man auf die Strategie der vergangenen Jahre und bemüht sich um junge, aufstrebende Talente, die beim BVB zur internationalen Klasse reifen, könnte Shootingstar Erling Haaland von RB Salzburg ein Kandidat sein.
Der 19-Jährige ist einer der aufregendsten Spieler in Europa, kommt in 18 Pflichtspielen in dieser Saison wettbewerbsübergreifend auf 26 Treffer. Problem: Der Norweger hat noch einen Vertrag bis 2023 bei den Roten Bullen und wird von halb Europa gejagt.
Laut "ESPN" soll RB den FC Barcelona bereits mit einem 100-Millionen-Euro-Preisschild abgeschreckt haben. Parameter, die es unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass der BVB zuschlägt.
Wie auch immer: aktuell ist Paco Alcácer fit. Gegen den FC Bayern wurde er in der 61. Spielminute eingewechselt. Die anstehende Länderspielpause dürfte dem Spanier zusätzlich weiterhelfen, seinen Fitnesslevel zu steigern.
Man darf also davon ausgehen, dass der Stürmer im kommenden Ligaspiel gegen den SC Paderborn wieder von Anfang an spielt. Bleibt für den BVB zu hoffen, dass etwaige Tore gegen den Aufsteiger den Blick auf die Realität nicht verwässern. Denn der nächste Ausfall kommt bestimmt.
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