Geknickt und desillusioniert stapften Spieler und Verantwortliche des BVB nach der herben 0:4-Klatsche im Topspiel beim FC Bayern München durch die Mixed-Zone.
"Tief enttäuscht und konsterniert" - so beschrieb etwa Sportdirektor Michael Zorc seinen Gemütszustand nach dem Spiel. Er wisse nicht, was er sagen solle:
Es war so ein deutlicher Leistungsunterschied. Das 4:0 geht komplett in Ordnung. Wir haben nicht stattgefunden.
Bundesliga
Von wegen Flickschuster: Warum Flick bis zum Saisonende Bayern-Trainer bleiben muss
11/11/2019 AM 11:01

Leere Blick Dortmunder nach der 0:4-Klatsche in München: Axel Witsel, Paco Alcácer und Nico Schulz (von links nach rechts)

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Auch Kapitän Mats Hummels suchte nach Erklärungen: "Wenn ich es auf eine Sache beschränken muss, dann ist es dieses Dagegenhalten", analysierte der Abwehrchef, der bei den ähnlich deutlichen Siegen des Rekordmeisters in den vergangenen Jahren noch auf der anderen Seite stand.
Es brodelt beim BVB - und dennoch beweist ein nüchterner Blick auf die Tabelle mit zwei Tagen Abstand: Noch ist nichts passiert. Alle Saisonziele sind noch zu erreichen.

Nach sieben Spielen zeigt sich die Richtung

Sieben Spiele hat der selbsternannte Meisterschaftskandidat in den vergangenen drei Wochen absolviert. Darunter zwei Partien gegen den aktuellen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach, zwei Duelle gegen Inter Mailand und eben das Gipfeltreffen in der Bundesliga gegen den FC Bayern. Die "Wochen der Wahrheit" im Oktober und November sollten, so der allgemeine Tenor, die grobe Richtung für den Rest der Saison vorgeben.
Schaut man sich die reinen Ergebnisse an, kann man dem BVB eine ordentliche Bilanz ausstellen. Achtelfinale im DFB-Pokal, Platz zwei und beste Chancen auf die K.o.-Runde in der Champions-League-Todesgruppe (FC Barcelona, Inter Mailand, Slavia Prag) und lediglich zwei Punkte Rückstand auf den FC Bayern in der Bundesliga.
Und dennoch überschattet die Deutlichkeit der Niederlage in München die durchaus vorzeigbare Gesamtsituation. "Wir sind keine Top-Truppe", legte Hummels noch in den Katakomben der Allianz Arena den Finger in die Wunde. Ein hartes Urteil, das tief blicken lässt - wenn auch aus der Emotion heraus getätigt.

Fand klare Worte nach dem Spiel in München: BVB-Kapitän Mats Hummels

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Muss der BVB sein Saisonziel korrigieren?

Fakt ist: Deutscher Meister wird seit nun rund 56 Jahren die Mannschaft, die nach 34 Spieltagen die meisten Punkte gesammelt hat und folgerichtig auf Platz eins der Tabelle steht. Rein rechnerisch - der BVB hat nach etwas weniger als einem Saisondrittel sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer Gladbach und eben nur zwei Punkte auf den großen Rivalen FC Bayern - muss man also nicht vom ausgerufenen Ziel abrücken.
Es wäre regelrecht peinlich, wenn man nach nur elf Spieltagen schon die weiße Fahne schwenken würde. Besonders wenn man sieht, mit welchen Schwierigkeiten auch der FC Bayern in dieser Saison schon zu kämpfen hatte. Im durchwachsenen Herbst der Borussia ließen die BVB-Bosse daher auch regelmäßig verlauten, dass noch alle Ziele zu erreichen seien.
Trotzdem scheint die Meister-Ansage aus dem Sommer in den Köpfen der Spieler einiges zu veranstalten. Die bewusste Erhöhung der Erwartungshaltung, die für den BVB höchst ungewöhnlich ist, sollte neue Kräfte freisetzen, das gewisse Etwas im Meisterschaftskampf bringen. Nach dem Spiel in München kann man aber festhalten: Einen Großteil der Mannschaft scheint dieser "neue Weg" zu hemmen.

Wo sind die Führungsspieler?

Roman Weidenfeller, ehemaliger Kapitän und Torhüter der Westfalen, benannte das Problem bei Sky90 so:
Ich glaube, dass sich viel zu viele Spieler verstecken auf dem Platz. Leute wie Roman Bürki oder Mats Hummels, die das Zeug dazu haben, eine Mannschaft zu führen. Auch Axel Witsel oder Marco Reus im Sturm. Man muss als Kollektiv vorne attackieren und sich dem Ganzen nicht ergeben.
Er habe "nicht mal das Gefühl" gehabt, "dass man sich über diese Niederlage aufgeregt hat".

Paco Alcácer und der BVB boten eine Leistung zum wegschauen

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In der Tat wirkten die Spieler auf dem Feld ratlos und überfordert - aber auch irgendwie emotionsarm. Bis auf Hummels, der sich noch in der ersten Halbzeit kräftig auf die Brust, aufs BVB-Wappen, klopfte und so versuchte, seine Mitspieler aufzuwecken, suchte man vergeblich nach Anführern in Schwarz-Gelb. Dass es sie grundsätzlich gibt im Kader der Borussia, und das ist die gute Nachricht, haben die vergangenen sieben Spiele aber auch gezeigt.
Und noch bleibt ja genug Zeit (allein in der Bundesliga sind noch 23 Spiele zu absolvieren), der offensiven Ansage der Führungsetage Taten folgen zu lassen...
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