FC Bayern: Alphonso Davies entwickelt sich zum Luxusproblem für München
Alphonso Davies lieferte im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund (4:0) sein Meisterstück als Linksverteidiger ab. In Zeiten, wo der FC Bayern händeringend nach Abwehrspielern sucht, ist der Kanadier mehr als nur ein ordentlicher Ersatz für den nach innen versetzten David Alaba. Stellt sich die Frage: Hat der FC Bayern bald ein unverhofftes Luxusproblem hinten links?
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In der 17. Spielminute zeigte Alphonso Davies im Spiel gegen Borussia Dortmund (4:0), dass Hansi Flick völlig richtig damit lag, ihm auch im Bundesliga-Topspiel das Vertrauen zu schenken.
Sein Ballgewinn gegen Jadon Sancho in der eigenen Hälfte war es, der das 1:0 für die Münchner einleitete. Wenn man so will, brachte der 19-Jährige den Rekordmeister auf die Gewinnerstraße.
Davies lieferte ohnehin ein tadelloses Spiel ab: Der Kanadier gewann elf von 13 Zweikämpfen und war damit bester Zweikämpfer auf dem Platz. Außerdem brachte er 44 von 47 Pässen an den Mann. Als er in der zweiten Halbzeit so richtig in Fahrt war, bekam er mehrfach Szenenapplaus. Kurzum: für viele war er der heimliche Star des Spiels.
Davies als Linksverteidiger: Lob von allen Seiten
"Alphonso ist die Zukunft", hatte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic schon ein paar Tage zuvor gesagt, "aber nicht nur das: Er zeigt auch, dass er schon jetzt eine große Rolle spielen kann."
Das Spiel gegen den BVB war bereits der fünfte Pflichtspieleinsatz in Folge, bei dem der 19-Jährige den Linksverteidiger gab. David Alaba musste schließlich aufgrund der Verletzungen von Niklas Süle (Kreuzbandriss) und Lucas Hernández (Innenbandriss im Sprunggelenk) in der Innenverteidigung aushelfen.
"Brutal", sei die Leistung gewesen, sagte Thomas Müller. "Er ist ein Spieler, der unglaubliche physische Voraussetzungen hat, aber technisch, taktisch wird er sich in den nächsten Jahren auch stabilisieren und noch besser spielen", schwärmte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge und prophezeite:
Auch der aktuelle Bayern-Trainer ist zufrieden. "Rein in der Defensive hat er es sehr gut gemacht. Er hat die Seite gut zu gemacht", befand Hans-Dieter Flick führte aus:
Wird Alphonso Davies zur Dauerlösung hinten links?
Lernen geschieht durch Praxis – und die dürfte der Youngster bis zur Winterpause noch reichlich bekommen. Süle und Hernández werden vor der Winterpause nicht mehr auf den Rasen zurückkehren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Alaba auch weiterhin eher in der Innenverteidigung gebraucht wird.
Flick setzte in seinen bisherigen beiden Spielen als Cheftrainer auf eine Zentrale bestehend aus Javi Martínez und dem Österreicher. Nach dem Champions-League-Duell mit Olympiakos Piräus (2:0) sprach er von "Einspielen". Die Top-Leistung gegen den BVB bestätigte ihn. Ändert der ehemalige DFB-Co-Trainer auch weiterhin nichts, könnte Davies gar zur Dauerlösung werden.
"Mit David Alaba habe ich einen Weltklasse-Linksverteidiger neben mir, was es für mich sehr viel einfacher macht. Er hilft mir, redet mit mir, gibt mir viele Anweisungen", erzählte Davies bereits nach dem Spiel gegen Piräus (2:0).
Was wird aus Boateng? Was will Alaba?
Ob das tatsächlich passiert hängt aber nicht nur allein von seinen Leistungen ab. Wenn in der Verteidigung alle fit sind, hat Alaba aufgrund seiner Vergangenheit den Platz hinten links sicher. Wenn Jérôme Boateng nach seiner Zwei-Spiele-Sperre, die er nach seiner Roten Karte gegen Frankfurt (Notbremse) auferlegt bekommen hat, zurückkehrt, könnte Flick ihn zurück ins Abwehrzentrum stellen.
Auf dem Weg zum Luxusproblem
Davies‘ überzeugende Leistungen machen es für Flick allerdings schwer, ihn rauszunehmen. In der personellen Notlage, in der sich der FC Bayern defensiv aktuell befindet, stellt sich sowieso nicht die Frage, ob Davies nicht besser "langsam" an die erste Elf herangeführt werden sollte.
Der Kanadier ist bereits mitten drin und bewies sich auf höchstem Niveau als ernsthafte Alternative. Natürlich gibt es neben all den Dingen, die Davies schon richtig macht, auch noch Verbesserungspotenzial.
"Davies hat zu wenig hinterlaufen, in der zweiten Halbzeit hat er es öfter probiert. Er hat enormen Speed, das müssen wir mehr ins Spiel bringen", analysierte Flick beispielsweise.
Dennoch: Entwickelt sich Davies derart rasant weiter wie in den vergangenen Wochen, hat der FC Bayern schon bald ein echtes Problem. Ein Luxusproblem.
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