FC Bayern demonstriert Stärke: Warum Flick und Müller erst der Anfang sind
Transferstopp? Dann stellt der FC Bayern München eben anders die Weichen für die Zukunft. Mit den Vertragsverlängerungen für Hans-Dieter Flick und Thomas Müller demonstrieren die Bayern Stärke in der Corona-Krise. Beide Unterschriften sollen aber längst nicht die letzten gewesen sein. Das Unternehmen "Kader-Optimierung" fördert zudem einen neuen Wunschkandidaten zutage.
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Das Bild war ein bisschen schief, passte damit aber irgendwie wieder in diese komischen (Corona-)Zeiten.
Die Vertragsverlängerung von Thomas Müller bis 2023 sei natürlich dufte, meinte Bayern-Präsident Herbert Hainer am Mittwoch in einer Videobotschaft von der Säbener Straße – Müller gehöre schließlich zum FC Bayern München wie "das Oktoberfest zur Stadt München". Nun ja.
Transferplanung auf Eis - Fokus auf Verträgen
Dass aktuell keiner sagen kann, wann Müller wieder für den FC Bayern spielt, oder ob das Oktoberfest 2020 überhaupt stattfindet, scheint sie an der Säbener Straße aktuell weniger umzutreiben. Sie fahren derzeit auf Sicht, die Bayern. Sie tun, was sie tun können. Aus einer Position der Stärke heraus, versteht sich.
Es ist erst ein paar Tage her, dass Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge verkündet hatte, der FC Bayern stelle in Sachen Transferplanung alles "auf Hold". Der Lockdown in Sachen Neuerwerbungen führte aber offenkundig zu einer nach innen gewandten Analyse, sprich: Forcierung von Vertragsgesprächen.
Aus dem Hut sprangen Verlängerungen mit Cheftrainer Hans-Dieter Flick und eben dem Oktoberfest-Müller, beide bekamen Papiere bis 2023. Folgt man dem Gebaren der Bayern der vergangenen Tage und Wochen genauer, kann das nur der Anfang sein.
Flick will Neuer, Alaba und Thiago unbedingt halten
Flick jedenfalls benannte am Dienstag relativ genau, welche der aktuell nur noch bis 2021 unter Vertrag stehenden Spieler seiner Meinung nach als nächstes den Stift schwingen sollten.
Er nannte konkret: Manuel Neuer, David Alaba, Thiago, genau in dieser priorisierten Reihenfolge. Letztlich wisse ja "auch der Verein, was er an diesen Spielern hat". Flick hoffe, formulierte er schlau, "dass es in die richtige Richtung geht".
Im Falle des Bälle hinterher hechtenden Kapitäns zum Beispiel habe er "immer wieder deutlich gesagt", was er von ihm halte.
FC Bayern: Leistungsträger sollen verlängern
Genauso "gut" und damit wichtig sei Alaba, der auf seiner neuen Position als Innenverteidiger "herausragend" spiele. Ach ja, der Spanier Thiago sei natürlich aktuell auch "auf einem besonderen, hohen Niveau". Oder halt gleich so ausgedrückt:
Klarer kann man einen Wunsch kaum noch formulieren, ohne einen Wunschzettel unter der Bürotür ins Vorstandszimmer durchzuschieben.
Kahn und Flick bezirzen Neuer
Im Fall von Neuer sind die Parteien Berichten zufolge noch ein Stück auseinander. Dass den 34-Jährige die Verpflichtung von Alexander Nübel (FC Schalke 04) zur kommenden Saison gekränkt hat, ist Fakt.
Das versuchen nun Flick, der Neuer de facto bereits für die nächste Spielzeit zur Nummer eins erklärt hat, und das neue Vorstandsmitglied Oliver Kahn, für den der Nübel-Transfer eine Art Antrittsgeschenk war, durch eine Charmeoffensive wiedergutzumachen.
Neuer gehöre natürlich wie Müller zu den "Identifikationsfiguren des Klubs, die für Erfolg und Kontinuität stehen", sagte Kahn vor einer Woche der "Sport Bild". Und klar: "Generell können Torhüter, wie ich ja auch selbst gezeigt habe, natürlich bis ins hohe Alter spielen."
Auch wenn es laut Kahn eine große Herausforderung sei, das hohe Niveau zu halten.
Alaba geschmeichelt - nur noch Details bei Thiago?
Mit Nübel bekämen die Bayern, so Kahn, "einen hochtalentierten Torwart, der die Möglichkeit besitzt, sich hinter Manuel Neuer zu entwickeln und zu lernen". Wohlgemerkt: hinter Neuer. Man wird sich also noch einig werden.
Auch Alaba und dessen Berater haben dem Vernehmen nach die zuletzt getätigten lobenden Aussagen der Bayern-Oberen und des Trainers, der ihn "Abwehrboss" nannte gefallen.
Eine Entscheidung ist aber noch nicht durchgesickert. Bei Thiago dagegen, so schreibt es der "kicker", hänge eine Verlängerung bis 2023 nur noch an Kleinigkeiten. Hier könnte es also die zeitlich nächste Vollzugsmeldung geben.
Martínez, Tolisso und Boateng vor dem Abschied
Bringt Bayern die drei Personalien unter Dach und Fach, sind die Hausaufgaben fürs erste gemacht. Erste Streichkandidaten kristallisieren sich ebenso heraus.
So verdichten sich die Anzeichen, dass sich Javi Martínez, Corentin Tolisso und Jérôme Boateng einen neuen Verein suchen und bei einem passenden Angebot auch gehen können.
Bei Boateng, zuletzt wieder Teil der Stammelf, sagte Flick etwas kühl, der 31-Jährige sei nun "in einem Alter, in dem er selbst seine Zukunft planen muss". Sollte sich der Ex-Nationalspieler dazu entscheiden, seinen Vertrag bei Bayern zu beenden (!) bekäme er "volle Unterstützung, ganz klar".
Flick fordert Optionen im Kader
Doch auch, wenn der Bayern-Kader von der Alterstruktur her in den letzten Jahren deutlich verjüngt wurde – üppig besetzt ist er nach wie vor nicht.
"Wir müssen Optionen haben", fordert Flick deshalb auch weitere Verstärkungen: "Wir müssen flexibler agieren, um auch auf taktische Umstellungen des Gegners reagieren zu können." Er würde schließlich gerne "weiter mit dieser Qualität arbeiten, mit Spielern mit dieser Mentalität".
Für Boateng müsse ein neuer rechter Innenverteidiger her, zudem fahnden die Bayern weiter nach einem Rechtsverteidiger. Die wenig eingesetzte Leihgabe Álvaro Odriozola wird wieder zu Real Madrid zurückkehren. Obendrein wäre auch noch ein Backup für die Entdeckung der Saison, Alphonso Davies, links hinten recht hübsch.
Werner das Transferziel Nummer eins?
Offensiv ist derweil nicht von einer festen Verpflichtung des Leihspielers Philippe Coutinho (120 Mio. Euro fixe Ablöse an den FC Barcelona) auszugehen.
Und selbst wenn Bayern bei Ivan Perisic die mit Inter Mailand vereinbarte Kaufoption über rund 20 Millionen Euro aktiviert, wovon auszugehen ist, steht noch ein weiterer Offensivspieler auf der Wunschliste.
Nach dem bei Kai Havertz aktuell alles auf ein weiteres Jahr bei Bayer Leverkusen hindeutet und Leroy Sané (Manchester City) den Bayern wohl zu teuer ist bzw. für einen Kaufimpuls durch seinen Kreuzbandriss zu lange außer Tritt war, kristallisiert sich Timo Werner plötzlich als neue Nummer eins heraus.
Flick spricht von zwei Sturmspitzen
Die Frage, ob denn ein Sturmduo bestehend aus Robert Lewandowski und Werner denkbar sei, bejahte Flick am Dienstag: "Wir spielen immer mehr gegen Gegner, die sich tief fallen lassen und zwei Riegel vor dem Tor aufbauen. Zwei Spitzen sind absolut eine Option."
Was ein Neuzugang anno 2020 mitbringen müsse, hat derweil Kahn umrissen. "Um beim FC Bayern eine tragende Rolle zu spielen, müssen sowohl die sportlichen Fähigkeiten als auch die charakterlichen, mentalen Aspekte gut entwickelt sein", dozierte er unlängst:
Fein als "Campus-Produkt"?
Will man zum Ende der Karriere hin jedoch dem Vergleich mit dem Oktoberfest standhalten, muss man schon früher beim FC Bayern gespielt haben. Auf den Bayern Campus richten Flick, Salihamidzic, Kahn und Rummenigge ebenfalls ihr Augenmerk.
So könnte der ehemalige Campus-Zögling Adrian Fein (derzeit an den HSV verliehen) den Kaderplatz von Javi Martínez einnehmen.
Darüber hinaus sei es unbedingt das Ziel, wie im Falle des nun schon profierprobten Joshua Zirkzee "immer wieder Nachwuchsspieler für die Profis des FC Bayern auszubilden, die das Potenzial haben, legitime Nachfolger von Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, David Alaba oder Toni Kroos zu werden", wie es Kahn formulierte.
Auch Flick sagte am Dienstag:
Aber das sei "ein längerer Prozess, der nicht von heute auf morgen geht".
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