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Trainersuche beim FCB: Eine historische Chance

Trainersuche beim FCB: Eine historische Chance

02/12/2019 um 13:33

Hans-Dieter Flick ist Interimstrainer des FC Bayern München - aber kann er auch zur Dauerlösung werden? Der LIGAstheniker beschäftigt sich mit der Frage, welches Anforderungsprofil ein Bayern-Trainer erfüllen muss und stellt fest, dass sich dem Rekordmeister eine historische Chance bietet. Zudem kann auch der BVB einiges von Bayerns Trainersuche lernen.

Liebe Fußballfreunde,

keine andere Frage der Liga scheint in diesen Tagen von einer größeren schicksalhaften Vorsehung begleitet, wie die, ob Hansi Flick nach Weihnachten noch Bayern-Trainer ist. Oder eben nicht. Das ist schon deshalb kurios, da es sich um eine Einzelpersonalie handelt, die auch dann den Spielbetrieb der Bundesliga nicht weiter tangieren wird, wenn der FC Bayern den Hansi an Heiligabend aus der Bayernkrippe wirft.

Hansi Flick beim Champions-League-Spiel gegen Belgrad

Hansi Flick beim Champions-League-Spiel gegen BelgradGetty Images

Auch im Post-Hansi-Zeitalter wäre die Saison erst zur Hälfte gespielt. Tatsächlich berührt die Frage auch deshalb so stark die Gemüter, weil man in den nächsten Wochen vielleicht einmal erfahren könnte, was es denn braucht, ein Bayern-Trainer zu sein? Also: Was braucht es wirklich, persönlich und pädagogisch, taktisch und trainingstechnisch, um die feinen Herren Manumüllerlewy trainieren zu dürfen? Das ist, zumindest inhaltlich, mal eine Frage, die immer noch Rätsel aufwirft.

Dass nämlich jeder Hausmeister die Startruppe von der Säbener Straße trainieren könne, diese Mär hat vor einigen Wochen schon "ZEIT Online" als "falscher" als falsch diagnostiziert. Und ganz nebenbei kann man sich in Dortmund (Favre) und Berlin (Klinsmann) überlegen, was die Flick-Kriterien für den eigenen Spielbetrieb bedeuten. Nichts Gutes möglicherweise.

Warum denn Favre?

Interessant ist doch, dass die Vereine, deren Trainer nicht ständig öffentlich diskutiert und/oder wechselweise in Frage gestellt werden, die Liga anführen: Gladbach mit Marco Rose und Leipzig mit Julian Nagelsmann. Warum? Weil man dort offensichtlich genauer weiß, was sie können müssen und warum man sie geholt hat. Und weil man sich, zumindest hat es den Anschein, weniger vom Hall eines Trainers, der ihm vorauseilt, sondern von seinem aktuellen Bewerbungsschreiben beeindrucken lässt.

Lucien Favre (l.) und Jürgen Klinsmann

Lucien Favre (l.) und Jürgen KlinsmannGetty Images

Jetzt kann man sagen, ja, in Gladbach gehe das noch, aber nicht mehr in München bei den großen Bayern. Das mag schon sein, aber es geht ja selbst bei den Dortmundern nicht mehr. Unbedingt wollte man den großen Favre für den nächsten großen Angriff auf die großen Bayern, um dann festzustellen, dass der schüchterne, zuweilen hilflose Lucien Favre emotional und persönlich, gerade im öffentlichen Augenschein, gar nicht der Typ ist, der den Bayern den Marsch blasen kann.

Also warum hat man ihn geholt und nicht einen anderen? Denn dass Favre so ist wie Favre ist, das war schon vorher bekannt.

Warum denn Klinsi?

Das gleiche mit Jürgen Klinsmann in Berlin. Klar, ein Weltstar, der Sommermärchenmacher, so einen braucht der Großstadtklub von Welt, mindestens. Könnte auch richtig sein, aber doch nicht als Trainer! Kennt irgendein kundiger Leser hier eine Mannschaft, die Klinsmann trainiert hat, die mit ihm irgendetwas besser konnte als vor ihm? Ich nicht!

Mannschaften, die es nach ihm deutlich besser machten, gibt es einige. Gut, könnte man sagen, das halbe Dutzend Co-Trainer, die er mitgebracht hat, könnten ja vielleicht was bewirken. Stimmt. Oder auch nicht. Den Sinn der ganzen Klinsi-Chose habe ich nur als Marketing-Gag der Berliner Tourismuswerbung verstanden.

Jürgen Klinsmann

Jürgen KlinsmannGetty Images

Sollte das Berliner Klinsi-Projekt scheitern wie das Klinsi-Projekt in München scheiterte, würde ich es in Berlin mal mit Hansi Flick versuchen. Sehr wahrscheinlich, dass der dann zu haben ist. Und der scheint nun wirklich ein Fachmann sein.

Historische Chance

Ist einem Mann wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wirklich zuzutrauen, dass er Hansi Flick im Bayern-Job belässt, bis Saisonende und darüber hinaus? Ich habe meine Zweifel. Rummenigge mag keine, die selbst keine Weltstars sind, so wie er selbst, selbst dann nicht, wenn sie ein Knowhow besitzen, das Weltspitze ist. Auch deshalb war Klinsmann schon mal Trainer in München (Also: Weltstar minus Weltspitze).

Hansi Flick ist Interimstrainer beim FC Bayern

Hansi Flick ist Interimstrainer beim FC BayernGetty Images

Endlich mal kein "Hoeneß-will-den, dann-will-Rummenigge-sowieso-einen-anderen", sondern Kallekahn nehmen, aus gemeinsamer Überzeugung, denjenigen, der es im Moment am besten hinkriegt. Fanfare, Töröö, Töröö. Vielleicht: Hans-Dieter Flick, 54, aus Heidelberg? Kein großer Name wie Ancelotti oder Guardiola, aber einer, der mit den Bayern noch ganz groß rauskommen kann.

Das lässt sich von Favre wohl nicht mehr sagen und von Klinsmann kaum noch erwarten.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

Video - "Kenne ihn schon lange": So beurteilt Süle die Arbeit von Trainer Flick

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