FC Bayern: Jérôme Boateng könnte sein letztes Spiel gemacht haben

Jérôme Boateng wurde erst genarrt, dann angeschrien und zu guter Letzt ausgewechselt. Der Nachmittag des 31-Jährigen beim Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen war zum vergessen. Als seine Kollegen in der zweiten Halbzeit die Gäste nach allen Regeln der Kunst auseinandernahmen, war Boateng nicht mehr mit dabei. Für ihn könnte es das letzte Spiel im Trikot des FC Bayern München gewesen sein.

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Der Weltmeister von 2014 stand gegen Bremen zwar in der Startformation, bekam aber von Gegenspieler Milot Rashica derart Knoten in die Beine gespielt, dass er völlig auf verlorenem Posten stand. Trauriger Höhepunkt war das 0:1 aus Bayern-Sicht: Rashica ließ Boateng im Sprint-Duell wie eine lahme Schnecke aussehen und führte ihn regelrecht vor. Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte im Anschluss zum Gegentor nur:
Dass Boateng überhaupt ins Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Kosovaren musste, lag am aggressiveren Pressing der Münchner unter Hansi Flick. Diese taktische Ausrichtung ist für Boateng, aufgrund des mittlerweile fehlenden Tempos, wie Gift. "Wir wissen, das Jérôme ein Weltklasse-Spieler ist. Wir spielen im Moment eben mit einem sehr großen Risiko, wir stehen sehr hoch. Da kommt so etwas vor", verteidigte Innenverteidiger David Alaba seinen Kollegen.

Boateng verliert Standing innerhalb der Mannschaft

Alaba war es auch, der auf dem Platz einen Disput zwischen Boateng und Joshua Kimmich schlichten musste. Kimmich geigte dem 31-Jährigen offenbar die Meinung und erklärte Boateng, was er von dessen Leistung hielt. Die beiden standen Kopf-an-Kopf aneinander, ehe Alaba dazwischen ging. Boateng hat nicht nur seine einstige Spritzigkeit verloren, sondern ist auch in der Bayern-Hierarchie abgerutscht. Dass der junge Kimmich vor ihm keinerlei Respekt mehr zeigt, signalisiert, dass Boateng nur noch wenig Autorität innerhalb der Mannschaft genießt.
Da er zudem bereits früh in der Partie Gelb sah, hatte Flick keine andere Wahl und wechselte Boateng in der Pause aus. Sein 300. Pflichtspiel für die Münchner könnte sein letztes gewesen sein - eine Karriere in der Sackgasse?
Denn klar ist: Boateng ist eigentlich nur noch die Nummer vier in der Innenverteidigung des Meisters, wenn überhaupt. Niklas Süle, Lucas Hernández und Javi Martínez liegen vor ihm. Auch Rechtsverteidiger Benjamin Pavard kann innen agieren. Zudem verteidigt David Alaba seit einigen Wochen im Zentrum, da Alphonso Davies auf links (Alabas eigentlicher Position) seinen Durchbruch geschafft hat.

Boateng nur noch Reservist beim FC Bayern

Boateng wollte schon im Sommer weg aus München, stand in Verhandlungen mit Juventus Turin und Manchester United. Ex-Präsident Uli Hoeneß kritisierte vor allem das vermehrt lustlose Auftreten des 76-fachen Nationalspielers:
Doch ein Transfer scheiterte, Boateng musste bleiben.
Schnell war jedoch klar, dass er unter Niko Kovac nur Reservist sein würde. Durch die Verletzungen von Süle und Hernández, erhöhten sich Boatengs Spielanteile zwar, absolute Stammkraft wurde er aber dennoch nicht. Bislang kommt er auf acht Liga-Einsätze in der laufenden Saison.
Martínez wird gegen Freiburg von seiner Gelb-Rot-Sperre zurückkehren, Hernández' Rückkehr wird Anfang 2020 erwartet. Boatengs Vertrag an der Säbener Straße läuft noch bis 2021. Doch auf ein Reservisten-Dasein dürfte der Weltmeister keine Lust haben.
Hansi Flick kennt Boateng bereits aus der Nationalmannschaft. Im Sommer lobte der damalige Bayern-Co-Trainer den 31-Jährigen:
Flick machte mit Boateng im November sogar Individual-Training, an einem eigentlich trainingsfreien Tag. Das zeigt, dass Boateng will - anders als in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit. Doch auch Flick meinte:

Boateng-Wechsel auch unter Flick unwahrscheinlich

Der gebürtige Berliner sieht jedoch auch nach dem Trainerwechsel von Nico Kovac zu Flick in München kaum noch eine Perspektive. Er soll laut "SZ" vor einigen Wochen bereits seinen Berater Fali Ramadani zum Gespräch mit Hasan Salihamidzic gebeten haben. Boateng soll sich ungerecht von den Bayern-Verantwortlichen behandelt fühlen und einen Winter-Wechsel anstreben.
Doch dieser Wechsel-Wunsch könnte, wie auch schon 2018 und im vergangenen Sommer, unerfüllt bleiben. Denn bei den Verletzungssorgen in der Münchner Abwehr soll Boateng zumindest als Backup bleiben und notfalls auch einspringen.

Bremen-Spiel war vielleicht schon Boatengs letzte Chance

Daher muss er sich wohl bis zum kommenden Sommer gedulden, erst dann erscheint ein Wechsel mit einer Restlaufzeit von dann nur noch einem Jahr (bis 30. Juni 2021) sinnvoll - auch wenn der 31-Jährige im Herbst seiner Karriere aufgrund seiner Leistungen nicht mehr mit Top-Angeboten rechnen kann. Vielleicht muss er sich dann auch mit einem Wechsel zu einem kleineren Klub beschäftigen.
Doch erst einmal muss Boateng sich bis zum Sommer im Bayern-Training weiter anbieten und seine Chance nutzen, wenn er denn eine weitere erhält. Denn gegen Bremen enttäuschte der Innenverteidiger auf ganzer Linie.
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