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Mia san (immer noch) mia: Bayern ist längst wieder da

Mia san (immer noch) mia: Bayern ist längst wieder da

11/09/2019 um 07:53Aktualisiert 11/09/2019 um 12:09

Einen Sommer lang wurde der FC Bayern zuletzt klein gemacht. Zu groß sei der Qualitätsverlust durch den Abgang der Vereinsikonen Franck Ribéry und Arjen Robben, zu klein der Kader und zu verworren die Situation des Trainers Niko Kovac. Zu allem Überfluss ginge der Meistertitel ohnehin nur über die aufgemotzte Konkurrenz aus Dortmund. Es scheint, als war der Sommer ein großer Irrtum.

Gar nicht mal so gut sah das aus, an diesem 16. August kurz vor 22:20 Uhr.

In der Allianz Arena zu München war gerade das Eröffnungsspiel der neuen Bundesliga-Saison zu Ende gegangen. Über ein Unentschieden gegen Hertha BSC war der heimische FC Bayern dabei nicht hinausgekommen.

Ungewöhnlich mutete das an, weil der Titelverteidiger von der Säbener Straße diese ersten Saisonspiele in den vergangenen Jahren traditionell nicht nur für drei Punkte sondern bereits zur Auflockerung des eigenen Torverhältnisses genutzt hatte.

Nun also Remis nach eigener Führung und ziemlich durchwachsener Leistung. Das passte so gar nicht in das bajuwarische Selbstverständnis, aber doch irgendwie in diesen Sommer 2019, in dem der Rekordmeister Tag für Tag aus der Favoritenrolle herausgeredet worden war.

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Bayern wird früh in der Saison abgeschrieben

Eine etwas undurchsichtige Transferpolitik, die in gleicher Anzahl Abgänge von Stammspielern und Fast-Zugänge umfasste, hatte genauso dazu beigetragen wie die neue, vorlaute Ausdrucksweise von Borussia Dortmund.

Der ewige Widersacher aus dem Ruhrgebiet hatte sich nach Jahren des Understatements tatsächlich dazu durchgerungen, das eigene Saisonziel in Zukunft etwas offensiver zu proklamieren. "Wir wollen Meister werden", schallte es da plötzlich durch die Republik. Und weil man derartige Dinge in der Bundesliga nicht einfach so sagt, musste ja etwas dran sein.

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Kurzum wurde Borussia Dortmund fast allgemeingültig zum Favoriten auf die Schale ausgerufen. Ganz formidabel eingekauft hatten die Schwarz-Gelben schließlich auch. Ganz im Gegensatz zum FC Bayern, wo die Neuzugänge Callum Hudson-Odoi, Timo Werner und Leroy Sané weiterhin beim FC Chelsea, RB Leipzig und in der Reha-Abteilung von Manchester City kickten.

Zu allem Überfluss gewann der BVB einen Tag nach dem bayrischen Stolperstart mit vier Toren Differenz gegen Augsburg und übernahm die Tabellenführung – mit zwei Punkten Vorsprung. Uneinholbar.

Kovac und das Team haben die Kurve bekommen

Dreieinhalb Wochen ist das her. Inzwischen haben die Münchner einen beeindruckenden Endspurt auf dem Transfermarkt, zwei deutliche Bundesliga-Siege und Dortmund ebenfalls einen peinlichen Ausrutscher gegen einen Berliner Bundesligisten hingelegt. Am 4. Spieltag können die Münchner aus eigener Kraft an die Tabellenspitze springen. Da sind sie wieder: Mia san (eben immer noch) mia.

Torschützen gegen Mainz 05 unter sich: Robert Lewandowski (l.) und David Alaba

Torschützen gegen Mainz 05 unter sich: Robert Lewandowski (l.) und David AlabaGetty Images

Die erste Elf sah schon beim ersten Spiel gegen Hertha äußerst vorzeigbar aus. Tiefe und taktische Variabilität gingen der Mannschaft von Trainer Niko Kovac aber noch ab. Das wurde inzwischen ausgeglichen.

In Philippe Coutinho, Mickael Cuisance und Ivan Perisic kamen drei neue Offensivspieler, die Defensiv-Neuzugänge Lucas Hernández und Benjamin Pavard spielten sich in Form und Unruheherd Renato Sanches wurde nach Lille verschifft. Hinzu kommt die neue, zentrale Position für Joshua Kimmich. Schon schnurrte der Bayern-Motor zu 9:1 Toren gegen Schalke und Mainz.

Dass Superstar Coutinho dabei noch deutliche Anpassungsprobleme offenbarte, sollte der Konkurrenz zu denken geben.

BVB-Star Witsel warnt vor Bayern

BVB-Star Axel Witsel sprach dies im "kicker" bereits offen aus. "Sie sind halt immernoch Bayern München", so der Belgier. Und weiter:

"Sie haben zwar Ribéry und Robben verloren, aber jetzt Coutinho und Perisic. Deswegen glaube ich, dass sie noch besser sind."

Das eigene Selbstbewusstsein hatten die FCB-Stars ohnehin nie abgelegt. "Wir sind besser als der BVB – ganz klar", untermauerte Corentin Tolisso den eigenen Anspruch bei "Sky". Robert Lewandowski hatte einen Tag zuvor beim hauseigenen "fcbayern.tv" zu Protokoll gegeben, die Münchner seien sein "erster großer Verein" gewesen. Keine Silbe von Dortmund.

Der 4. Spieltag präsentiert sich nun wie gemacht für ein bayrisches Ausrufungszeichen: Ein eigener Sieg in Leipzig, während ein erneuter Punktverlust des BVB beim 1b-Topspiel gegen Leverkusen nicht ausgeschlossen ist – spätestens dann wäre der 16. August endgültig vergessen.

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