Ist es am Ende nur eine Frage des Systems? Seitdem Bayern-Trainer Hansi Flick und Bayern-Ikone Thomas Müller vor Kurzem öffentlich über eine 4-4-2-Formation philosophiert haben, gilt jedenfalls Timo Werner als Favorit auf einen Transfer.

Während Leroy Sané auf dem linken Flügel zuhause ist und Kai Havertz das offensive Mittelfeld bestimmt, ist der Leipziger vornehmlich Mittelstürmer. Einer, der bei der Variante mit zwei Angreifern neben Chef-Goalgetter Robert Lewandowski zum Einsatz kommen könnte.

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Doch, zwei Spitzen seien schon "eine Option", erklärte Flick kurz vor Ostern. In den vergangenen Jahren war diese Variante allenfalls eine Notlösung in prekären Lagen. "Wir haben in dieser Saison schon öfter mit zwei Spitzen gespielt, meistens in den letzten zehn Minuten, wenn wir unbedingt noch ein Tor gebraucht haben", sagte Thomas Müller. Das 4-4-2 also als Bayern-Brechstange.

"Zwei Spitzen sind eine Option": Flick heizt Werner-Spekulationen an

Flick scheint sich aber mit dem Gedanken zu tragen, aus der Brechstange ein dauerhaftes Mittel der Gegnerbekämpfung zu machen. Der 55-Jährige wünscht sich eine größere Flexibilität für die kommende Saison, gerade im Offensivbereich:

Es wichtig, dass wir Optionen haben, auch vorne, dass wir durchaus mit zwei Spitzen spielen können.

Sollten die Bayern also tatsächlich abrücken vom bewährten Ein-Mann-Sturm mit Lewandowski, wäre Werner mit seinem Tempo und Torhunger der ideale Transfer. Der 24-Jährige ist darüber hinaus kein Ego-Shooter und hat neben 27 Pflichtspieltreffern schon zwölf Assists in dieser Spielzeit angesammelt.

Liverpool macht Bayern wohl Konkurrenz bei Werner

Die fulminanten Auftritte in Meisterschaft und Champions League sind natürlich auch anderen Vereinen aufgefallen - zum Beispiel dem FC Liverpool. Nach Informationen der "Sport Bild" hat Teammanager Jürgen Klopp höchstes Interesse daran, mit Werner seine exquisite Offensive aufzufrischen.

Einzige Bedingung: Klopp wolle den Angreifer vor einer eventuellen Verpflichtung persönlich kennenlernen - was in Zeiten der Coronakrise nicht möglich ist. Den Bayern dürfte dies eine Warnung sein, nicht allzu lange zu zögern.

Timo Werner im Spiel gegen Schalke

Fotocredit: Getty Images

Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff betonte indes, dass man den Nationalspieler auch in Zeiten der Pandemie "nicht deutlich unter Wert verkaufen" werde, es soll aber eine Ausstiegsklausel über 60 Millionen Euro geben. Der Haken: Diese müsse, so heißt es, noch im April gezogen werden.

Bayern-Legende Lothar Matthäus würde einen Werner-Deal definitiv einer Sané-Verpflichtung vorziehen, wie er in seiner Kolumne bei "Sky" betonte:

Er ist auf dem Feld flexibler, sein Charakter entspricht dem Wunschbild der Verantwortlichen möglicherweise ein kleines bisschen mehr. Da ist die Unruhe-und-Bling-Bling-Gefahr deutlich niedriger. Er kann sowohl ganz vorne an Lewandowskis Stelle spielen, hängend dahinter oder auf den Flügeln.

Beide Profis würden "einen totalen Mehrwert" für den FCB bedeuten, so Matthäus. Während Werner sich "in dieser Saison noch einmal deutlich entwickelt" habe, sei Sané aufgrund seines Verletzungspechs unverschuldet auf der Stelle getreten.

Management weist Kritik an Sané zurück

Unterdessen zeigt man sich bei Sanés neuem Management erstaunt darüber, dass die charakterliche Eignung - Stichwort Bling-Bling-Gefahr - des City-Profis angezweifelt wird. "Ich finde es erstaunlich, wie man den Charakter oder die Mentalität von Leroy infrage stellen kann. Da tut man ihm ohne Grund unrecht. Aber wie man mir versichert hat, tut das beim FC Bayern auch niemand", wird Damir Smoljan, Geschäftsführer von LIAN Sports, in der "Sport Bild" zitiert.

Neben den Bayern bestünde auch bei anderen europäischen Topklubs ein Interesse an Sané, so Smoljan weiter. Dennoch habe der Bundesliga-Tabellenführer gute Karten:

Der FC Bayern ist der einzige Klub in Deutschland, den sich Leroy als nächsten Karriere-Schritt vorstellen kann. Dort sieht er die Voraussetzungen, um sein großes Ziel, die Champions League zu gewinnen, erreichen zu können.

Die Gefahr für den FC Bayern besteht im Hinblick auf die Personalie Sané darin, dass es unklar wäre, in welcher Verfassung der Flügelfitzer an der Säbener Straße ankäme. Im vergangenen August zog sich der 24-Jährige bei Manchester City einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und fiel danach 208 Tage lange aus. Am 28. Februar klappte es zwar mit dem Comeback - vorerst aber nur in der U23 von City und auch nur über 57 Minuten.

Leroy Sané von Manchester City

Fotocredit: Getty Images

Es liegt noch ein weiter Weg vor Sané, ehe er wieder auf höchstem Level angreifen kann. Das stritt der ehemalige Schalke-Star, der in Manchester bis 30. Juni 2021 vertraglich gebunden ist, nach seinem Comeback auch gar nicht ab:

Ich bin noch nicht bei 100 Prozent und auf dem Niveau, auf dem ich vorher war, darüber gibt es keinen Zweifel.

So ehrlich die Aussage ist, so unkalkulierbar macht sie die Situation für den FC Bayern - zumal Sané wohl zum Rekordtransfer avancieren würde. Die im vergangenen Sommer vom englischen "Daily Telegraph" kolportierte Summe von 149 Millionen Euro wurde dem Vernehmen nach zwar nach unten korrigiert, 95 bis 100 Millionen Euro müssten die Münchner aber locker machen. In der Wirtschaft würde man da von einem Hochrisiko-Investment sprechen.

Lässt man also alle Faktoren in die Bewertung einfließen, würde Werner den Bayern im Moment am besten zu Gesicht stehen. Das Bild ändert sich allerdings, wenn es um mittel- und langfristige Interessen geht. Dann nämlich dürfte ein Havertz-Transfer am sinnvollsten sein.

Darum würde Bayern mit Havertz am besten fahren

Der Leverkusener ist mit 20 Jahren schon einer der besten deutschen Offensiv-Spieler und könnte bei Bayern irgendwann das Erbe von Müller antreten. Das Bayern-Urgestein verlängerte seinen Vertrag vor wenigen Tagen bis 30. Juni 2023, wäre bei Ablauf seines neuen Arbeitspapiers dann schon knapp 34 Jahre alt.

Flick hätte Zeit, das Supertalent behutsam aufzubauen, zu fördern. Dass dies nötig sein wird, ist aus Sicht des ehemaligen Bayern-Profis Michael Ballack sonnenklar. Im Interview mit "Sport 1" erklärte der 43-Jährige im Februar:

In Leverkusen ist Havertz aktuell super aufgehoben. Dort kann er auch in Ruhe seine Persönlichkeit weiterentwickeln. Beim FC Bayern brauchst du andere Eigenschaften, um dich durchzusetzen. Nur gut zu sein, reicht dort nicht.

Zuletzt hatte es wilde Spekulationen gegeben, ob Havertz denn überhaupt zu den Bayern wolle. Der "kicker" berichtete, dass ihn die "Ellbogengesellschaft" beim Meister abschrecke, ein Wechsel daher nicht das Ziel sei.

"Sky" wiederum will erfahren haben, dass es "in den vergangenen Wochen Kontakt zwischen dem FCB und Leverkusen" gegeben habe, um die Möglichkeiten eines Transfers auszuloten.

Kai Havertz

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Havertz selbst lässt sich nicht in die Karten schauen. "Ich bin bereit, einen großen Schritt zu machen, und ich mag Herausforderungen", ließ er wissen. Das bedeute aber nicht zwingend, dass er diesen großen Schritt innerhalb der Bundesliga mache. In seinen Überlegungen spiele "auch das Ausland" eine Rolle.

Havertz legt Fokus auf Trainer-Frage

Bayern-Coach Flick gilt als großer Bewunderer des Bayer-Talents - was entscheidend sein könnte, wie Havertz' Aussagen nahelegen:

Der Trainer ist für mich eine sehr wichtige Personalie, da muss es passen! Das sieht man ja auch bei unserem Coach Peter Bosz. Für mich zeigt sich die sportliche Richtung des Vereins auch in der Auswahl des Trainers.

In Leverkusen sind die Hoffnungen gesunken, den Leistungsträger zu halten. "Kai ist kommenden Sommer nicht zu halten", gab Bosz gegenüber dem "Algemeen Dagblad" freimütig zu. Finanziell betrachtet liegt Havertz in punkto Ablöse etwa auf einem Niveau mit Sané. Medienberichten zufolge soll der Youngster rund 100 Millionen Euro kosten.

Dennoch spricht vieles dafür, dass der FC Bayern mit einem Havertz-Transfer am besten fahren würden. Oder um es mit den Worten von Leverkusens sportlichem Geschäftsführer Rudi Völler zu sagen: "Kai ist der beste deutsche Spieler der nächsten zehn Jahre und daran wird sich auch nichts ändern."

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